Waldfischbach / Thaleischweiler
Reitvereine kommen dank engagierter Mitglieder durch die Krise
„Das war ein organisatorischer Kraftakt“, sagt RVH-Vorsitzende Evi Antes, wenn sie auf die vergangenen Pandemie-Monate zurückblickt. Gruppentraining und gemütliches Zusammensein im eigenen Reiterstübchen mussten entfallen. Um Kontakte und Begegnungen auf dem Gelände so gering wie möglich zu halten, habe man sich digitaler Hilfsmittel bedient, erzählt Antes: „Wir haben uns eine App besorgt, in die man sich eintragen kann, um einen Zeitplan für die Halle zu erstellen. So konnten sich alle bestmöglich aus dem Weg gehen.“
Antes ist froh, dass zumindest Einzelunterricht angeboten werden konnte. Nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen in den vergangenen Wochen habe man dieses vorerst beibehalten, mit Ausnahme der Kinder. „Mit unseren Kindern trainieren wir bereits wieder in kleinen Gruppen. Dabei achten wir darauf, dass diese möglichst den gleichen Kindergarten oder die gleiche Schulklasse besuchen“, so Antes. Wichtig sei zudem, die Pferde erst einmal wieder an Gruppen und die höhere Auslastung zu gewöhnen.
Das neue Schulpferd muss warten
Der finanzielle Schaden durch die Pandemie sei laut Evi Antes überschaubar. Dennoch mussten geplante Investitionen hintangestellt werden: „Geplant war, ein neues Schulpferd zu kaufen, doch das muss erst einmal warten. Wir wollten schon im vergangenen Jahr unser Dach erneuern lassen, das müssen wir nun dieses Jahr nachholen, da wir schlicht keine Handwerker bekommen haben.“ Aufgrund der Pandemie habe man sich beim RVH dazu entschieden, die monatlichen Mitgliedsbeiträge auf die Hälfte zu reduzieren. „Einige unserer rund 150 Mitglieder haben die zweite Hälfte trotzdem bezahlt und somit gespendet. Das hat uns natürlich sehr gefreut und ist eine große Hilfe für unseren kleinen Verein“, freut sich Antes und betont: „Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken. Ohne unsere fleißigen Helfer wären wir untergegangen.“
Für den Oktober plane der Verein einen Springlehrgang mit einem Trainer aus der Vorderpfalz. Zudem sollen die Halle und die Anlage für externe Lehrgänge vermietet werden, um Einnahmen zu generieren. Man müsse allerdings abwarten, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt.
Vereinsstruktur erleichtert es
„Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt Sabine Dauenhauer. Die Vorsitzende des Pfälzer-Pony-Reit- und Fahrvereins (PfPRFV) betont, dass ihr Verein es vergleichsweise leicht gehabt habe. Das liege an der Struktur des Vereins, sagt sie: „Bei uns gibt es keinen regulären Reitbetrieb. Jeder bringt sein eigenes Pferd mit.“ Diese Vereinsstruktur sei auch dafür verantwortlich, dass man trotz der Pandemie neue Mitglieder gewinnen konnte. Dazu Dauenhauer: „Die Nutzung unserer Anlage ist recht günstig und unsere Mitglieder können theoretisch zu jeder Tages- und Nachtzeit herkommen. Das ist natürlich sehr reizvoll.“ Über 150 Mitglieder zähle der Verein aktuell.
Während des ersten Lockdowns im Herbst 2020 entschied sich Dauenhauer dazu, die Anlage vorerst komplett zu schließen. „Als Verein trägt man da auch immer eine gewisse Verantwortung. Wir wollten nicht riskieren, dass sich unsere Mitglieder hier infizieren“, erzählt sie. Beim zweiten Lockdown im Herbst entschied man sich für eine reglementierte Nutzung: „Wir haben streng darauf geachtet, dass immer maximal zwei Reiter gleichzeitig in der Halle sind und die Kontaktnachverfolgung möglich ist. Dazu musste sich jeder, der die Halle benutzen wollte, in unsere WhatsApp-Gruppe eintragen.“ Das sei zwar teilweise anstrengend und aufwendig gewesen, doch das wichtigste sei, dass jedes Pferd so gut möglich bewegt werden konnte.
Auch Turniere mussten ausfallen
Unter normalen Umständen hätte im Juni das jährliche Turnier des PfPRFV stattgefunden, doch wie bereits im Vorjahr war die Durchführung nicht möglich. „Ohne Planungssicherheit und genügend Vorlaufzeit ist so ein Turnier nicht umsetzbar“, erklärt Dauenhauer. Bei solchen Turnieren lebe der Verein hauptsächlich von den Einnahmen aus Essens- und Getränkeverkäufen, dafür benötige man immer ausreichend Helfer, was bisher aber kein Problem gewesen sei: „Unsere Mitglieder engagieren sich wirklich sehr und sind sofort zur Stelle, wenn man nach ihnen ruft.“ Nun hofft Dauenhauer auf das kommende Jahr: „Vielleicht kehren wir dann noch ein bisschen mehr zur Normalität zurück.“
Die Serie
Die Corona-Pandemie hat im vergangenen Jahr das Vereinsleben weitgehend stillgelegt. Wie kamen die Vereine aus der Südwestpfalz bisher durch die Krise? Wir haben über den Sommer in loser Folge Beispiele vorgestellt. Mit den beiden Reitvereinen endet unsere Serie.