Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Vermisste Störche wieder aufgetaucht

Christian kann von seinem idealen Beobachtungspunkt die darunter brütende Störchin auf dem Kirschbacherhof gut beschützen.
Christian kann von seinem idealen Beobachtungspunkt die darunter brütende Störchin auf dem Kirschbacherhof gut beschützen.

Zwei Störche mit GPS-Sender, die lange als vermisst galten, sind wieder aufgetaucht. Beide stammen vom Kirschbacherhof bei Dietrichingen. Andere werden weiter vermisst, darunter ein Storch, der für die Pfalz etwas besonderes ist.

Hans und Christian vom Kirschbacherhof hatten als Storchenkinder vom Biologen der Vogelwarte Radolfzell, Wolfgang Fiedler, einen Solar-Funksender erhalten. Doch die Nachrichtenübermittlung durch die fortschrittliche Sendertechnik war in den vergangenen acht Monaten häufig unterbrochen, bei Hans gar schon länger völlig zum Stillstand gekommen. Auch Pirmins Sender hat eine lange Pause eingelegt. Doch nun hat die RHEINPFALZ in den ersten Frühlingstagen auf dem Hitscherhof Hans entdeckt, der 2018 besendert wurde.

Senderstorch Hans genießt die Flitterwochen auf dem Hitscherhof.
Senderstorch Hans genießt die Flitterwochen auf dem Hitscherhof.
Die Störche auf der Frühstückswiese bei Dietrichingen.
Die Störche auf der Frühstückswiese bei Dietrichingen.
Der Storch sorgt für eine warme Nestpolsterung.
Der Storch sorgt für eine warme Nestpolsterung.
Den Schnabel vor dem eisigen Wind im März ins aufgeplusterte Barthaar gesteckt.
Den Schnabel vor dem eisigen Wind im März ins aufgeplusterte Barthaar gesteckt.

Foto 1 von 4

Der Storch hat dort ein Weibchen gefunden. „Störche gehen für einen Sommer eine Verbindung ein, die unzertrennlich ist“, sagt Hans Göppel, einer der Pioniere des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) für die Storchenansiedlung im Hornbachtal. Schon über zwei Jahre lieferte Storch Hans keine Sendedaten mehr, sodass lange ungewiss war, ob er noch lebt. Bis er 2021 ebenfalls auf dem Hitscherhof durch ein Foto der RHEINPFALZ entdeckt wurde. Der Ring am Bein des Storches mit der Bezeichnung A1R66 hat es ermöglicht, dass der sichere Nachweis geführt werden konnte, dass das Storchenmännchen noch lebt. Die Vogelwarte des Max-Planck-Institutes für Verhaltensbiologie in Radolfzell am Bodensee hat die übermittelten Daten mit ihrer Datenbank abgeglichen. Die Bilder lassen sehr stark vermuten, dass der Storch seinen Sender verloren hat. Im Federkleid des Rückens war kein Sender zu erkennen.

Christian auf dem Kirschbacherhof wird Vater

Storch Christian hat sich auf dem Wohngebäude des Kirschbacherhofes einen Platz auf einer Sandsteinvasenkrone ausgesucht, sodass seine Ringdaten AN444 am 20. März deutlich abzulesen waren. Christian hatte das Hornbachtal im August 2021 Richtung Nordspanien verlassen, wo er seit drei Jahren die Winterzeit verbringt. Dort hatte sich auch ganz in der Nähe in den Jahren zuvor Pirmin aufgehalten, der später aber seinen Brutplatz in Molsheim an der Elsässischen Weinstraße nicht verlassen wollte. Von Christian kam am 12. November 2021 die letzte Nachricht, dass er häufig auf dem Schornstein einer Zementfabrik an der Mittelmeerküste übernachtet. Am 20. Februar 2022 muss ein Tag mit guter Thermik gewesen sein, denn Christian flog rund 200 Kilometer übers Meers an die südfranzösische Küste. Das Storchenzentrum Rheinland-Pfalz in Bornheim bei Landau hat am 27. Februar ein letztes Funksignal aufgefangen, dass Christian nach Modieu-Détourbe etwa 30 Kilometer von Lyon entfernt geflogen sei. Danach herrschte wieder Funkstille. Nun ist der Storch wieder sicher in seiner Heimatregion angekommen. Von seinem Sender hat es bisher jedoch keine neuen Nachrichten gegeben.

Pirmin steht zu seiner elsässischen Heimatregion

Pirmin und Christian wurden 2015 in Straßburg in der Orangerie geboren. Sie kamen danach auf den Kirschbacherhof in die Pflegevoliere, wo sie 2016 ihren Sender erhielten. Die Fachleute der Vogelwarte am Bodensee wollten in Erfahrung bringen, ob Störche die in einer Voliere aufgewachsen sind, überhaupt noch einen Zugtrieb haben. Dies ist durch die Reisetätigkeit der beiden Störche eindeutig geklärt. 2019 ist Pirmin im Elsass sesshaft geworden, wo er einmal in Blaesheim und in Geispolsheim Brutstörchin war – trotz des männlichen Vornamens. Bei der Beringung und Besenderung der Störche ist das Geschlecht in der Regel noch nicht geklärt. Im vergangenen Jahr hat Pirmin in Molsheim gebrütet. Dort blieb sie mit Sicherheit bis in den November, da es am 29. November 2021 die letzte Nachricht gab, dass sie in Rosheim, einem alten elsässischen Winzerstädtchen, den Recyclinghof besuchte. Danach gab es keine Daten mehr bis am 12. März 2022 aus dem Elsass, sodass man auch beim Storchenzentrum in Bornheim davon ausgeht, dass Frau Pirmin über Winter nicht weggeflogen ist und beständig an der Route de Vin, nur gut 20 Kilometer von Straßburg entfernt, unterwegs war.

Auf dem Hitscherhof hat sich ein Elsässer Storch eingefunden. Aus der Datenbank in Radolfzell geht hervor, dass er 2005 in einem Dorf im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen geboren wurde. Nun wird der 17 Jahre alte Storch auf dem Hitscherhof bald eine Familie zu versorgen haben. Seine Ringdaten sind auch im Zentralarchiv in Paris hinterlegt.

Senderstorch Jessica wird noch immer vermisst

Jessica bekam 2015 ebenfalls einen Sender auf dem Kirschbacherhof. Sie erreichte bei ihrem Jungfernflug nach Süden als erster pfälzischer Senderstorch Afrika und überquerte die Sahara. Danach war der Funkkontakt ab November aus Burkina Faso zu Ende, sodass man glaubte, dass sie nicht mehr am Leben ist. Bis überraschend ein kurzes Funksignal im Dezember 2015 eintraf. Im Frühjahr folgte ein weiteres Signal, dass sie wieder in Deutschland sein müsste. Bisher konnte ihr Ring mit der Aufschrift AV742 in den zurückliegenden Jahren weder im Hornbach- noch im Schwarzbachtal abgelesen werden. Darum ist man erneut gespannt, ob sie vielleicht doch auf dem Hitscherhof, in Höhmühlbach oder dem Kirschbacherhof gesichtet wird. Ihre besorgte Namenspatin Jessica Küntzler vom Kirschbacherhof würde sich über ein eindeutiges Lebenszeichen nach langer Zeit sehr freuen. Natürlich könnte die Störchin auch in einer anderen Region heimisch geworden sein, wo man ihren Ring bisher nicht ablesen konnte.

Von den 2015 besenderten 26 Jungstörchen in der Pfalz lebten Anfang November jenes Jahres nur noch neun. Emma vom Kirschbacherhof gehörte zu den ersten fünf verunglückten Störchen dieses Jahrganges aus der Pfalz. Ein ungesicherter Strommast der französischen Eisenbahn wurde ihr zum Verhängnis. Lieselotte vom Kirschbacherhof fand man in Nordspanien tot auf. Im Januar 2016 waren es nur noch sieben Senderstörche. Durch unterschiedliche tödliche Unglücksfälle und die Jagd in Afrika ergeben sich diese hohen Verluste. Die Vogelwarte in Radolfzell versucht, jeden verunglückten Storch genau zu orten, damit man die kostbaren Sender wieder bergen kann. Schließlich kostet ein solcher Satellitensender rund 2500 Euro. Durch die Vernetzung mit Vogelbeobachtern und Naturparkranger in den europäischen Nachbarländern und bis nach Afrika gelingt es, fast alle Sender wieder einzusammeln. Von über 80 besenderten Jungstörchen in der Pfalz bis 2021 sind nur noch 13 am Leben. Eine traurige Bilanz. Die Besenderung der Störche hat verlässlicher nachgewiesen, dass die Jungstorchenverluste vor allem im ersten Lebensjahr sehr hoch sind.

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