Bottenbach
Rezepte mit den Landfrauen: Fürs Latwerge-Kochen braucht man viel Kraft
Der Duft der köchelnden Zwetschgen ist schon auf der Straße vor der Latwerge-Küche zu vernehmen, kaum in der Keller-Küche angekommen, wird der Geruch noch viel intensiver. Seit 40 Jahren kochen die Bottenbacher Landfrauen Latwerge. Eine Tradition, sagt Beate Schnur. Wie viele Zwetschgen verkocht werden, das ist jedes Jahr unterschiedlich: Mal tragen die Bäume im und ums Dorf mehr Zwetschgen, in anderen Jahren fällt die Ernte geringer aus. Dieses Jahr ist ein gutes Zwetschgen-Jahr. 300 Kilo verkochen die Landfrauen am Latwerge-Freitag. Um 8 Uhr in der Früh hat das Kochen begonnen, bis alle Zwetschgen verkocht sind, dauert es rund zwölf Stunden.
Nachdem die Zwetschgen einige Tage zuvor geerntet worden sind – übrigens nur von Bottenbacher Bäumen –, werden sie alle händisch entsteint, erklärt Schnur. Die eine Hälfte der Zwetschgen wandert dann noch durch den Fleischwolf, das macht das Kochen später leichter. Unterm Kupferkessel wird ein Feuer entfacht. Warum Kupfer? Laut Schnur hat das Material eine bessere Wärmeleitfähigkeit. Zuhause reicht aber ein einfacher Edelstahltopf.
Ganz wichtig: Immer rühren
Die Zwetschgen werden nach und nach in den großen Kupfer-Bottich gegeben. Ganz wichtig: Durchgehend muss die Pampe im Kessel gerührt werden. Auf gar keinen Fall darf etwas anbrennen – eine anstrengende, dennoch lohnenswerte Arbeit. Mit der Zeit verkocht die Flüssigkeit in den Zwetschgen, zurück bleibt ein Mus: das fertige Latwerge. Eine Zutat kommt aber noch dazu: handelsüblicher Haushaltszucker. Zum einen ist der für den Geschmack und die Farbgebung, noch viel wichtiger ist aber die konservierende Wirkung des Zuckers. Je nach Geschmack werden am Ende laut Schnur noch ein paar Gewürze dazugegeben: Zimt und Pflaumenmus-Gewürz.
Latwerge ist laut Schnur im Geschmack weitaus intensiver als normales Pflaumenmus. Die Gläser sind bei richtiger Lagerung – dunkel und kühl – mehrere Jahre haltbar. „Ich habe Latwerge im Keller, der ist zehn Jahre alt“, erzählt die Landfrau. Latwerge wird klassisch als Brotaufstrich verwendet. Aber auch zum Backen und für süße Desserts ist der Zwetschgen-Aufstrich gut geeignet. „Ich kenne ein Rezept, bei dem die Linzer Torte statt mit Johannisbeer-Marmelade mit Latwerge gemacht wird“, verrät Schnur.
Das Bottenbacher Latwerge ist laut den Landfrauen weit über die Grenzen des Dorfes hinaus bekannt. Am Herbstmarkt werden die Gläser verkauft. 300 Kilo Zwetschgen machen etwa 300 Gläser Latwerge, sagt Schnur.