Zweibrücken-Land RHEINPFALZ Plus Artikel Verbandsgemeinde will alte Häuser retten und damit Geld verdienen

Später geht es auch darum, Häuser zu kaufen, die leerstehen und zu zerfallen drohen.
Später geht es auch darum, Häuser zu kaufen, die leerstehen und zu zerfallen drohen.

Alte Häuser wieder herrichten und vor dem Verfall bewahren und mit einer Klappe zwei weitere Fliegen schlagen – das möchte Zweibrücken-Land mit einer Wohnungsbaugesellschaft.

Die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land hat eine eigene Wohnungsbaugesellschaft gegründet. Die Idee hatte Verbandsbürgermeister Björn Bernhard bereits im Frühjahr im Gespräch mit der RHEINPFALZ vorgestellt, jetzt wird sie umgesetzt. Im September hat der Verbandsgemeinderat zugestimmt. Am Mittwoch soll er einen Geschäftsführer bestimmen, am Freitag geht’s zum Notar. Fragt man Bürgermeister Bernhard, wann die Gesellschaft das erste Haus kaufen wird, antwortet er scherzhaft: „Hoffentlich am Montag.“ Dann ergänzt er: „So schnell wie möglich.“ Und konkret: In vier Wochen würde er gerne das erste Haus kaufen.

Verbandsgemeinde könnte Miete für Flüchtlinge behalten

Mit der Idee will Bernhard mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen braucht die Verbandsgemeinde Wohnungen für Flüchtlinge und hin und wieder auch für Obdachlose. Für 25 Häuser und Wohnungen zahlt sie derzeit 20.000 Euro im Monat. Das Geld bekommt sie vom Bund erstattet. Würden die Häuser der Verbandsgemeinde gehören, könnte sie die Mieteinnahmen behalten.

Zum zweiten wird der Wohnraum knapp. Zwei bis drei Asylsuchende bekommt die Verbandsgemeinde pro Woche zugewiesen. Bernhard rechnet damit, dass es gegen Winter mehr werden. Es sei mittlerweile schwierig, Wohnungen für Asylbewerber zu finden. Manche Vermieter würden auch nur dann an Flüchtlinge vermieten, wenn sie aus der Ukraine kommen.

Häuser in Ortskernen retten

Letzten Endes geht es um die Ortskerne an sich. Um Häuser, die dort leerstehen und zu zerfallen drohen. Und irgendwann zu Schandflecken werden. Das möchte Björn Bernhard auf lange Sicht verhindern. Wobei die neue Gesellschaft zunächst keine „Schrottimmobilien“ kaufen wird, wie Bernhard sie nennt. Man brauche anfangs Häuser, die zu einem angemessenen Preis zu bekommen und mit keinem oder wenig Aufwand herzurichten und zu beziehen sind. Als Beispiel nennt er das Haus einer älteren Frau, die jetzt zu ihrer Tochter außerhalb der Verbandsgemeinde ziehen möchte. Das Haus würde dann leerstehen. Er habe bereits Angebote aus Kleinsteinhausen und Wiesbach, sagt der Bürgermeister. Auch Makler hätten ihn bereits angesprochen.

„Es muss wirtschaftlich sein“, sagt Björn Bernhard zum Kaufpreis für die Häuser, wobei ihm Preise zwischen 100.000 und 200.000 Euro vorschweben. Schließlich muss auch die Wohnungsbaugesellschaft der Verbandsgemeinde das Geld als Kredit aufnehmen. Eigenkapital hat sie anfangs keins. Bernhard möchte die Gesellschaft aber über einen Zeitraum von 20 Jahren entwickeln. Dann würde sie auch Gewinn abwerfen, der sich wiederum in der Verbandsgemeinde einsetzen lässt. Drei bis vier Häuser möchte Bernhard im Jahr kaufen. Wenn die Gesellschaft auf eigenen Füßen steht, möchte er sich auch an die „Schrottimmobilien“ wagen. Letztendlich sollen dann nicht nur Bedürftige profitieren, sondern auch Einwohner der Verbandsgemeinde, die eine neue Wohnung suchen.

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