Kreis Südwestpfalz Saarbrücken: Schlechtes Zeugnis für saarländische Bahnhöfe

Der Hauptbahnhof in Homburg soll noch vergleichsweise gut abschneiden.
Der Hauptbahnhof in Homburg soll noch vergleichsweise gut abschneiden. Foto: Moschel

Fast jeder zweite Bahnhof und Haltepunkt im Saarland ist in schlechtem Zustand. Dass die Situation „nicht zufriedenstellend“ sei, bestätigt Jennifer Collet, Sprecherin des saarländischen Verkehrsministeriums, auf Anfrage. Eine Studie zeigt, dass die Haltepunkte Rohrbach und Wiebelskirchen ein besonders schlechtes Bild abgeben.

Der saarländische Bundestagsabgeordnete Markus Tressel (Grüne) hatte eine Anfrage ans Bundesverkehrsministerium gerichtet. Dieses habe geantwortet, dass nur elf der 77 saarländischen Bahnhöfe noch Warteräume hätten; von diesen sei kein einziger mehr beheizt. In St. Wendel und St. Ingbert gebe es keine einzige Sitzgelegenheit mehr im Warteraum. Oft fehlten Wetterschutzhäuser und Sitze.

Tressel: „An nur acht Bahnhöfen gibt es Toiletten. Sogar größere Bahnhöfe wie Völklingen, St. Ingbert oder St. Wendel sind ohne sanitäre Anlagen.“ Fahrgast-Informationsanlagen und Schließfächer gebe es nur noch in Saarbrücken und Homburg. An vielen Bahnhöfen und Haltepunkten fehlten Stellplätze für Autos und Fahrräder. Nur an 59 der 77 Bahnhöfe seien Park-und-Reise-Parkplätze eingerichtet – und viele davon mit „deutlich zu wenig Kapazität“. Und nur elf Bahnhöfe hätten Angebote zur Verknüpfung des Fahrrad- mit dem Bahnverkehr.

Land: Bahn-Tochter ist zuständig

„Zuständig für die Haltepunkte und Stationen im Saarland ist die Firma DB Station & Service“, betonte Ministeriumssprecherin Jennifer Collet am Mittwoch, 11. Dezember. Das Saarbrücker Wirtschafts- und Verkehrsministerium lasse zurzeit einen neuen Verkehrsentwicklungsplan für das Bundesland ausarbeiten. Hierfür habe es „zwei Studien zu Funktionalität, Sauberkeit und Erscheinungsbild aller Verkehrsstationen“ sowie der Verknüpfungspunkte der Regiobus-Linien im Saarland in Auftrag gegeben. Diese Studien hätten ergeben, „dass die Situation noch nicht zufriedenstellend ist. Dies zu verbessern und Maßnahmen einzuleiten, muss ein Schwerpunkt der DB Station & Service sein.“

Die Saar-Regierung helfe dabei. Nach Collets Worten hat Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) mit der DB-Tochterfirma das auf zwei Jahre angelegte Pilotprojekt „Stations-Inspektoren“ vereinbart. Mit dem Ziel, „die Attraktivität und subjektive Sicherheit“ der Bahnhöfe zu steigern, würden seit Juli 2019 zwei Inspektoren finanziert, die die saarländischen Stationen unter die Lupe nehmen. Die Inspektoren sollen sich auch um „kleine Instandsetzungen und Verschönerungen“ kümmern. Etwa das Beseitigen von Vandalismusschäden, Reparaturen, das Anstreichen von Unterführungen sowie den Austausch von Bänken und Abfalleimern.

2016 habe das Land 1,2 Millionen Euro in Bahnhöfe und ihr Umfeld investiert. 2017 seien es zwei Millionen und 2018 1,8 Millionen Euro gewesen.

Mängel bei der Barrierefreiheit

Markus Tressel sagt unter Berufung aufs Bundesverkehrsministerium, dass über 90 Prozent der Saar-Bahnhöfe „nicht weitreichend barrierefrei nutzbar“ seien, darunter die Hauptbahnhöfe Homburg, Saarbrücken, Neunkirchen und Saarlouis. Landesweit fehlten Aufzüge, Leitsysteme und Handlauf-Schilder. Der Grünen-Politiker meint, es sei mit dem Erstellen von Gutachten allein nicht getan: „Wir brauchen eine Investitions-Offensive für attraktive Bahnhöfe, die barrierefrei, gut ausgestattet und bestmöglich mit anderen Verkehrsträgern verknüpft sein müssen.“

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