Rumbach
Warum Saudi-Arabien in Rumbach mitspielt
Die Fußball-WM, der DFB, Katar und das große Geld, das dort im Namen des Sport hin- und hergeschoben wird: All das hat Andreas Langenberger frustriert. Er ist in Personalunion Vorstandsvorsitzender und seit 1. Juli auch Trainer des Turn- und Sportvereins (TuS) Rumbach. „Im TuS geht’s einfach nur ums Überleben“, stellt er fest. „Wir haben keine großen Sponsoren, sondern müssen uns mit Hilfe jeder Bratwurst, die wir bei einem Fest verkaufen, über Wasser halten.“ Es gebe mal Zuschüsse für Aktionen von der Daniel-Theysohn-Stiftung oder vom Sportbund – „das war’s dann aber auch“. Doch nun erhält der Verein Unterstützung aus Saudi-Arabien. Völlig überraschend.
Zuerst ein paar Mails und ein Aprilscherz
„Ich habe im März ein paar Mails an verschiedene Konsulate, von Saudi-Arabien, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, geschrieben und angefragt, ob man denn auch so kleine Vereine wir uns, die wir in der untersten Liga spielen, unterstützen würde“, erzählt Langenberger. „Das kam einfach aus reinem Frust über unsere finanzielle Lage. Ich hab’ auch erst mal niemandem davon erzählt, weil ich dachte, die denken alle, ich fang’ an zu spinnen“, berichtet der TuSler mit Leib und Seele von den Anfängen seines kleinen Abenteuers.
Zum 1. April hat er sich dann bei Facebook noch einen Scherz erlaubt und eine Meldung erstellt über einen neuen finanzschweren Investor beim TuS, der gar den Söller kaufen wolle und aus einer Rumbacher Pension ein Fußballinternat machen würde. „Als dann drei Wochen später eine Antwort per Mail vom saudi-arabischen Konsulat in Frankfurt kam, dachte ich natürlich, dass mich nun jemand veräppeln will“, meint er.
Erst einmal nicht geantwortet
Er habe dann auch erst mal nicht geantwortet, obwohl es ihm schon komisch vorkam, dass die Antwort auf die offizielle Adresse des TuS gekommen war, obwohl er die Anfrage von seiner privaten Adresse aus gestartet hatte. Ein Vorstandskollege, dem Langenberger die Antwort gezeigt hatte, rief ihn dann an einem Dienstagabend an mit den Worten: „Der Anrufbeantworter im Sportheim ist voll mit Anrufen Deiner Saudis“. „Dann hab ich halt mal zurückgerufen, war aber immer noch skeptisch. Dazu kam, dass ich wohl den Namen des zuständigen Herrn falsch ausgesprochen hatte und man mir sagte, dass es den im Konsulat nicht gebe“, erzählt Langenberger.
Das klärte sich aber auf und nach vereinbartem Telefontermin hatte Langenberger den saudi-arabischen Generalkonsul in Frankfurt am Telefon und führte mithilfe einer übersetzenden Mitarbeiterin ein erstes Gespräch. „Der war supernett und fragte, ob es Geld wäre, was ich will. Aber ich wollte ja nicht unverschämt sein und hab dann einfach gesagt: ,Ganz egal, wir sind für alles dankbar, was wir nicht selber erwirtschaften müssen’’’, berichtet der TuS-Chef. Der Generalkonsul meinte dann, er würde sich etwas überlegen.
Neue Trikots für den Verein
„Zwei Tage später kam ein Anruf eines Mitarbeiters, der mir sagte, dass er beauftragt sei, sich um das Wohlergehen des TuS Rumbach zu kümmern. Das war schon irgendwie komplett unwirklich. Wir sprachen über Trikots, Bälle, Torhütertrikots und andere Sachen“, blickt Langenberger zurück. Glauben, dass das Ganze real ist, konnte er es erst, als man ihm einen Trikot-Entwurf in den Vereinsfarben mailte und er gebeten wurde, das Wappen zum Druck zu schicken. „Wir haben dann die Rückennummern den Größen zugeordnet und zwei Wochen später kam eine Info, dass die Trikots fertig sind und der Generalkonsul diese persönlich vorbeibringen und den TuS kennenlernen möchte“, sagt Langenberger.
Über den Trikot-Satz freut er sich. „Wir sind ein kleiner Verein ohne finanzielle Möglichkeiten, aber mit vielen Ehrenamtlichen, die mit Herzblut dabei sind“, stellt er fest. So wurde beispielsweise 2019 der Rasenplatz in Eigenleistung neu angelegt, die Flutlichtanlage für 35.000 Euro auf LED umgestellt. „Wir haben eine junge Mannschaft, aber bei uns kann man außer einem Essen nach dem Training und einem Getränk nichts verdienen“, meint Langenberger. „Was wir bieten können, ist Kameradschaft, Vereinsleben und Gemeinschaft.“ Gerade erst sei ein dreitägiges Trainingslager für die Jugend beendet worden, bei dem alle mitgeholfen hätten, um es zu stemmen.
Nächste große Baustelle ist das Vereinsheim
Langenberger ist stolz auf seinen Verein. „Ich denke, dass auch die Leute im Dorf das zu wenig zu schätzen wissen, was wir hier auch an Jugendarbeit leisten“, sagt er nachdenklich, da wünscht er sich mehr Unterstützung. Das Vereinsheim ist die nächste große Baustelle, neben den etwa 1500 Euro, die im Monat an Kosten auflaufen. „Wer uns unterstützen möchte, kann das beispielsweise mit einer Dauerkarte machen“, schlägt er vor.
Auch die Bandenwerbung soll erneuert werden. Die von den Saudis gestalteten T-Shirts darf der Verein bei seinem üblichen Druckpartner für Fans in Auftrag geben, um die Vereinskasse aufzubessern. „Die Übergabe der Trikots werden wir im kleinen Kreis und vereinsintern halten“, sagt Langenberger – und wundert sich immer noch darüber, dass er mit seiner Anfrage Erfolg hatte. Ein bisschen wie aus 1000 und einer Nacht.