Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Schunkeln wird schwierig

Ein ähnlich prachtvolles Bild wie bei der „Westricher Fasnacht“ 2020 in Waldfischbach wird sich 2021 wohl kaum bieten, zumal die
Ein ähnlich prachtvolles Bild wie bei der »Westricher Fasnacht« 2020 in Waldfischbach wird sich 2021 wohl kaum bieten, zumal die Wefa bereits abgesagt wurde.

Noch nie war die Fasnacht so früh in aller Munde wie in diesem Jahr. Das „verdankt“ sie einem Virus, das den Karnevalisten noch den Spaß an ihrem Brauchtum zumindest in der nächsten Kampagne verderben könnte. Betroffen davon sind auch Karnevalsgesellschaften in der Südwestpfalz, die von einer geregelten Vorbereitung der „fünften Jahreszeit“ weit entfernt sind.

Eine generelle Absage „von oben“ – wie sie Gesundheitsminister Jens Spahn angedeutet hat – stößt bei fast allen Verantwortlichen auf Unverständnis. „Fasnacht wird es geben, denn sie gehört zum Ablauf eines Jahres, und absagen kann man höchstens einzelne Veranstaltungen“, ist die Meinung von Oliver Betzer, besser bekannt als „De Härtschd“, einem der bekanntesten Spaßmacher aus dem Dahner Tal. Allerdings hat er schweren Herzens schon jetzt die Fischbacher Benefizveranstaltung im November abgeblasen, deren Erlös immer einem karitativen Zweck zufließt; denn bei reduzierter Besucherzahl würde dieser bestimmt nicht im Verhältnis zum Aufwand stehen. „Aber kleinere Events mit teilweise neuem Konzept sollten wohl möglich sein“, ist Betzer überzeugt.

Dass die nächste Fasnachtskampagne nicht im gewohnten Rahmen stattfinden wird, darüber sind sich ausnahmslos alle einig. „Wir müssen schließlich auf die Gesundheit unserer Aktiven und Besucher Rücksicht nehmen“, betont Andreas Drexler, Präsident der Herschberger Narren. Schon allein die Unterbringung der über 100 Tänzerinnen und Tänzer des Vereins würde in der Bürgerhalle in Herschberg mit dem nach heutigem Stand geltenden Abstandsgebot Probleme bereiten. Eine endgültige Entscheidung, ob und welche Veranstaltungen im Januar und Februar stattfinden können, will man beim CHN wohl im September treffen.

Problem der Räumlichkeiten

Überhaupt keine Prunksitzungen wird es sicherlich bei den „Heggeschlubbern“ in Fischbach und beim Rodalber Carneval-Verein geben, wo die räumlichen Voraussetzungen für eine lohnende Durchführung nicht gegeben sind. Beide schließen kleinere Veranstaltungen nicht aus und würden auch gerne andere Vereine besuchen, sofern dort gefeiert werden kann.

Die Voraussetzungen bei den einzelnen Gesellschaften sind sehr unterschiedlich. In großen Sälen könnte man sich eine Veranstaltung mit Abstandsgebot eher vorstellen. Denkbar ist auch, dass die gültigen Verordnungen und Besucherzahlen bezüglich der Coronabekämpfung noch öfter geändert werden. Die vielen offenen Fragen haben deshalb unter anderen die Karnevalvereine in Donsieders, Dahn, Hauenstein und Waldfischbach bewogen, mit einer finalen Absage noch zu warten.

Bei den „Elwetritsche“ in Dahn, wo vor wenigen Tagen eine neue Vereinsspitze ins Amt kam, war zu erfahren, dass jedenfalls das Guggemusik-Festival im großen Zelt am Donnerstag und Samstag vor Fasnacht nicht stattfindet. Die lange Vorbereitung und die hohen Kosten einer solchen Veranstaltung lassen eine rechtzeitige Absage geboten erscheinen.

Statt Umzug eine Demo fürs Brauchtum

Zu den Vereinen, welche eigene Heime oder Hallen besitzen und deshalb auf Einnahmen noch dringender angewiesen sind als manche andere, gehört neben dem KVE Dahn auch der 1. Carneval-Verein Pirmasens. „Eine so frühe Absage geht gar nicht“, ist sich CVP-Präsident Karl Schütz sicher und hat deshalb bis jetzt auch nur die Feier zum 66-jährigen Jubiläum im November aus Rücksicht auf die zu erwartenden Gastvereine um ein Jahr verschoben. Kleinere Sitzungen in der Dreispitz-Halle am Rehpfad wären schon deshalb möglich, weil dort kürzlich ein Gerät zum automatischen Austausch der Luft eingebaut wurde. Sollten Umzüge nicht erlaubt sein, so hat Schütz einen praktischen Vorschlag: „Dann gehen wir eben als Demonstranten für unser Brauchtum auf die Straße, denn protestieren darf ja offensichtlich jeder bei uns.“

Keine Kür neuer Prinzessinnen

Eines aber steht heute schon fest: Neue Tollitäten dürfte es in der Kampagne 2020/2021 keine geben, das haben alle befragten Vereine beim kürzlichen Treffen der Präsidenten aus der Westpfalz unisono versichert. Niemand will eine junge Frau zur närrischen Hoheit küren, wenn sich danach fast keine Möglichkeiten zur Repräsentation bieten. Der glanzvolle Ball auf Verbandsebene mit 800 Besuchern oder auch die traditionelle „Westricher Fasnacht“ finden jedenfalls nicht statt.

Besonders die Vereine mit Jugend- und Gardeabteilung sind darum bemüht, dass sowohl das Vereinsleben als auch die Trainingsarbeit nicht zum Erliegen kommen. Um den jugendlichen Tänzerinnen weiterhin den Spaß an ihrem Hobby zu erhalten, proben manche Garden – streng nach Hygieneregeln – zurzeit im Freien und sogar auf einem Tennisplatz. Alle hoffen, dass bei sinkenden Temperaturen im Winter ein Trainingsbetrieb in Sporthallen möglich sein wird.

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