Herschberg RHEINPFALZ Plus Artikel Vom Euter in den Milchtank: So läuft das Melken auf dem Aspenhof

Matthias Stoffel beim Melken. Der Melkstand liegt tiefer, so dass der Landwirt die Euter der Kühe gut erreichen kann. Das Melkge
Matthias Stoffel beim Melken. Der Melkstand liegt tiefer, so dass der Landwirt die Euter der Kühe gut erreichen kann. Das Melkgeschirr pumpt die Milch ab. Auf Displays werden die Nummern der Kühe und die Milchmenge angezeigt.

Auf dem Aspenhof wird seit Jahrzehnten Milch produziert – mit Hilfe moderner Technik und viel Erfahrung. Ein Einblick ins Herz des Milchbauernhofes.

Zweimal am Tag werden auf dem Aspenhof 180 Kühe gemolken. Für den Milchbetrieb ist das Melken das absolute Kerngeschäft. „Wir haben morgens und abends jeweils zwei Stunden reine Melkzeit“, erzählt Landwirt Matthias Stoffel. Doch bevor es ans Melken geht, gibt es einiges an Vorbereitung: Ein Schlauch, über den die Milch in den Milchtank gepumpt wird, wird an den Melkstand angeschlossen sowie die Kühlung angeschaltet. Sie soll dafür sorgen, dass die körperwarme Milch möglichst rasch auf vier Grad abgekühlt wird, erklärt Matthias Stoffel.

Über die Abwärme der Kühlung wird Wasser erhitzt, mit dem der Melkstand zweimal am Tag gründlich gereinigt wird. „Milchviehhaltung ist sehr wasserintensiv“, erklärt Matthias Stoffel. Darunter fällt nicht nur das Wasser, das die Tiere trinken, sondern auch das Wasser, das für die Reinigung benötigt wird. Ein eigener Brunnen auf dem Gelände versorgt den Betrieb.

16 Kühe können parallel gemolken werden

Der Melkstand liegt deutlich tiefer als Bodenniveau und sorgt dafür, dass die Euter der Tiere einfach erreicht werden können. Er bietet Platz für insgesamt 16 Kühe, jeweils acht auf einer Seite. An diesem Abend ist das Melken Familiensache: Matthias Stoffel wird von seiner Frau Claudia und seinem Vater Gustav Stoffel, dem vorherigen Besitzer des Hofes, unterstützt. Claudia Stoffel treibt die Kühe in einen großen Wartebereich vor dem Melkstand und streut dann die Boxen neu ein.

Per Knopfdruck öffnet Gustav Stoffel ein Gitter und die ersten acht Kühe nehmen Aufstellung. „Es sind immer dieselben ganz vorne und ganz hinten“, erzählt der Landwirt schmunzelnd.

Das Melken läuft immer nach demselben Schema ab: Erst wird das Euter vorgereinigt, dann die Kuh von Hand angemolken. Dabei wird kontrolliert, dass die Milch frei von Flocken ist. Erst danach wird das Melkgeschirr angelegt. Pro Zitze ein Melkbecher, der sich per Vakuum ansaugt. Sobald alles richtig sitzt, beginnt der pneumatische Melkprozess.

Ältere Tiere geben mehr Milch

Das Euter einer Kuh bestehe aus vier Vierteln, die durch Bindegewebe voneinander getrennt seien, erklärt Gustav Stoffel. Beim Melken werden die Tiere zweimal am Tag genau inspiziert, damit mögliche Krankheiten wie eine Euterentzündung schnell erkannt und behandelt werden können.

An jedem Stand hängt ein Display, das abwechselnd die Nummer der Kuh und die Milchmenge in Litern angibt, die gemolken wurde. Mal sind es zehn Liter, mal 20. Sobald die Milchmenge unter 300 Milliliter pro Minute sinkt, löst sich das Melkgeschirr. Danach wird noch einmal per Hand überprüft, ob das Euter locker ist. Wie lange das Melken dauert, ist pro Tier verschieden, meistens seien es sechs bis sieben Minuten, erklärt Matthias Stoffel.

Pro Tag gebe eine Kuh im Schnitt 35 Liter Milch, schildert der Landwirt. Die Milchmenge hänge unter anderem vom Alter der Tiere ab – jüngere Kühe geben weniger Milch als ältere Tiere. Auch in der Optik unterscheiden sich die Kühe deutlich voneinander. Die jüngeren Tiere sind schmäler, die Euter noch nicht so ausgeprägt.

Milchmenge über die Jahre deutlich erhöht

Wie alt ein Tier ist, verraten die Nummern, mit denen sie gekennzeichnet sind, und die beim Melken angezeigt werden. Beginnt die Nummer mit einer 22 zeigt das an, dass das Tier 2022 geboren wurde. Steht dort eine 18, ist das Geburtsjahr 2018.

An diesem Abend fließen rund 3000 Liter Milch in den Milchtank. Auf dem Hof gibt es zwei davon: einer fasst 10.000 Liter, der andere 7000 Liter. Die Milch wird von der Hochwaldgenossenschaft abgeholt und dort weiterverarbeitet. Der Betrieb, den Matthias Stoffel in dritter Generation führt, ist über die Jahre deutlich gewachsen. Doch nicht nur die Betriebsgröße, auch die Leistung der Milchkühe hat sich deutlich erhöht. „Wir melken heute in einem Monat so viel, wie mein Vater früher im ganzen Jahr“, erzählt Matthias Stoffel.

Gründliches Reinigen nach dem Melken

Nach zwei Stunden ist es geschafft und alle Kühe sind gemolken. Während die Tiere zurück in ihren Stall laufen, wird der Melkstand gründlich gereinigt. Mit einem großen Wasserschlauch wird der Bereich gereinigt, in dem die Tiere standen. Im Innern des Standes hängen zusätzlich mehrere Wasserschläuche von der Decke, die warmes Wasser enthalten. Damit werden die Melkgeschirre von Außen gereinigt.

Danach wird jedes Melkgeschirr auf eine Vorrichtung gesetzt und komplett von innen durchgespült: erst mit warmem Wasser, dann mit Reinigungsmittel, dann wieder mit warmem Wasser. Zum Schluss wird alles mit Luft getrocknet, erklärt Matthias Stoffel. Auch der Schlauch, der die Milch in den Tank transportiert hat, wird gereinigt und danach alles wieder aufgeräumt. Im Stall bei den Tieren ist schon Ruhe eingekehrt – bis zum nächsten Morgen um sieben, wenn das Melken und damit der Tag auf dem Aspenhof von vorne beginnt.

Die Serie

In der Serie „Hofleben“ begleiten wir den landwirtschaftlichen Betrieb Aspenhof durchs Jahr. Im Juni ging es für Redakteurin Julia Luttenberger zum ersten Mal in den Stall, zum Ausmisten. Was sie dabei erlebt hat, lesen Sie hier – ein Video gibt es auch dazu.

Im Melkstand können 16 Kühe parallel gemolken werden, acht auf der einen, acht auf der anderen Seite.
Im Melkstand können 16 Kühe parallel gemolken werden, acht auf der einen, acht auf der anderen Seite.
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