Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Schuhmode trifft Jeans: Sonderausstellung im Schuhmuseum

Eröffneten die Sonderausstellung zu den Denim Dreams (von links): HDS/L-Präsident Carl-August Seibel, Award-Gewinnerin Marielle
Eröffneten die Sonderausstellung zu den Denim Dreams (von links): HDS/L-Präsident Carl-August Seibel, Award-Gewinnerin Marielle Lazan und HDS/L-Pressesprecherin Claudia Schulz.

Die Schuhindustrie gehört fest zur Region – früher und heute. Die kreativen Ideen des Nachwuchses zeigt die Ausstellung „Denim Dreams“ im Deutschen Schuhmuseum.

Selten dürfte es so einfach gewesen sein, sich für eine Vernissage passend anzuziehen wie bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Denim Dreams“. Zu sehen sind 40 Schuhmodelle junger Designerinnen und Designer aus dem In- und Ausland, bei denen sich alles um Denim und Jeans, die wohl bekannteste Variante des robusten Baumwollstoffes, dreht.

Unter dem Motto „Denim Dreams – Jeans on“ haben die jungen Kreativen am renommierten HDS/L Junior Award 2024 teilgenommen, einem Wettbewerb des HDS/L-Bundesverbands der Schuh- und Lederwarenindustrie. „So viele Teilnehmende wie in diesem Jahr hatten wir noch nie“, erklärt Verbandspräsident Carl-August Seibel. Etliche Einsendungen stammten aus der direkten Nachbarschaft, von Studierenden der Deutschen Schuhfachschule in Pirmasens.

Lieblingsjacke geopfert

Die große Resonanz dürfte auch am Thema gelegen haben, vermutet Seibel. Und ja, eine Lieblingsjeans oder eine Lieblings-Jeansjacke haben wohl die meisten im Kleiderschrank. So auch die 22-jährige Marielle Lazan. Zumindest hatte sie bis vor einiger Zeit eine absolute Lieblings-Jeansjacke.

Heute ist das heiß geliebte Stück ein prägendes Teil der Schuhkreation „Denim Cameleon“, mit der Lazan den diesjährigen HDS/L Junior Award gewonnen hat. Es sei ihr schon schwergefallen, die Jacke zu zerschneiden, erzählt die 22-Jährige, die an der Deutschen Schuhfachschule in Pirmasens studiert. Doch als sie das Wettbewerbsthema gehört habe, sei ihr sofort ihre Lieblingsjacke in den Sinn gekommen – und ihre Lieblingsstiefel, ein Paar schwarzer Lederschuhe, die bis knapp ans Knie reichen. Diese beiden Elemente dienten ihr als Inspiration.

Während die Stiefel heil blieben, ging es der Jacke an den Kragen – und das im Wortsinn. Denn aus dem Kragenstück formte Lazan den Schaft eines Stiefels, der mit Druckknöpfen an eine Stiefelette befestigt werden kann. Die ehemalige Brusttasche der Jacke befindet sich nun oben am Stiefelschaft – und könne als Aufbewahrungsort für Geld oder Schlüssel dienen, schlägt Lazan vor. Wird der Schaft abgeknüpft, bleibt eine Stiefelette, die separat getragen werden kann. Auch hier ist das bestimmende Material Denim. Für die Stiefelette habe sie eine gebrauchte Jeans verwendet, allerdings nicht aus dem eigenen Kleiderschrank. Verziert ist der Schuh mit Rosen aus Denim.

Der Absatz als Herausforderung

Sie habe auf jeden Fall einen Schuh mit Absatz fertigen wollen, das sei letztlich die größte Herausforderung gewesen. Denn bisher habe sie vor allem mit Sneakern zu tun gehabt, ihre Ausbildung habe sie bei Adidas absolviert, seit September studiere sie in Pirmasens. Sie selbst stammt von den Philippinen und ist in Vietnam aufgewachsen, ihr Vater komme jedoch aus Pirmasens, erzählt sie. Für sie sei es gar keine Frage gewesen, auch in die Schuhbranche einzusteigen. Die verschiedenen Arbeitsschritte, bis ihre Kreation fertig war, hat sie in einem Film festgehalten, der bei der Sonderausstellung gezeigt wird.

„Zu schade, um sie nicht zu zeigen“

Dass sich die Wettbewerbsstücke nun in Hauenstein befinden, geht auf eine Idee Carl-August Seibels zurück. „Es wäre viel zu schade, sie nicht zu zeigen“, sagt er. Zwar gebe es bereits eine Sonderausstellung zum Thema Stiletto über Pfingsten im Museum, doch die Träume aus Denim seien nach der Messe Shoes in Düsseldorf ganz aktuell für die nächsten sechs Wochen ins Programm aufgenommen worden.

Die Ideen, wie die jungen Designerinnen und Designer das Thema umgesetzt haben, sind vielfältig. Mal tragbar, mal weniger tragbar, aber immer mit Bezug zu Denim, sind die Schuhe in mehreren Vitrinen ausgestellt. Woher das Wort Denim stammt, erklärt Claudia Schulz, Pressesprecherin des Bundesverbands der Schuh- und Lederwarenindustrie. Ursprünglich wurde das feste Baumwollgewebe im französischen Nimes gefertigt, es war also „de Nimes“ – aus Nimes. Zusammengezogen entstand aus diesen beiden Worten der Begriff Denim – und damit das Synonym für den Stoff, aus dem die Träume sind, sagt Schulz. Für Marielle Lazan zumindest ist ein Traum in Erfüllung gegangen. „Meine Lieblingsjacke zu zerschneiden hat sich auf jeden Fall gelohnt“, sagt sie.

Bleibt der Blick auf den Dresscode der Gäste: Die meisten waren – mit Absicht oder dem Zufall geschuldet, in Jeans da. Darunter auch der Chor Canta Nova aus Wilgartswiesen, der an diesem Abend die Eröffnung musikalisch begleitet.

Öffnungszeiten

Das Deutsche Schuhmuseum hat Montag bis Sonntag von 9.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Die Sonderausstellung ist im Eintritt enthalten.

Mit ihrem „Denim Cameleon“ überzeugte Marielle Lazan die Jury.
Mit ihrem »Denim Cameleon« überzeugte Marielle Lazan die Jury.
Die Sonderausstellung zeigt rund 40 Modelle junger Designerinnen und Designer aus dem In- und Ausland.
Die Sonderausstellung zeigt rund 40 Modelle junger Designerinnen und Designer aus dem In- und Ausland.
Das Modell eines Teilnehmers der Fachhochschule Potsdam.
Das Modell eines Teilnehmers der Fachhochschule Potsdam.
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