Kreis Südwestpfalz Thaleischweiler-Fröschen: 26-Jähriger entwirft VG-Wappen
Wenn sich der Verbandsgemeinderat Thaleischweiler-Wallhalben am Donnerstag für ein neues Wappen für die Mitte 2014 fusionierte Verbandsgemeinde entscheidet, hat Niklas Hunsicker aus Thaleischweiler-Fröschen maßgeblichen Anteil daran, wie das neue Wappen aussieht. Bereits kurz nach der Fusion hat der Student sechs Entwürfe eines möglichen Wappens gestaltet und sie der Verbandsgemeinde zur Verfügung gestellt.
„Ich interessiere mich schon immer für Geschichte und Politik“, erläutert der 26-Jährige, wie er auf die Idee kam, Vorschläge für das Wappen zu entwerfen. Die Fusion hat er intensiv verfolgt. Dass sie kein großer Wurf ist, steht für ihn fest. Er hätte sich gewünscht, dass historisch gewachsene Verbindungen bei den einzelnen Gemeinden stärker berücksichtigt worden wären. Als die Fusion feststand, war klar, dass die neue Verbandsgemeinde einen neuen Namen und ein neues Wappen benötigt. Den Namen Thaleischweiler-Wallhalben erhielt die Verbandsgemeinde innerhalb eines Jahres. Die Entscheidung über ein neues Wappen zog sich über drei Jahre hin.
Entwürfe gingen an den Bürgermeister
„Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte das viel früher entschieden werden können“, sagt Hunsicker. Kurz nach der Fusion legte er Verbandsbürgermeister Thomas Peifer verschiedene Entwürfe vor, die auch an die Bürgermeister gingen. Hunsicker hätte sich gewünscht, in den Prozess der endgültigen Wappenfindung stärker einbezogen zu werden. Dass seine Vorschläge, die er im Laufe der Zeit kontinuierlich verfeinerte und überarbeitet auch an die Verbandsgemeinde weiterreichte, in der Verwaltung gesehen und diskutiert wurden, erfuhr er meist zufällig, wenn ein Verwaltungsmitarbeiter mal zu ihm sagte: „Das mit den Wappen hast du richtig gut gemacht.“
Geschichte fließt ein
Das Thema Heraldik – diese beschäftigt sich mit Wappenkunst und Wappenrecht – interessiert Hunsicker, der am Zweibrücker Hofenfels-Gymnasium sein Abitur ablegte, sich gegen ein Geschichtsstudium und für ein Studium des Bauingenieurwesens an der TU Kaiserslautern entschied, schon lange. Aktuell schreibt er seine Diplomarbeit. Die Regeln, die zu beachten sind, um ein Wappen zu erstellen, kennt er genau, weiß, dass die Wappen auf die Besitzverhältnisse vor der Französischen Revolution hinweisen. Für die Entwürfe nahm er sich die früheren Wappen der fusionierten Verbandsgemeinden vor. Schnell war klar, dass es damals fünf Besitzverhältnisse im heutigen Verbandsgemeindegebiet gab: Fürstentum Leiningen-Dagsburg (mit dem Adler im Wappen), Grafschaft Hanau-Lichtenberg (mit den drei roten Sparren), Marktgrafschaft Baden (mit dem roten Balken), Grafschaft Sickingen (mit den fünf Sickinger Bollen) und Herzogtum Pfalz-Zweibrücken (mit dem Löwen). Er habe Überlegungen angestellt, in welcher Größe alle fünf Gebiete im neuen Wappen zu sehen sein müssten. Die Marktgrafschaft Baden, die bei Petersberg reinspiele, betreffe zum Beispiel nur acht Prozent der Fläche der aktuellen Verbandsgemeinde, zeigt Hunsicker auf.
Farbe an Farbe ist nicht erlaubt
Entscheidend war, die heraldischen Regeln bei den sechs Entwürfen zu beachten. „Es gibt klare Regeln für eine Schildeinteilung“, sagt Hunsicker. Ganz wichtig sei die Farbregelung, in der Fachsprache Tingierung genannt. In der Heraldik sind nur vier Farben zugelassen: Rot, Blau, Schwarz und Grün. Dazu gibt es zwei Metalle, die zulässig sind: Gold und Silber. Dargestellt werden sie durch die Farben Gelb (Gold) und Weiß (Silber). Bei der Wappenherstellung sei eine Hauptregel, dass eine Farbe immer an ein Metall anschließen muss. Farbe an Farbe oder Metall an Metall, „das ist nicht erlaubt“, erklärt Hunsicker, der sich nicht nur mit Geschichte und Politik befasst, sondern auch gerne Fußball spielt (bei der SG Thaleischweiler-Fröschen) und singt (im Singkreis Shir Bemantana).
Mühlrad als verbindendes Symbol
Auch was den Schildbord, die Umrandung des Wappens, anbelangt, stellte er verschiedene Überlegungen an. Beim Wappen von Thaleischweiler-Fröschen bestand der Bord aus vier weißen und vier schwarzen Feldern, die abwechselnd angeordnet waren und die acht Ortsgemeinden symbolisierten. „Bei 20 Ortsgemeinden, die die jetzige Verbandsgemeinde hat, wäre das sehr viel“, sagt Hunsicker. Er erstellte Entwürfe mit mehreren Schwarz-Weiß-Feldern aber auch Alternativen mit wenigen größeren weißen und schwarzen Borden. Einzelne Elemente wie den Löwen gestaltete er in unterschiedlichen Formen. Mal breiter, mal schmaler. Und er setzte – das erlaubt die Heraldik – ein Mühlrad in einen Entwurf, um das Mühlenland, das die Verbandsgemeinde verbindet, zu symbolisieren.
Kleine Abweichungen
Geprüft wurden die Entwürfe von einem Heraldiker. Der musste unter anderem feststellen, ob die Blasonierung stimmt. Das bedeutet, ein Heraldiker muss das Schild so beschreiben können, dass es ein anderer Heraldiker zeichnen kann, ohne es gesehen zu haben. Eine Anforderung, die alle Entwürfe Hunsickers erfüllen. Das Wappen, dem der Hauptausschuss am Montag bereits einstimmig zustimmte, geht zwar deutlich auf Hunsickers Ideen zurück, unterscheidet sich aber doch ein klein wenig: Im Schildbord sind je fünf schwarze und weiße Felder zu sehen, die rot-gelben Felder mit Sparren und Balken wurden getauscht und die Größenverhältnisse leicht geändert. Heute Zum neuen Wappen der Verbandsgemeinde tagt der Verbandsgemeinderat Thaleischweiler-Wallhalben heute, Donnerstag, ab 19 Uhr im Rathaus in Wallhalben. Außerdem geht es ums Feuerwehrkonzept, dem der Hauptausschuss am Montag ebenfalls geschlossen zugestimmt hat. Nicht auf der Tagesordnung steht die Studie zum Um- oder Neubau des Rathauses. Hier gibt es laut Verbandsbürgermeister Thomas Peifer noch Klärungsbedarf.