Kreis Südwestpfalz Schuhhersteller erwarten ein gutes Jahr

Mit 2014 seien sie „sehr zufrieden“, stellt Bernd Weinspach aus der Geschäftsleitung Entwicklung und Design der Dahner Hermann Meyer GmbH fest – den meisten besser bekannt als Kinderschuh-Marke Däumling. Um etwa vier Prozent gewachsen ist der 1937 gegründete Familienbetrieb, der 2013 einen Umsatz von etwa 8,5 Millionen Euro erzielte. Mit Prognosen für 2015 seien sie aber noch vorsichtig, meint Weinspach; denn hinter ihnen liege eine schwierige Saison. Der Grund: Richtig warme Schuhe haben sich bis Jahresende wegen des milden Wetters allgemein nur schleppend verkauft. Deshalb ist noch nicht klar, in welchem Umfang Schuhhändler die – bei der Schuhmesse in Düsseldorf vorgestellte – neue Kollektion für den Winter 2015/16 ordern werden. Ihr Ziel sei es daher, so Weinspach, 2015 das Erreichte zu halten. Der Erfolg 2014 hat sich auch in der Belegschaft niedergeschlagen, die um neun Beschäftigte auf 94 anwuchs im Dahner Tal. Dort gibt es – neben der Verwaltung in Dahn – noch ein Werk in Bruchweiler, wo 200 Paar Kinderschuhe am Tag komplett produziert werden. Hinzu kommen Schäfte, die in einem Joint-Venture-Betrieb in Mazedonien mit 390 Beschäftigten nach Dahner Vorgaben gefertigt und in Bruchweiler montiert werden. Hauptmärkte sind Deutschland, Benelux und die Schweiz. Auch in Japan gibt es Däumling-Schuhe – für Weinspach ein wichtiger Markt, weil Japaner sehr stark auf die Passform achteten. Schwierig sei derzeit der niederländische Markt, stellt er fest; denn dort finde gerade eine Marktbereinigung statt. Insgesamt bringe aber auch die Griechenland-Krise viel Unruhe in den europäischen Wirtschaftsraum hinein. Vorsichtig beim Blick auf 2015 bleibt auch Philipp Dietz, Inhaber der Christian Dietz Schuhfabrik GmbH in Obersimten. Mit 2014 ist er zufrieden: Es brachte eine Steigerung um etwa sechs Prozent beim Umsatz, der bei vier Millionen Euro liegt. Einen solchen Zuwachs erwartet der Unternehmer für 2015 nicht mehr. Seine Messe-Bilanz fällt gedämpft aus. Verglichen mit früheren Jahren – schon sein Vater war in den 60er Jahren auf der Schuhmesse – habe es deutlich mehr konkrete Aufträge gegeben, blickt er zurück. Heute stehe die Information im Vordergrund. Aber die treuen Kunden seien auch diesmal weitgehend gekommen, stellt Dietz fest. Hergestellt werden die bequemen Damenschuhe seit etwa 20 Jahren im eigenen Betrieb im Portugal, wo über 80 Menschen arbeiten. Positiver gestimmt ist Gerhard Mayer, Inhaber der G.K. Mayer Shoes in Rodalben. Er hat mit seinem Familienbetrieb zum ersten Mal an der Schuhmesse teilgenommen und freut sich über „hervorragende Kontakte“, die bereits am ersten Tag zustande gekommen seien, beispielsweise zu einem Schuhhändler aus Shanghai mit über 60 Läden und Vertrieb für europäische Schuhfirmen. Sie hätten ein „super 2014“ mit einem Umsatzwachstum um über 20 Prozent hinter sich, sagt Mayer, der auch 2015 mit einem Plus im zweistelligen Prozentbereich rechnet. Auch in seinem Unternehmen hat sich dies niedergeschlagen: Kürzlich wurde das Rodalber Firmengebäude erweitert und ein Verkauf eingerichtet – eine Investition in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro. Dass das Schuhgeschäft bei ihm so gut läuft, führt Mayer auch darauf zurück, dass er mit seinen Damen- und Herrenschuhen seit Jahren vor allem große Textilhersteller beliefert – „weil die das Thema in Verbindung mit Mode völlig anders behandeln“. Denn im klassischen Schuhhandel gebe es mittlerweile – auch infolge der Einkaufsvereinigungen – eine regelrechte „Uniformierung“, stellt Mayer fest. Dabei sei doch gerade Innovation gefragt. Produzieren lässt Mayer seine Schuhe nach eigenen Vorgaben nur in Italien und Portugal – „kein Stück aus Asien“. Zehn Geschäfte betreibt Mayer: In allen Designer-Outlets, darunter Zweibrücken, sei er vertreten, sagt er, um dort neue Kollektionen zu „testen“. Insgesamt beschäftigt er über 80 Leute, davon etwa 20 in Rodalben. Sehr zufrieden mit der Resonanz auf der Messe zeigte sich dort Andreas Garnier, Geschäftsführer der Hauensteiner Seibel-Gruppe. Das habe ihn „etwas beruhigt“, meint er – vor allem vor dem Hintergrund des internationalen Geschäftes, das einen großen Teil ausmacht. So seien etwa viele russische Kunden gekommen. Weniger gut ist 2014 gelaufen. Denn beim Umsatz (2013: 128 Millionen Euro) hat die Seibel-Gruppe, die Schuhe der Marken Josef Seibel und Romika sowie für die Lizenzmarke Gerry Weber produziert, nicht zugelegt. Durch den lange zu milden Winter blieben warme Schuhe liegen. Auch auf Schaftstiefeln seien Händler oft sitzen geblieben, stellt Firmenchef Carl-August Seibel fest, wobei der Trend zum Stiefel ohnehin nachlasse. Der Markt sei unter Druck, meint auch er mit Blick auf 2015: Die Vertikalisierung im Handel und die sinkende Ausgabebereitschaft der Verbraucher bei Schuhen und Textilien sorgten für ein schwieriges Umfeld. Seibel kennt beide Seiten, denn das – inzwischen sanierte – Schuhhandelsunternehmen Leiser mit etwa 100 Filialen gehört zur Firmengruppe. Positiv wirkt sich für die Seibel-Gruppe der niedrige Euro beim Export aus: USA und Kanada sind wichtige Märkte. Unverändert ist die Mitarbeiterzahl mit 200 in Hauenstein und 100 in Trier. Weltweit arbeiten etwa 3500 Menschen für Seibel. Veränderungen gibt es in der Produktion: Im Werk Ungarn, das mit einem Partner betrieben wird, hat Seibel damit begonnen, Kapazitäten zu reduzieren und in andere osteuropäische Länder, vor allem nach Albanien, zu verlagern. Ungarn sei, begründet er dies, bei Lohnkosten inzwischen ein relativ teurer Standort. Ein Teil werde aber weiter dort produziert. Insgesamt werde der Hauptteil aller Schuhe nach wie vor in Europa hergestellt und nur ein kleiner Teil in Asien. (tre)