Herschberg Warum sich der Rat für eine alte Holztreppe im Kindergarten entschieden hat

Der Kindergarten ist im ehemaligen Herschberger Schulhaus untergebracht. Anstelle der Nottreppe soll ein Aufzug gebaut werden.
Der Kindergarten ist im ehemaligen Herschberger Schulhaus untergebracht. Anstelle der Nottreppe soll ein Aufzug gebaut werden.

In die Kategorie (fast) unendliche Geschichte fällt der geplante Umbau inklusive Erweiterung der Kindertagesstätte Vogelnest in Herschberg. Seit Jahren befasst sich die Gemeinde mit diesem Projekt.

Dass es länger dauert, hat auch – aber nicht nur – mit der Entscheidung des Rates zu tun, das ehemalige Schulhaus zu erhalten und darin die Erweiterung unterzubringen. Eine Baugenehmigung liegt noch nicht vor. Nun galt es erneut eine Grundsatzentscheidung zu treffen.

Was passiert mit dem vorhandenen Treppenhaus im ehemaligen Schulhaus? Das war zugespitzt die Frage, mit der sich der Rat am Donnerstag befasste. Zwei Varianten hatte das Ingenieurbüro Lang-Merz aus Pirmasens vorbereitet. Hintergrund war, dass die vorhandene Treppe im Gebäude – eine alte Holzwendeltreppe – bei der Gemeindeunfallkasse nicht auf Begeisterung stößt. Deshalb sah eine Planvariante vor, dass an das bestehende Gebäude eine Art Treppenhaus angebaut wird, in der eine neue Treppe nach oben führt. Der Treppenhausbau endet in einem Flachdach, das an das bestehende Dach anschließt. Über Podeste wird der Anschluss an die Stockwerke hergestellt. Das wäre teurer, als die bestehende Holztreppe zu erhalten. Zudem sei es bautechnisch schwieriger, merkte ein Ratsmitglied an, diese Verbindungen in jeder Etage perfekt hinzubekommen. Für diese Variante sprach allerdings, dass sie bei der Unfallkasse wohl auf mehr Gegenliebe stoßen würde. Dort hatte man signalisiert, dass eine gewendelte Treppe heutzutage in einem Kindergarten nicht mehr gern gesehen sei.

Historische Ansicht soll nicht verändert werden

Was aus Sicht des Rates auch gegen diese Variante sprach: Man habe damals, zu Beginn der aktuellen Wahlperiode, von den ersten Erweiterungsplanungen für den Kindergarten bewusst Abstand genommen, weil man das ehemalige Schulhaus für die Gemeinde erhalten wollte. Ursprünglich sollte die Erweiterung über einen flachen Anbau realisiert werden. Würde nun ein weiteres Treppenhaus angebaut, das vom Gebäude vorspringt, würde die Ansicht des historischen Hauses deutlich verändert. Das sei nicht gewollt.

Verändert wird die Ansicht ohnehin, weil in dem Bereich, in dem derzeit außen die Nottreppe aus Stahl angebracht ist, künftig der Aufzug zu finden sein wird, um den herum die Haupttreppe zum Erschließen des mehrstöckigen Gebäudes führen wird. Aufzug und Treppe werden angebaut, aber mit einer Gebäudehülle versehen. Denn dass jemand den Kindergarten verlasse, um barrierefrei per Aufzug in ein anderes Stockwerk zu kommen, werde sicher auch nicht passieren.

Bisher keine Stürze auf der Wendeltreppe

Weil aus Sicht des Brandschutzsachverständigen nichts gegen den Erhalt der bisherigen Wendeltreppe spricht, kam nun Variante zwei ins Spiel. Die sieht vor, dass die historische Treppe aufgearbeitet wird, kein Treppenhaus angebaut wird. An der vorhandenen Wendeltreppe sei ohnehin auf der breiteren Treppenseite schon ein Handlauf in kindgerechter Höhe angebracht, den die Kinder nutzen, wenn sie ins obere Stockwerk gehen. Es habe auch noch keinen Sturz auf der Treppe gegeben, sagte Kita-Leiterin Sandra König.

Auch aus Sicht des Kindergartenteams ist der Erhalt der Wendeltreppe die durchaus zu bevorzugende Variante. Aktuell sieht es so aus, dass in den oberen Räumen nur die größeren Kinder sind, um dort zu essen. Die jüngsten Kitabesucher bleiben im Erdgeschoß. Für das Betreuerteam bedeutet das, dass aus der Küche im oberen Bereich Geschirr und Essen nach unten und nach der Mahlzeit wieder nach oben gebracht werden müssen. Dieser Zustand soll nach dem Umbau endlich der Vergangenheit angehören. Ziel sei es, sagte König, „dass alle gemeinsam im oberen Stockwerk essen können“. Die historische Treppe sei ja in erster Linie als zweiter Fluchtweg gedacht.

Kalkulierte Kosten von 1,6 Millionen Euro

Vor diesem Hintergrund entschied sich der Rat für die Variante mit dem Erhalt der bestehenden historischen Treppe. Dass die andere Variante mehr kosten würde, „das darf nicht das Kriterium sein“, hatte zuvor Bürgermeister Andreas Schneider deutlich gemacht. Angesichts derzeit kalkulierter Kosten von 1,6 Millionen Euro für das Gesamtprojekt wäre die Summe nicht so relevant.

Eigentlich hatte man geplant gehabt, im Sommer mit den Bauarbeiten zu beginnen. Aber die Baugenehmigung fehlt, gebaut wurde nicht. Das Ingenieurbüro wartet auch auf die Genehmigung. Die Planer sicherten zu, sich von den Fachleuten schriftlich bestätigen zu lassen, dass die nun gewählte Variante genehmigungsfähig sei. Die Ausschreibungen seien bereits so vorbereitet, dass in dem Moment, in dem die Baugenehmigung erteilt wird, die Arbeiten ausgeschrieben werden können. Es brauche nun zwingend die Baugenehmigung, um die nächsten Schritte gehen zu können.

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