Kreis Südwestpfalz Richter sagt als Zeuge aus

Im Prozess gegen zwei Brüder aus der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben, die ihre Tante schwer verletzt haben sollen, saß gestern ein Richter im Zeugenstand.
Das Verfahren hatte im Herbst 2015 am Amtsgericht begonnen, das es ans Landgericht abgab (wir berichteten zuletzt am 17. Mai). Der damalige Vorsitzende Richter sagte gestern aus, der 33-Jährige habe im ersten Prozess bedauert, dass nur sechs Schuss im Magazin gewesen seien. Der Prozess war ans Landgericht verwiesen worden, weil die beiden Angeklagten sich eines versuchten Totschlags schuldig gemacht haben könnten und nicht wie ursprünglich einer gefährlichen Körperverletzung. Dazu dürfte auch die erste Aussage des 33-jährigen Angeklagten vor dem Schöffengericht beigetragen haben. Im laufenden Prozess schweigt der 33-Jährige beharrlich. Auch gestern am vierten Verhandlungstag. Sein 30-jähriger Bruder, der mit ihm auf der Anklagebank sitzt, will von der Auseinandersetzung am 1. Oktober 2013 mit der Tante nichts mitbekommen haben. Er sei gar nicht dort gewesen, als abends gegen 18.30 Uhr der Streit mit der Tante auf der Straße eskalierte und die Tante mit fünf Schüssen niedergestreckt und schwer verletzt wurde. Die Aussage des 33-Jährigen aus dem ersten Prozess und sein damaliges Geständnis sind fürs Gericht von besonderer Bedeutung. Hatten doch die beiden Schwestern der Angeklagten vor dem Landgericht ausgesagt, dass der Vater geschossen habe und nicht ihr Bruder. Der Vater starb im September 2015. Die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas zitierte gestern aus der Akte Passagen des Geständnisses des 33-Jährigen von damals. Darin erklärte der Mann, er hätte noch schneller schießen können, wenn er eine Schnellfeuerwaffe gehabt hätte. Die Pistole, mit der auf die Tante geschossen habe, habe er 2012 in Landstuhl am Bahnhof für 300 bis 400 Euro gekauft und immer in der hinteren Hosentasche dabei gehabt, weil vor 17 Jahren schon mal jemand im Ort totgeschlagen worden sei. Der Bruder der Tante – also sein Onkel – habe an diesem Abend den Eklat auf der Straße ausgelöst. Als der ihm, dem 33-Jährigen, mit der Faust ans Kinn geschlagen habe und die Tante mit einer Latte auf sie zugegangen sei, habe er geschossen. Hätte sein Onkel ihm nicht den Unterkiefer gebrochen, würden beide heute nicht mehr leben, liest die Richterin aus der Akte vor. Und wenn er noch Kugeln gehabt hätte, würden alle nicht mehr hier sitzen – im Saal des Amtsgerichts. „Es war mir egal gewesen, wenn sie tot gewesen wären“, zitierte die Vorsitzende aus der Vernehmungsakte. Ruhig neben seinem Verteidiger sitzend hörte sich der 33-Jährige die Aussage des ersten Richters und die Passagen aus seiner ersten Vernehmung an. Die Tante, die ihm als Nebenklägerin im Prozess gegenübersitzt, rief an diesem Oktoberabend über Notruf die Polizei. Es waren gleich drei Streifenwagen mit sieben Beamten vor Ort. „Die Situation war total zerfahren. Die beiden Parteien wollten immer wieder aufeinander losgehen. Es wurde Verstärkung aus Waldfischbach hinzu gerufen“, erinnert sich ein junger Kommissar, der selbst mit als Erster vor Ort gewesen war. Das Schwurgericht besichtigte gestern den Ort und die Straße, in der am 1. Oktober 2013 geschossen wurde. Der Prozess wird am 1. Juni fortgesetzt.