Waldfischbach-Burgalben RHEINPFALZ Plus Artikel Warum eine Idee zum Glücksfall wird

Für jede Figur, für jeden Geschmack, für jeden Geldbeutel: Mariela Farruggio (links) und Steffi Käfer bieten in ihrem Laden Cocc
Für jede Figur, für jeden Geschmack, für jeden Geldbeutel: Mariela Farruggio (links) und Steffi Käfer bieten in ihrem Laden Coccinella’s in Waldfischbach-Burgalben neben Second-Hand-Mode auch Wein, kulinarische Schmankerl, Kunst und einen Treffpunkt.

Nachhaltigkeit sei ein Grund, warum Menschen gebrauchte Kleidung kaufen. Die gewachsene Vorliebe für Vintage und der Preis spielen laut Forschungsergebnissen des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI gleichfalls eine wichtige Rolle. Das können Steffi Käfer und Mariela Farrugio bestätigen. Die beiden betreiben den Second-Hand-Laden „Coccinella’s – Feinste Schätze“ in Waldfischbach-Burgalben.

„Ganz wichtig ist für unsere Kunden, und wir haben mittlerweile mehrere hundert Stammkundinnen, dass unser Laden auch ein Treffpunkt ist, der Menschen zusammenbringt“, freuen sich die Ladeninhaberinnen. Die haben sich mit dem Geschäft einen kleinen Lebenstraum erfüllt. Im Nebenerwerb betreiben sie das Geschäft, das mehr als den Verkauf von Second-Hand-Mode umfasst. Käfer arbeitet hauptberuflich im Hairdom in Waldfischbach-Burgalben, Farruggio ist Krankenschwester.

Spaß an Mode, die Möglichkeit, die eigene Kreativität ausleben zu können, gleichzeitig kreativen Menschen eine Plattform bieten zu können, mit netten Menschen in Kontakt zu sein, kleine Events zu organisieren und ihnen mit regionalen Spezialitäten eine Freude machen zu können, „das bewegt uns, den Laden zu betreiben“, sagen beide unisono.

Nachhaltig und regional

Zur Nachhaltigkeit gehört für sie Regionalität. Verkauft werden Spezialitäten aus der Pfalz, vom Geschäftsstart weg gehörte Wein vom Weingut Anlag-Nüchterlein aus Rhodt/Rietburg zum Angebot. Leidenschaft für den Wein war der Auslöser, warum der Handel damit auf der Gewerbeanmeldung stand. „Jetzt müssen wir feststellen, dass uns diese Idee durch die Corona-Pandemie getragen hat“, sagt Käfer. Dank des Weins und des erweiterten Spezialitätenangebotes, das unter anderem Wildwaren aus der Region und Produkte kleiner pfälzischer Manufakturen umfasst, durfte Coccinella’s während des letzten Corona-Lockdowns geöffnet bleiben. Ansonsten „hätten wir den Laden schließen müssen“, sagt Käfer. Die Kosten seien weitergelaufen, Corona-Hilfe war kein Thema, da sie den Laden im Nebenerwerb betreiben. „Über Monate drauflegen wäre nicht gegangen.“ Nun wird wieder mehr möglich, das stimmt beide optimistisch. Sie denken über Modeschauen und kulinarische Fahrten in die Südpfalz nach.

Und es kann gefeiert werden. Im Juli vor zehn Jahren begann alles. „Ich wollte immer einen kleinen Laden betreiben“, erinnert sich Käfer. Ein Second-Hand-Laden für Baby- und Kinderbekleidung war die Idee. Dass aus der Idee Wirklichkeit wurde, daran hatte Ehemann Oliver großen Anteil. „Zum 40. Geburtstag hat er mir Ladenschilder geschenkt“, erzählt Käfer lachend. Verbunden mit der Aufforderung: Mach mal. Ein kleiner Raum, in dem früher eine Reinigung untergebracht war, war die erste Adresse. Der Name: Coccinelle. Französisch für Käfer.

Räume schnell zu klein

„Ich wusste nicht, ob so ein Geschäft in Waldfischbach-Burgalben, in einem Dorf, überhaupt funktioniert“, sagt Käfer. Schnell zeigte sich: Einen Second-Hand-Markt für Kinderbekleidung gab es nicht, aber einen für die Mode der Mamas. Der angemietete Raum war bereits nach zwei Monaten zu klein für die Ware. Eine Kundin der ersten Stunde bot ihr Räume in der Gartenstraße an, unweit einer Arztpraxis. „Das hat viele, die zum Arzt gingen, auf unseren Laden aufmerksam gemacht“, erinnert sich Käfer an den Glücksfall. Der Kundenstamm wuchs. Es gab die ersten Modeschauen im Gasthaus „Zum Deutschen Kaiser“. Kundinnen wurden zu Models. „Das Familiäre ist ein ganz wichtiger Punkt, warum es uns immer noch gibt“, sind sich Käfer und Farruggio einig.

Dazu kam die gesellschaftliche Entwicklung. Nachhaltigkeit, Ressourcen schonen wurde zum Thema. In der Mode kam der sogenannte Vintage-Style auf. Second-Hand-Mode zu kaufen, wurde für immer mehr Menschen normal. Aktuell, so das Ergebnis einer EHI-Studie, kaufen bereits 34 Prozent der Deutschen Second-Hand-Kleidung. Weitere 20 Prozent können sich vorstellen, das zu tun. Ein wachsender Markt.

Seit 2020 zu zweit

Das hatte Auswirkungen auf das Coccinelle. Es benötigte mehr Platz. Im Februar 2014 erfolgte der Umzug in die aktuellen Räume in der Hauptstraße 82. Über 80 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen dort zur Verfügung. „Allein war das alles nicht mehr zu stemmen“, bilanziert Käfer die Entwicklung. Mariela Farruggio war langjährige Kundin. „Spaßeshalber habe ich immer gesagt, stell’ mich ein“, erinnert sie sich. Aber eine Angestellte hätte das Geschäft nicht getragen. Sie sei vor der Frage gestanden, den Laden sogar schweren Herzens schließen zu müssen, sagt Käfer. Weil sie ihren Hauptberuf nicht aufgeben wollte. Es reifte die Idee der Partnerschaft. Im April 2020 wurde diese geschlossen.

Aus einer Coccinelle wurden zwei Coccinellas. Damit einher ging die Sortimentserweiterung. Kaum Partner, kam der erste Corona-Lockdown. Gefolgt von der Sperrung der B 270, „die uns neue Kunden brachte, weil alle durch die Hauptstraße fuhren, uns gesehen haben“, erinnern sich die beiden Geschäftspartnerinnen. Dann der Brand in der Hauptstraße, die monatelange Sperrung dieser. „Wir waren wie abgeschnitten“, erinnern sie sich an schwere Momente. Auch Corona blieb, machte die Lage nicht einfacher, „aber wir haben es gemeistert“, freuen sie sich.

Das Angebot umfasst alle Größen, alle Preisklassen, inklusive hochwertiger Markenware. „Für jede Größe, für jeden Geldbeutel, für jeden Geschmack gibt es was“, sagen beide. Die Kundinnen kommen aus der gesamten Westpfalz. Gemeinsam mit ihnen wird der Preis festgelegt. „Wir verkaufen auf Kommission“, erläutern sie. Der Verkaufserlös wird hälftig zwischen Kundin und Coccinella’s geteilt. Maximal zwei Monate bleibt ein Kleidungsstück im Geschäft. Wird etwas nicht verkauft, wird der Preis reduziert oder die Ware geht zurück an die Kundin. Ware zum Verkauf anbieten, „ist aktuell nur nach Terminabsprache möglich“, sagen beide. Einfach vorbeischauen, Termin vereinbaren.

Ab Freitag Jubiläumswoche

In der Jubiläumswoche, bis zum 17. Juli, gibt es zehn Prozent Rabatt. „Als Dankeschön für die Stammkunden und als Anreiz für mögliche neue Kunden, um uns kennenzulernen“. Am 10. und 17. Juli gibt es eine kleine Weinverkostung vor dem Geschäft (12 bis 16 Uhr). Dass der Laden mal diese Entwicklung nehmen würde, „hätte ich nicht gedacht“, bekennt Käfer. Angst, dass der Online-Handel, der den Second-Hand-Modemarkt zunehmend entdeckt, ihr Geschäftsmodell beeinträchtigt, haben beide nicht. Es sei etwas anderes, wenn man ein Kleidungsstück anprobieren könne. Dazu biete Coccinella’s über das Kleidungsangebot hinaus so vieles, „das bietet garantiert kein Online-Händler“.

Öffnungszeiten

Coccinella’s in der Hauptstraße 82 in Waldfischbach-Burgalben ist montags, dienstags und freitags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Am Donnerstag von 12.30 Uhr bis 16 Uhr und samstags von 14 bis 16 Uhr.

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