Kreis Südwestpfalz Warten auf Werner von Blons Mäuschen
CONTWIG. 22 Jahre war er Lehrer, fast doppelt so lange, wie er Schüler war. Nach seiner Zeit als Lehrer − unter anderem war er Schulleiter in Bechhofen und an der Bubenhauser Breitwiesenschule − packte er noch gut anderthalb Jahrzehnte als erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land drauf. Nun ist der Contwiger Herbert Schmidt (65) im Ruhestand und sagt: „Meine Grundschulzeit war schön.“
Der kleine Junge schaut mit festem Blick in die Kamera, die linke Hand liegt ordentlich auf dem rechten Arm, davor eine Tafel, auf der in akkurater Schrift steht: „Mein erstes Schuljahr 1957/58“. Herbert Schmidt hat das Bild hervorgeholt, betrachtet es lange. „Ich glaube, dass mir der Fotograf sogar noch die Hand gelegt hat“, erzählt er. Das Bild spiegelt für ihn die damalige Stimmung in der Schule wider: „Ordentlich und wohlerzogen sollten die Kinder sein. Die Schule hatte damals noch Erwartungen ans Elternhaus.“ So spontan habe er kaum Erinnerungen an seine Einschulung gehabt, erst das Bild und einiges Nachdenken hätten Erinnerungen freigelegt, berichtet Schmidt. Da war die Schultüte, die zwar großzügig mit Zeitungspapier ausgestopft gewesen sei. Dennoch sei eine solche Menge Süßigkeiten drin gewesen, wie es sie sonst nur an Ostern oder Weihnachten gab. „Ich habe mich gefreut, in die Schule zu kommen“, sagt Schmidt. „Meine älteren Geschwister waren ja auch schon dort.“ Dennoch habe auch eine gewisse Beklemmung mitgeschwungen. Viele seiner Spielkameraden („Ich hatte eine herrliche Kindheit auf der Flur“) seien in die andere Contwiger Grundschule gekommen, er sei jedoch auf die protestantische Grundschule in der Pirmasenser Straße geschickt worden. Schmidts erster Klassenlehrer dort: der spätere Zweibrücker Oberbürgermeister Werner von Blon. „Seid mal alle still, dann kommt das Mäuschen“, habe der oft gesagt, wenn er die Klasse – oder besser Klassen, denn das erste und zweite Schuljahr wurden zusammen unterrichtet – zur Ruhe bat. Schmidt lächelt. „Manchmal kamen die auch, die Mäuschen“, berichtet Schmidt von den Untermietern in den Fußleisten des Schulhauses. Ordentlich sei es zugegangen im Klassenraum, erinnert sich Schmidt: „Wir saßen ja in Bänken, die konnten gar nicht richtig bewegt werden. Wir haben sogar geübt, ordentlich zu sitzen.“ Trotz aller äußeren Zwänge habe er durchweg positive Erinnerungen an seine Grundschulzeit. An den Schulweg, der stets mit Kameraden bestritten wurde, an die Singspiele und den Unterricht, der oft interessant gestaltet worden sei. „Wir durften auch Kind sein, wir durften auch herumtoben“, erzählt er. Allerdings habe alles seine Grenzen gehabt. Dann habe es Hiebe mit dem Rohrstock gesetzt. Eine Tracht Prügel ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben. Ein Vertretungslehrer habe ihn geschlagen („Ich weiß nicht mehr, was ich angestellt hatte“), perfiderweise aber nicht auf den Hintern, sondern auf die Oberschenkel, da der kleine Herbert an diesem Tag Lederhosen trug. „Da war ich ihm böse“, sagt er. Die Schläge im Klassenzimmer, die bis in die 60er Jahre hinein an der Tagesordnung waren, fand Schmidt erst recht völlig daneben, wenn es sie wegen schlechter Leistungen gab oder wenn es dabei gar lernschwache Schüler traf. „Das hat mich als Schüler schon gestört.“ Rund 20 Jahre nach seiner Grundschulzeit, 1980, kehrte Schmidt als Lehrer für kurze Zeit zurück nach Contwig. Er unterrichte just in dem Raum, in dem er sein drittes Schuljahr begonnen hatte. Zuvor hatte er nach Studium und praktischer Ausbildung in Oberwesel in Boppard und Nanzdietschweiler unterrichtet. „Mein Wunschberuf war Lehrer. Ich hab es gern gemacht, auch wenn der Beruf einen stark fordert.“ Auf Contwig folgten – vor dem Wechsel in die Politik − die Anstellung als Rektor der Grundschule Bechhofen (1983 bis 1989) sowie als Leiter der Zweibrücker Breitwiesenschule (1989 bis 1998). „Dort besucht mein Enkel Benjamin ab Montag die dritte Klasse“, schließt sich für die Familie ein Kreis. Wäre eigentlich der Lehrer Schmidt mit dem Schüler Schmidt zurechtgekommen? Kurzes Zögern. „Ja, denn er hätte gewusst, wie er ihn zu nehmen hat“, antwortet Schmidt lächelnd. (bld)