Kommentar Vergiftetes Klima in den (a)sozialen Medien
Nach dem Wahlergebnis von gerade mal etwas mehr als 50 Prozent war der Fischbacher Bürgermeister Michael Schreiber schon angezählt. Die Angriffe in den sozialen Medien hatten eine erste Frucht getragen. Jetzt ist es ihm zu viel geworden und er hat auch mit Verweis auf seine Frau einen Schlussstrich gezogen.
Michael Schreiber ist nicht der erste und wird auch nicht der letzte Bürgermeister sein, der das Amt entnervt hinwirft, weil ihm der Terror aus den sozialen Medien zu viel geworden ist. Was früher in der Dorfkneipe oder dem Sportheim munter gelästert und geschimpft wurde, geschieht heute in massiv verstärkter Form auf den verschiedenen Online-Plattformen. Und dort vermeinen viele, dass sie so richtig draufhauen können. Angefeuert werden sie von der Zustimmung anderer Forenmitglieder, die einfach mal ein Herzchen oder einen Daumenhoch setzen. Und das ist auch das Gefährliche und der wesentliche Unterschied zu den Kneipenhetzern. Hier wird, befeuert durch den Funktionsmechanismus der sozialen Medien, eine Motz- und Hetzmaschinerie betrieben, die es so früher nicht gab. Jeder meint, er könne noch eins draufsetzen.
Was sich viele früher einfach nur gedacht haben und nicht auszusprechen wagten – von Angesicht zu Angesicht im Sportheim oder auf dem Dorffest–, das wird heute zu nächtlicher Stunde munter rausgehauen im vermeintlichen Schutz des virtuellen Raums, der sich euphemistisch auch noch „soziale Medien“ nennen darf. Die Formulierung „vermeintlich soziale Medien“ ist angesichts der Auswüchse wohl eher treffender. Der Mechanismus, dem diese Foren ihr Dasein verdanken, ist der Fehler und fördert richtig asoziales Verhalten.
