Saint-Louis-lès-Bitche
Warum der Glasaltar in Saint-Louis-lès-Bitche nur alle paar Jahre für ein paar Woche steht
Es ist eine seltene Gelegenheit. Alle paar Jahre bauen Ehrenamtliche im lothringischen Saint-Louis-lès-Bitche einen Kristallaltar auf. Wenige Wochen ist das Kunstwerk aus 6000 Teilen zu sehen, bevor es wieder in einen Lagerraum kommt. Nach dem Krieg pausierte der Brauch über 50 Jahre lang. Die Kirche von Saint-Louis-lès-Bitche ist allein von der Architektur ein imposantes Bauwerk. Wer dieser Tage den Kirchenraum betritt, kann aber noch viel mehr bestaunen. Ganz im blauen Licht glänzt der Reposoir, also Altar. Es funkelt und glitzert tausendfach, und wenn Philippe Brunner an der Kurbel dreht, erklingen sogar vier Kristallglocken. Zwölf Ehrenamtliche haben zwei Wochen lang den Kristallaltar aufgebaut, erzählt Brunner. Immer zu Fronleichnam, in Frankreich „Fête de Dieu“, werde der Altar aufgebaut. Aber nicht jedes Jahr. Ein zweijähriger Rhythmus sollte es sein. Das hat aber seit dem ersten Mal im Jahr 1910 nicht immer geklappt.
Die Idee für den gläsernen Altar geht auf den früheren Direktor der Kristallmanufaktur Graf Charles Didierjean zurück. Der wollte 1910 einen Altar für Fronleichnam ganz aus Kristall. Zuvor hatten die Einwohner an vier verschiedenen Stellen im Dorf eigene Altäre aufgebaut, die zur Ablage des Tabernakels während der Fronleichnamsprozession dienten. Teilweise gab es einen Wettbewerb, wer den schönsten Altar hat. Den hatte mit dem Kristallaltar letztlich der Graf.
50 Jahre Pause
Wie heute besteht der Altar aus 6000 Einzelteilen. Ein hölzernes Gerüst trägt die Kristallteile, die nicht extra für den Altar produziert wurden, sondern Teile sind, die in der Manufaktur immer für Kronleuchter verwendet werden. Kleine Eiswürfel, Tropfen, Sterne, Eichenblätter oder vergoldete Ähren finden sich ebenso wie Stangen und Rohre aus Kristallglas, die normalerweise die Lüsterstruktur tragen. Ganz besonders viele Kerzenmanschetten wurden verwendet, die Säulen und Flächen zieren.
Bis 1939 wurde alle zwei Jahre der Altar aufgebaut. Dann war wegen des Krieges Pause und die dauerte bis 1999. Arbeiter der Manufaktur, die in Rente gegangen waren, erinnerten sich an den Brauch und rekonstruierten anhand von Fotos den Altar aus den noch vorhandenen Stücken. Die Holzkonstruktion musste neu gemacht werden und auch viele Kristallteile seien kaputt gewesen, erzählt Beatrice Rimlinger, eine der Ehrenamtlichen, die sich um den Aufbau kümmern. 5000 Teile seien noch verwendbar gewesen, sagt Rimlinger. Mit Unterstützung der Manufaktur habe der alte Altar wieder rekonstruiert werden. Dann wurde er zweimal aufgebaut. Die Coronakrise sorgte wieder für eine Pause und dieses Jahr war er wieder seit Corona zum ersten Mal zu sehen.
Nur noch bis Sonntag zu sehen
Fünf Meter hoch ist der Altar und auch fünf Meter breit. Gekrönt wird er von einem großen Kreuz, das aus 74 Kerzenmanschetten besteht. Der Abendmahlkelch im Vordergrund wurde dieses Jahr als Motiv für das Bild vor dem Altar gewählt. Früher sei es ein Blumenteppich gewesen, erzählt Rimlinger. Einmal sei auch gefärbtes Wachs verwendet worden.
Nur noch bis zum kommenden Sonntag ist der Altar täglich von 13.30 bis 18 Uhr zu sehen. Dann verschwindet er wieder in einem Lagerraum im Rathaus, um wahrscheinlich 2027 wieder zum Vorschein zu kommen. Wenn nicht wieder Krieg oder eine Pandemie dazwischen kommen.