Kreis Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Schmitshausen: Ehrenbürger Hans Erich Henkes macht sich große Sorgen um sein Heimatdorf

Schmitshausen ist als Rosendorf bekannt. Aber fast das ganze Dorf versinke im Dornröschenschlaf, warnt Hans Erich Henkes.  Archi
Schmitshausen ist als Rosendorf bekannt. Aber fast das ganze Dorf versinke im Dornröschenschlaf, warnt Hans Erich Henkes. Archivfoto: Laborenz

Der Schmitshauser Ehrenbürger Hans Erich Henkes macht sich große Sorgen um sein Dorf. In einem Brief, den er an 25 Haushalte verteilt hat, hat er aufgeschrieben, was ihn sorgt, woran es seiner Meinung nach fehlt und was sich ändern müsse.

Von Thomas Büffel und Martina Benkel

Schmitshausen. Wäre Hans Erich Henkes ein Maler, dann hätte er ein tristes Bild gemalt. Vielleicht auch eins, das mal farbenfroh strahlte, aber mit den Jahren vergilbt ist, weil sich niemand darum gekümmert hat. Eins, das er gerne restaurieren würde, damit es wieder an früher erinnert. Es ist nicht das erste Mal, dass Henkes, der maßgeblich an der Entwicklung des Rosendorfs in den vergangenen Jahrzehnten beteiligt war, mahnend den Finger hebt. Aber so vehement wie jetzt hat er es – zumindest öffentlich – noch nicht getan. Vor allem an einer Sache macht der Ehrenbürger seine Kritik fest: an der fehlenden Gemeinschaft.

„Wir sind uns fremd geworden“

Es gebe immer mehr ältere Einwohner und zu wenig Kinder, und so nehme die Einwohnerzahl ab. Vereine haben sich aufgelöst, es gebe immer weniger freiwillige Helfer, und es fehle an Steuereinnahmen. „In fünf Jahren wohl wird niemand mehr im Rosengärtchen arbeiten, den Gräfin-Sonja-Bernadotte-Weg und den Waldlehrpfad pflegen, Gäste führen oder frohe Feste feiern. Es läuft nicht mehr viel zusammen, wir sind uns zum Teil fremd geworden, und der Rat sucht oder findet kaum eine hilfreiche Tat! Ja, so hat unser Dorf keine Zukunft!“, warnt Henkes, und er findet: „Zum Verzweifeln!“ Seine Lösung: „Wieder mehr miteinander reden und überlegen, was wir warum und wie erhalten können, was wir halt aufgeben müssen. Das bedeutet zusammen rücken, wieder Gemeinsinn entwickeln, um Gemeinwohl zu erreichen.“

Seinen Brief hat Henkes an 25 Haushalte verteilt. Neben den Mitgliedern des Gemeinderats – alten wie neu gewählten – bekamen ihn auch andere politisch Interessierte, wie er im Gespräch mit der RHEINPFALZ sagte. Dass er eine Auswahl getroffen hat, liege daran, dass er sie selbst ausgetragen habe und es zu viel geworden wäre, an jedes Haus zu laufen: „Mit 86 geht das nicht mehr“, bedauert er.

Mit dem Brief wolle er auch Hinweise geben, welche Aufgaben unter anderen auf den neuen Ortsgemeinderat und den Bürgermeister zukommen, „und Impulse geben für eine nachhaltige und zukunftsweisende Dorfarbeit“.

„Es gibt leider nicht mehr genug Freiwillige und Ehrenamtliche, die im Dorf mithelfen“, bedauert er. Die Ortsgemeinde habe nicht genug Geld, um wichtige Aufgaben zu erfüllen. Der Gräfin-Sonja-Bernadotte-Weg werde zu wenig gepflegt, die Rasthütte nur selten besucht. Das Heimatmuseum sei lange geschlossen „und versinkt – wie fast das ganze Dorf – im Dornröschenschlaf“.

„Keine Dorfgemeinschaft mehr“

Ein Stück der Friedhofsmauer sei seit drei Jahren eingebrochen und baufällig. Der Verein der Rosen- und Naturfreunde müsse im Rosengärtchen und im Wald Pflichten der Gemeinde übernehmen, aber nur zwei der acht Ratsmitglieder seien überhaupt Mitglied. Henkes schreibt: „Eine Dorfgemeinschaft im Denken, Fühlen und Handeln existiert nicht mehr. Das dürfen wir nicht verdrängen. Doch bislang reden Ortsbürgermeister und Gemeinderat nicht einmal darüber, dass unser Dorf stirbt. Vielleicht fehlt es ja an ausreichend Weitsicht, Bürgerkontakt, Offenheit und Engagement. Sicher ist es nicht leicht, neue Ideen gegen den Niedergang zu entwickeln. Aber wenn man selbst keine Projekte und keine Ideen hat, kann man vielleicht gemeinsam mit den Bürgern welche entwickeln und auch Rat von Experten annehmen.“

Gerade weil er sich jahrzehntelang im Dorf engagiert habe, „tut es mir besonders im Herzen weh, wenn ich sehe, was in unserem Dorf anders geworden ist“. Die Zunahme von Schotter-Blech-Glas-Gärtchen zerstöre das Rosendorfbild, nennt er ein Beispiel. Und weiter: „Früher stifteten Leute, die bei Dorfmaßnahmen selbst nicht mitarbeiten konnten, einen Kasten Bier oder Weck mit Lyoner; das ist außer Mode gekommen. Es wird nicht genug getan, um Kinder für europäische Ferienlager zu gewinnen. Die neuen Bürgermeister der Partnerorte Longuyon und Walferdange wurden noch nicht zum Erstbesuch eingeladen und kennen offiziell das Rosen- und Europadorf gar nicht.“ Schmitshausen biete keine kulturellen Veranstaltungen mehr an wie Musik und Vorträge. Das leider klein gewordene Nussbaumfest ohne Ortstypisches bleibe am Rand.

Henkes schließt mit einem Appell: „Ich glaube, dass unser Dorf nur eine Perspektive hat, wenn jetzt alle Kräfte gemeinsame Sache machen.“ Er fordert „Mut, die aktuellen schwierigen Probleme und die, welche noch verstärkt auftreten werden, anzusprechen und Lösungen zu beraten“. Der Bürgermeister solle eine Einwohnerversammlung einberufen, um über Vorhaben zu informieren und zu diskutieren. Henkes’ Schlusswort: „Wir sollten uns besinnen, dass nur zusammen wirklich eine liebens- und lebenswerte frohe Dorfheimat wieder entstehen kann.“

Die Leitsätze

Hans Erich Henkes hat vier Leitsätze und ein Fazit aufgestellt, wie man ein lebenswertes Dorf erhalten oder schaffen könne:

1. Miteinander reden

Das hat leider stark abgenommen. Gespräche, Austausch, Fragen und Ratschläge zwischen Ortsgemeinderat, Verein, Gruppen und Einzelnen sind jetzt sehr notwendig und bald einzufordern.

2. Kooperation statt Konfrontation

Zusammenarbeit anstelle von Desinteresse und Widerstand. Sich ansprechen, Sorgen, Ideen und Ratschläge mitteilen und Kräfte nicht trennen, sondern bündeln und stützen, eine dringende Gemeindeaufgabe.

3. Selbst ganz dabei sein

Nur gemeinsam bleibt unser Dorf lebendig. Man darf nicht nur nehmen wollen, sondern muss auch geben. Jede/r besitzt genug Erfahrung, Wissen und Fähigkeiten für alle. Mit dem eigenen Kopf, mit Herz und Hand ist da nur bewährtes Altes zu erhalten und vielleicht nötiges Neues zu gestalten. Mit Erfolg und Freude.

4. Auf einiges verzichten

Auf Egoismus (Selbstsucht), ein bisschen Freizeit und zu hohe Ansprüche an die Gemeinde. Im Gemeinschaftshaus, Rosengärtchen, Friedhof, Haus der Jugend und im Wald bedenken, dass andere auch freiwillig sie schufen und pflegen. Die nehmen jedoch ab. Wir müssen leider etliche Anlagen und Einrichtungen aufgeben, die Dorfausstattung kürzen, das Ortsbild jedoch bewahren nach dem Sinnspruch „Der Rose zugetan, den Menschen Freund und dem Dorf Hilfe!“.

Das Fazit

Wer nichts für Andere tut, tut nichts für sich. Also aufeinander zugehen, nicht ausweichen, grüßen, ansprechen, zuhören, fürs Dorfleben zusammenarbeiten, den guten Willen beweisen, denn bloß so, miteinander, kann ¡m Rosen- und Europadorf Schmitshausen noch eine zufriedene, glückliche Zukunft gelingen!

Hans Erich Henkes Archivfoto: Moschel
Hans Erich Henkes Archivfoto: Moschel
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