Waldfischbach-Burgalben
Vor Lockdown: Schlangen vor dem Juwelier
Am Dienstag, dem letzten Verkaufstag vor dem Lockdown, sorgten das regnerische Wetter und die längere Öffnungszeit dafür, dass sich die Kunden verteilten. „Natürlich kostet uns das Geld“, sagt Michael Lehmann zur Schließung des Geschäftes. Für Uhren- und Schmuckhändler seien die vier bis fünf Tage vor Weihnachten sehr wichtig für den Umsatz. Aber gejammert wird nicht bei Familie Lehmann. Mit Ehefrau Sabine betreibt der Uhrmachermeister, der auch eine Ausbildung zum Augenoptiker hat, seit 1992 das Geschäft in Waldfischbach-Burgalben. Eigentlich hatte er damals, noch mitten in der Meisterausbildung steckend, nur Werkzeug vom Vorgänger Uhren Schulz kaufen wollen. „Daraus hat sich ergeben, dass ich das Geschäft übernommen habe“, erzählt er. Das Gebäude mit Laden und Werkstatt gehört Lehmann. So muss er keine Miete zahlen. Außerdem: „Wir sehen die hohen Zahlen der Corona-Infizierten, sehen die Folgen. Wenn die Kontaktbeschränkungen das Mittel sind, um diese Zahlen wieder zu drücken, dann müssen wir das, wie alle, mittragen.“
Keine Überraschung
Die Schließung sei machbar, „weil wir hier eine sehr treue Kundschaft haben“, sagt Sabine Lehmann. Viele hätten einen weiteren Lockdown erwartet und ihre Weihnachtsgeschenke früh gekauft. Bereits Anfang Dezember seien Uhren des österreichischen Herstellers Waidzeit, Silberschmuck von Engelsrufer und der in Deutschland aus Edelstahl hergestellte Schmuck von Ernstes Design gekauft worden.
Als klar war, dass der Lockdown am Mittwoch beginnt, „haben wir am Samstag sowie an den beiden vergangenen Tagen die Ladenöffnungszeiten verlängert“, erzählt Lehmann. Normalerweise ist um 18.30 Uhr Ladenschluss. Der wurde für Montag und Dienstag auf 21 Uhr verlegt. „Wir wollten den Kunden, die zum Beispiel bis 18 Uhr arbeiten müssen, die Gelegenheit bieten, noch reinzuschauen“, sagt Sabine Lehmann. Auch in anderen Jahren war der Laden vor Weihnachten durchgehend geöffnet, allerdings nicht so spät. Tochter Annika verstärkt aktuell das Team.
Ausliefern erlaubt
Dass sich vor dem Geschäft immer wieder Schlangen bildeten, war der Tatsache geschuldet, dass maximal drei Kunden gleichzeitig im Laden sein dürfen. Die Kunden hätten Geduld und Verständnis gezeigt. Bei Uhren und Schmuck mache das Weihnachtsgeschäft etwa 30 Prozent des Jahresumsatzes aus, überschlägt Lehmann. Die würden nun nicht erreicht, aber „es hätte uns deutlich härter treffen können“. Lockdown-Erfahrung hat er bereits im Frühjahr gesammelt, als das Ostergeschäft ausfiel. Er habe damals Corona-Hilfe bekommen, sagt Lehmann und bekennt: „Ohne wäre es deutlich schwieriger geworden“.
Das Ladengeschäft wird geschlossen, der Betrieb aber nicht. Was bestellt wurde, „werden wir, sobald es da ist, ausliefern“. Das sei erlaubt, die Ordnungsbehörden hätten es bestätigt. Die Beratung im Geschäft sei wichtig. „Wir möchten, dass die Kunden alles in Ruhe anprobieren können, wir bestellen auch alles unverbindlich“, sagt Sabine Lehmann. Aber auch Uhren Lehmann geht mit der Zeit. „Wir sind gerade dabei, unseren Online-Shop fertigzustellen“, berichtet Michael Lehmann. Melanie Schneider arbeitet daran und geht davon aus, dass der Shop kommende Woche, noch vor Weihnachten, online geht (uhren-lehmann-shop.de). Im Umkreis von 20 Kilometern wird geliefert. Es sei wichtig, dass die Kunden „online bestellen können, aber nicht müssen“, meint Sabine Lehmann.
200 Jahre alte Uhr reparieren
Dann ist da noch die Werkstatt, die bis Weihnachten offen bleibt. „Wir sind ein Handwerksbetrieb, die Werkstatt müssen wir nicht schließen“, sagt der Inhaber. Uhrmachermeister wie ihn gibt es in der Region kaum noch. Von der Armband- über die Taschen- bis zur Standuhr „repariere ich alles“ – derzeit soll er eine über 200 Jahre alte Uhr erneuern. Uhren Lehmann ist zertifizierter Reparaturbetrieb der Swatch-Gruppe. „In der Werkstatt haben wir richtig viel zu tun“, sagt Lehmann. Mit Viktoria Höchst arbeitet eine Goldschmiedin im Betrieb, die Schmuck anfertigt und repariert. Erledigte Aufträge werden telefonisch vermeldet. Das Abholen in coronagerechter Form ist möglich.
In früheren Jahren war das Uhren- und Schmuckgeschäft zwischen Weihnachten und Neujahr geöffnet. „Für Umtausch und Anpassungen“, erläutert Michael Lehmann. Nun wird die Frist bis über das Ende des Lockdowns hinaus verlängert.
Brille statt Urlaub
Ähnliches berichten andere Juweliere. Alle Hände voll zu tun hat etwa Hans-Joachim Barth in Rodalben. Nicht nur bis zum Beginn der zweiten Zwangspause. Bestellte Schmuckstücke würden noch ausgeliefert, sagt er. Auch in der eigenen Werkstatt wartet auf den Goldschmied jede Menge Arbeit. Telefonisch sei er für Kunden auch nach der Schließung erreichbar, ebenso in Notfällen, etwa bei Batteriewechseln.
Am Montag sei der Andrang schon grenzwertig gewesen, stellt Jana Haas vom Schmuck- und Uhrengeschäft Straub in Dahn fest; da seien die Kunden vor der Tür Schlange gestanden. Obwohl der Verkauf von Uhren und Schmuck im Geschäft vorerst nicht möglich ist, bleibe ihr Optik-Angebot geöffnet. Allerdings könne hier nur eine Notversorgung geleistet, etwa eine kaputte Brille repariert werden. Der Bereich Optik sei zuletzt gut gelaufen, blickt die Enkelin der Inhaber auf die zurückliegenden Wochen. Viele Kunden hätten sich, da sie nicht in Urlaub fahren konnten, eine neue Brille geleistet.
Obwohl die Schmucktheke erst mal geschlossen ist, werden bestellte Glanzstücke fürs Fest noch ausgegeben. Doch für jene Männer, die traditionell erst am Weihnachtstag ihr Geschenk für die bessere Hälfte besorgen, wird es eng. Immerhin: Einige dieser Exemplare standen schon am Montag und Dienstag im Laden.