Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Schuh Marke hofft auf das Frühjahr

Das Hauensteiner Flaggschiff von Schuh Marke ist vorerst geschlossen, wie die Filialen im Südwesten und wie auch die anderen Sch
Das Hauensteiner Flaggschiff von Schuh Marke ist vorerst geschlossen, wie die Filialen im Südwesten und wie auch die anderen Schuhgeschäfte in der Schuhmeile.

Endlich ist richtig Winter, aber keiner kauft Stiefel. Zumindest nicht im Schuhgeschäft. Einzelhändler vor Ort leiden besonders unter dem erneuten Lockdown. Denn anders als Internet-Händler müssen sie etwa noch ihre Miete bezahlen. Für ein Unternehmen wie Schuh Marke mit 25 Läden keine kleine Herausforderung.

Das Jahr 2020 will man am liebsten vergessen. Das würde auch Mike Marke gerne, aber so einfach ist das für den Unternehmer nicht. Denn das Corona-Jahr hat deutliche Spuren hinterlassen beim Schuhhandelsunternehmen Schuh Marke, das Mike Marke gemeinsam mit seiner Mutter, der Firmengründerin Luise Marke, führt. Etwa 30 Prozent des Umsatzes hat Schuh Marke 2020 eingebüßt – bei einem sonst üblichen Jahresumsatz von 30 bis 35 Millionen Euro keine Kleinigkeit. Fünf bis sechs Wochen mussten die 25 Schuhhäuser je nach Standort allein im ersten Lockdown schließen. In Luxemburg, der zweiten tragenden Säule nach Hauenstein, waren es sogar acht Wochen. Und nun ist wieder zu. Schutzmaßnahmen hält auch Mike Marke für notwendig. Was ihn aber ärgert: Dass die Einzelhändler schließen müssen, Discounter und größere Einkaufsmärkte weiter Kleidung und Schuhe verkaufen dürfen.

Mit dem Umsatzverlust in Höhe von 30 Prozent befindet sich Schuh Marke in großer Gesellschaft – Textilhandel und Schuheinzelhandel gehen insgesamt von Einbußen in dieser Größenordnung für 2020 aus. Doch ein Trost ist das nicht. Denn kompensieren lassen sich die Einbußen kaum. Zumindest nicht mit dem eigenen Online-Shop. Zwar seien mehr Anfrage vor allem für Kinderschuhe gekommen, berichtet Marke. Aber gerade dort sei das direkte Anprobieren und Messen ja besonders wichtig. Einen Verkauf über eine große Internet-Plattform hätten sie bereits getestet, doch bei Provisionen von 15 bis 20 Prozent und einem hohen Aufwand rechne sich das für sie nicht.

Die Mietkosten bleiben

Aber auch über die Kostenseite lassen sich solche Umsatzverluste nicht so einfach auffangen, vor allem nicht für einen stationären Händler. Die Personalkosten, erläutert Mike Marke, seien zwar reduziert worden. So seien befristete Verträge nicht mehr verlängert worden, wodurch sich die Belegschaft um 20 auf aktuell 240 Mitarbeiter reduziert habe. Dazu sei die Kurzarbeit gekommen, mittlerweile für fast alle. Das mache aber den Beschäftigten auch zu schaffen, stellt Marke fest, zumal 2020 noch Urlaubs- und Weihnachtsgeld ausgefallen seien. Er hoffe, dass es bald weitergehen könne. Denn ihre Mitarbeiter wollten sie auf jeden Fall behalten.

Kaum gesunken sind dagegen die Kosten für die 25 Läden, die sich vor allem im Südwesten befinden. Mit dem ein oder anderen Vermieter hätten sie zwar eine Einigung gefunden, sagt Marke, aber eben nicht mit jedem. Beispielsweise nicht mit Einkaufscentern in Saarbrücken und Kaiserslautern. Zu etwa 90 Prozent seien die Mietkosten für sie unterm Strich geblieben, stellt Marke ernüchtert fest.

Und dann sei zur Unzeit noch ein Steuerbescheid oben drauf gekommen: für ihren 2019 erzielten kleinen Gewinn. Sie hätten zwar kein Wachstum verzeichnet, so Marke, aber gut gewirtschaftet. Immerhin: Das Finanzamt hat Aufschub gewährt.

Für alle Fälle die Kreditmöglichkeit

Kompensieren lassen sich die coronabedingten Einbußen im Unternehmen nur sehr begrenzt. Eine staatliche Soforthilfe gab es 2020 für Schuh Marke aber nicht, nur die Möglichkeit eines zinsgünstigen KfW-Schnellkredites mit fünf Jahren Laufzeit. Diesen hätten sie direkt beantragt und nach vier Monaten auch bewilligt bekommen, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter. Bisher hätten sie ihn nicht in Anspruch genommen – noch nicht. Hoffnungen setzen Markes noch auf die „Dezember-Hilfe“ des Staates, die eine Unterstützung von bis zu 75 Prozent des Umsatzes im Vorjahresmonat in Aussicht stellt. Den Kriterien würden sie zumindest entsprechen, stellt Marke fest. Ob sie diese Hilfe bekommen und, wenn ja, wann, ist freilich noch offen.

Die Ungewissheit ist das Schlimmste

Es ist die Ungewissheit, die Mitarbeitern und Chefs am meisten zu schaffen macht: darüber, wie lange die Schließung noch dauert, ob es Hilfen geben wird, wie es weitergeht. Dies mache auch das Planen sehr schwierig, stellt Mike Marke fest. Zum Beispiel im Einkauf. Denn in gewissen Warengruppen habe es Überhänge gegeben. Die Lust am Einkaufen habe nachgelassen, auch die Bühne habe ja gefehlt, um sich zu präsentieren. Klassische Mode sei da weniger nachgefragt worden, Bequemes und Outdoor-Gerechtes hingegen mehr. Das habe sich verlagert, stellt Marke fest. Allerdings hätten sie es logistisch so gesteuert, dass sie flexibel blieben.

Der Unternehmer blickt jetzt nach vorn. Die Saison Herbst/Winter hätten sie abgeschrieben, sagt er. Sie bereiteten sich voll auf den Frühling vor, richteten dafür nun ihre Häuser ein. Denn dass der Lockdown in Kürze beendet sein wird, kann Mike Marke nicht glauben. Er hält eine Öffnung erst nach Fasching für realistisch. Dafür geht es dann mit großen Schritten in die bessere Jahreszeit. Ein kleiner Lichtblick, immerhin.

Die Branche: Einzelhandel in der Klemme

Für viele stationäre Einzelhändler verschärft die Pandemie eine längst angespannte Lage. Denn sie haben seit Jahren mit der zunehmenden Konkurrenz durch den Online-Handel und der sinkenden Frequenz in Innenstädten zu kämpfen. Im Textil- und Schuhhandel geben immer mehr Händler auf oder beantragen ein Schutzschirmverfahren. Jüngste Beispiele sind der Schuhfilialist Dielmann und Adler Mode. Der Handelsverband Textil rechnet mit weiteren Geschäftsaufgaben. Denn die Kosten und der Wareneinkauf könnten bei langen Vorlaufzeiten in der internationalen Lieferkette kaum angepasst werden. Die Einnahmen aus dem Weihnachtsgeschäft fehlten außerdem, um Frühjahrsware bezahlen zu können. Hinzu komme: Durch den verlängerten Lockdown wird sich nach Schätzungen der Handelsverbände Textil (BTE), Schuhe (BDSE) und Lederwaren (BLE) im stationären Handel bis Ende Januar eine halbe Milliarde unverkaufter Modeartikel auftürmen. Die Umsatzverluste des Winter-Lockdowns dürften sich laut BTE bis Ende Januar auf rund zehn Milliarden Euro aufsummieren.

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