Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel So lief der erste Tag mit dem Contwiger Bürgerbus

Lothar Ernst fährt den Bus ehrenamtlich, daneben die Fahrgäste Liesel Frey und Bärbel Sefrin und Interessent Klaus Strobel (von
Lothar Ernst fährt den Bus ehrenamtlich, daneben die Fahrgäste Liesel Frey und Bärbel Sefrin und Interessent Klaus Strobel (von rechts).

Am Donnerstag fuhr zum ersten Mal der Contwiger Bürgerbus – zunächst als vierwöchige Testphase. Lothar Ernst stünde auch danach als Fahrer zur Verfügung. Während seines ersten Fahrdienstes, der für die Passagiere kostenlos ist, war es recht ruhig. Zwei Fahrten zum Einkaufen innerhalb der Gemeinde hat er absolviert und dabei nicht viel mehr als zehn Kilometer zurückgelegt. Mario Moschel hat sich mit ihm unterhalten, wie es lief.

Contwig. Herr Ernst, Sie hatten bis eben Fahrdienst. Was machen Sie eigentlich beruflich?
Ich bin 56 und im Vorruhestand. Ich habe 40 Jahre bei der Telekom gearbeitet. Seit August nutze ich die Chance des so genannten engagierten Ruhestandes. Dazu gehört ein gewisses soziales Engagement. Das war für mich der Auslöser, beim Roten Kreuz in Contwig anzuheuern als Fahrer des Bürgerbusses.

Waren Sie schon zuvor Mitglied beim Roten Kreuz?
Nein, ich war vier Jahre Pendler nach Stuttgart und bin zehn Jahre nach Bonn gefahren auf die Arbeit als Wochenend-Pendler. Da hatte ich keine Zeit dafür. Ich bin pro Jahr zwischen 40.000 und 45.000 Kilometer gefahren, habe also Fahr-Erfahrung.

Und jetzt schon wieder auf dem Bock?
Ja, aber das ist ja nur ein Tag in der Woche. Und es sind Kurzstrecken. Zudem hat man ja Smalltalk. Da ich ein Contwiger bin, kenne ich viele Leute, und mich kennen viele Contwiger. Da kommt man sofort ins Gespräch. Das ist für beide Seiten angenehm. Jetzt müssen wir mal abwarten, wie die Testphase so verläuft. Abwechslungsreich und spannend ist es in jedem Fall, weil man nie genau weiß, was kommt. Was ich aber jetzt schon gemerkt habe: Es wäre gut, wenn wir im Kofferraum ein, zwei feste Boxen hätten, wo wir das Eingekaufte der Fahrgäste fixieren könnte.

Sie sind bislang der einzige Fahrer?
Ja, für die Testphase schon. Kai Harstick vom Roten Kreuz hat aber auch Ersatz in der Hinterhand, falls ich krank werde oder ähnliches.

Die Testphase geht bis Ende April?
Ja, aber bei Bedarf kann man ja nachjustieren.

Wie erreicht man Sie, wie kann man Sie buchen?
Unter der Telefonnummer 06332/568860 erreicht man die Bereitschaft des Roten Kreuzes, dort wird dann der Termin gebucht. Ich kriege donnerstagsmorgens dann meinen Terminplan, auf dem steht, wann ich wo sein soll und wo es hingeht. Dann gehe ich das Auto abholen und lege los. Und wir sind permanent per Funk und auch Handy verbunden. Sollte es mal länger dauern, kann die Zentrale dann reagieren und im Notfall die Fahrgäste noch mal kontaktieren, sollte es mal länger dauern.

Wie lange vorher soll man anrufen?
Bis Mittwochabend sollte man buchen, wenn man donnerstags gefahren werden möchte.

Auf dem Bus kleben keine Schilder „Bürgerbus“, sondern es ist ein unauffälliges Zivilfahrzeug. Man erkennt es also nicht unbedingt als Bürgerbus. Sollten dennoch Menschen am Straßenrand stehen und winken, können Sie die ganz spontan mitnehmen?
Dann kann man ja anhalten und fragen, wohin es gehen soll. Sieben Leute kann ich derzeit wegen Corina auch nicht mitnehmen, also nicht alle Plätze besetzen. Aber generell geht das schon.

Heute waren zwei Fahrten, wohin wollten die Leute?
Heute Morgen die Dame wohnt anfangs Contwig und wollte ans andere Ortsende in den Wasgau und den Aldi einkaufen. Ich habe sie abgeholt und hingebracht und mit ihr vereinbart, dass ich sie eine Stunde später wieder nach Hause bringe. Sie hatte offenbar Erfahrung und konnte mir genau sagen, wie lange sie braucht. Zur Sicherheit hatte sie eine Visitenkarte vom Roten Kreuz von mir bekommen, falls sich etwas ändert. Und nachmittags die Damen wollten ebenfalls einkaufen im Wasgau.

Und Sie stehen den ganzen Tag bereit?
Ja, zwischen 9 und 16 Uhr halte ich mich bereit. Wenn Leerlauf ist, wie heute, bin ich bei mir zuhause in Bereitschaft, und der Bus steht auf dem Stellplatz. Sobald es piepst, geht es los.

Wie viele Sitzplätze bietet der Bus?
Sieben. Aber ich darf nicht alle besetzten, und alle Passagiere müssen Masken tragen. Ich habe auch medizinische Ersatzmasken im Auto, wenn mal eine vergessen wurde, kaputtgeht oder in den Dreck fällt.

Sind schon Termine gebucht für kommenden Donnerstag?
Ja, da sind schon Termine gebucht, unter anderem eine Fahrt ins Impfzentrum nach Zweibrücken. Da muss man natürlich anders planen, weil es eine weitere Strecke ist als innerorts. Aber das geht in der Regel schnell dort, dauert meist nicht länger als 20 Minuten. Eventuell kann man sogar warten. Andernfalls kann man ja noch mal hinfahren.

Mussten Sie eine Zusatzqualifikation machen, damit Sie Fahrgäste kutschieren dürfen, beispielsweise einen Personen-Beförderungsschein?
Nein. Mit meinem normalen Führerschein darf ich den Bus fahren. Ab neun Personen braucht man den Schein, wir haben aber nur sieben. Das ist der Grund dafür, dass das Auto kleiner ist.

Die Busfahrt ist kostenlos. Gibt es da Trinkgeld oder mal eine Tafel Schokolade?
Ja, die Fahrt ist kostenlos, aber Trinkgeld ist nicht die Erwartung und nicht mein Anspruch. Die Dame heute Morgen hat sich gefreut und bedankt, weil sie vor Ostern ein wenig mehr eingekauft hat und das nicht zu Fuß machen musste. Das Dankeschön reicht mir völlig.

Stünden Sie auch nach der Testphase zur Verfügung?
Stand heute bin ich auch dann noch dabei. Ich habe ja beruflich keine Verpflichtungen mehr. Die Familie macht auch mit. Die war ja gewohnt, dass ich 14 Jahre lang von montags bis freitags weg war. Ich bin ja viel mehr zuhause als zuvor. Da ergibt sich ja fast schon das Problem, dass ich zu viel zuhause bin. (lacht) Da kann man sich ruhig ein wenig im Ort engagieren.

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