Kreis Südwestpfalz Und dann surren die Nadeln ...

Für die Schönheit: Gerald Neubert von Buzzin Needles Tattoo sticht bei der Tattoo Convention in Hohenecken Fee Huber ein neues T
Für die Schönheit: Gerald Neubert von Buzzin Needles Tattoo sticht bei der Tattoo Convention in Hohenecken Fee Huber ein neues Tattoo.

Eine Premiere, die unter die Haut ging – im wahrsten Wortsinne: Die erste Tattoo Convention hat am Samstag in Kaiserslautern Einzug gehalten. Über 60 Tätowier-Künstler aus Deutschland und Europa versammelten sich in der Burgherrenhalle Hohenecken an ihren Ständen und kreierten mit ihren Nadeln echte Kunstwerke auf menschlicher Haut.

11 Uhr: Die ersten Tattoo-Liebhaber standen am Eingang bereit, und die Tattoo-Künstler genehmigten sich noch eine kurze Rauchpause vor der Arbeit. Es ging recht gemächlich los beim ersten Tattoo-Slam in Kaiserslautern. Der große Ansturm blieb an diesem Samstagvormittag zwar aus, dennoch füllte sich die Burgherrenhalle stetig – mit von Kopf bis Fuß tätowierten Paradiesvögeln und schaulustigen „Reinhäutern“ (so die Bezeichnung für nicht tätowierte Menschen). Im wahrsten Sinne also buntes Treiben in der Halle. Die Tattoo-Convention existiert bereits seit Mitte der 1990er Jahre. Ins Leben gerufen wurde sie unter anderem von Ralf Semler. Nach einer längeren Pause wurde das Konzept 2015 in Pirmasens wieder aufgenommen und erweitert. In Pirmasens wird der Tattoo-Slam jährlich abgehalten. Bis zu 4000 Besucher waren es allein in diesem Jahr. Seit Samstag gehört nun auch Kaiserslautern zu den regelmäßigen Veranstaltungsorten in der Westpfalz. Weitere sollen folgen. Die Planung dauerte ein Jahr – von den ersten Ideen bis zu den ersten konkreten Anmeldungen. Veranstalter Ralf Semler vom Skinworx-Studio Pirmasens freute sich besonders über eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt Kaiserslautern. Auch wenn die Burgherrenhalle nicht ganz so weitläufig sei wie die Messehalle in Pirmasens, sei das Licht für die Tattoo-Künstler optimal gewesen. Die ersten Nadeln surrten direkt um 11 Uhr los. Von schmerzverzerrten Gesichtern aber erstaunlicherweise keine Spur. Auf einer Skala von eins bis zehn werteten die meisten Besucher den Schmerz nicht über fünf. Die mutigen Freiwilligen durften aus zahlreichen Motiven und Stilrichtungen wählen – von Old School (traditionelle Motive) zu New School (kräftige Linien und Farben, übertriebene Darstellungen), von Comic-Motiven zu Biomechanik-Tattoos (Motive von Haut-Öffnungen, hinter denen Muskeln, Organe oder auch Maschinenteile sichtbar sind), von abstrakten Motiven zu Realistic Trash Polka (naturalistische beziehungsweise fotorealistische Motive). Ein hartnäckiger Trend ist laut Aneta Csoban, die mit ihrem Mann Gabor Csoban das „Gabani“-Tattoostudio in Kaiserslautern leitet, das Unendlichzeichen. „Davon rate ich den Kunden oft ab, weil gerade jeder damit rum rennt“, so die Expertin. Ein anderes Trendtattoo lassen sich mittlerweile alle wieder weg lasern: das gute alte Tribal-Tattoo oberhalb des Steißbeins – in Vulgärsprache auch als „A...geweih“ bekannt. Das Kurioseste, was die Kaiserslauterer Tätowiererin je stechen musste: ein FC Bayern München-Logo – „das war schlimm für mich als FCK-Fan“. Kurios mochte es auch ein Tattoo-Freund aus Haßloch, der 23-jährige Dennis Blunz. Er ließ sich an diesem Tag beim Tätowierer seines Vertrauens, Pascal Glagla vom „Falling Bird“-Tattoostudio Haßloch, einen seiner Nintendo-Videospielhelden aus den 1990ern, Marios Bruder Luigi, auf den linken Arm stechen – der eh schon gut bedeckt war. Dass er das in ein paar Jahren bereuen könnte, glaubte der junge Mann nicht: „Ich lebe im Jetzt. Und mir gefällt das jetzt gut, deshalb mach ich es mir drauf.“ Lockere Einstellung gehört dazu. Und viel Geduld, denn für so ein buntes Meisterwerk lag man im Schnitt auch schon mal bis zu vier Stunden auf der Liege. Gut, dass der Slam zwei Tage ging. Der Contest, bei dem die besten Tätowierer aus beiden Tagen von fünf Jury-Mitgliedern bewertet wurden, bildete den Schwerpunkt des Tattoo-Slam. Die Teilnehmer traten in den Kategorien „Small“ (Tätowierungen mit einem Höchstdurchmesser von 10 Zentimeter), „Black & Grey“ (Tätowierungen mit ausschließlich schwarzen und weißen Farben sowie Graustufen) und „Color“ (farbliche Tätowierungen) gegeneinander an. Der Punkt-Beste aus beiden Tagen wurde bei der „Best of Show“ neben 500 Euro Prämie auch mit einem Pokal fürs heimische Regal ausgezeichnet. „Tätowieren ist nach wie vor Vertrauenssache“, so der Pressesprecher des Slams, Fabio Broschat. Deshalb stünden Hygiene, Gesundheit und Qualität an oberster Stelle – genau wie das Einhalten der von der EU festgelegten Reglements, was die Motive angeht. Die Tätowier-Kunst hat sich mit den Jahren aus der Untergrundszene heraus zu einer großen Industrie entwickelt. „Ein tätowierter Schwiegersohn wäre vor 20 Jahren noch ein No-Go gewesen“, erinnerte sich Veranstalter Ralf Semler. Heute sei die Gesellschaft weitaus offener für diese Art von Kunst, was das stetig wachsende Angebot und die Nachfrage bestätigen. Dabei soll auch der nun jährlich stattfindende Tattoo-Slam in Kaiserslautern helfen.

x