WALDFISCHBACH-BURGALBEN Rathaussturm: Emily I. und Karnevalverein Waldfischbach übernehmen die Macht
Trotz ungemütlichen Wetters machte sich eine große Narrenschar – unter anderem mit Unterstützung aus Pirmasens – auf den Weg Richtung Rathaus. Prinzessin Emily I. hatte ordentlich aufrüsten lassen, um Ortsbürgermeister Michael Oestreicher, der sich mit Getreuen in seinem Amtszimmer verschanzt hatte, zur Herausgabe des Schlüssels und zur Machtübergabe zu bewegen. Sogar mit Pauken und Trompeten wurde zum Angriff geblasen. Die Phoenixkrechzer aus Ramstein machten mit ihrer Guggemusik Lust auf Straßenkarneval. Emily I. und KVW-Präsident Kai Schiweck ließen zunächst die Jüngsten aus dem Verein an die Rathaustür klopfen – doch dem Charme der KVW-Jugend widerstand der Ortsbürgermeister.
Die Narren setzten auch auf Böller, Raketen und Rauchgranaten, die angesichts der Nässe allerdings mit unüberhörbaren Zündproblemen zu kämpfen hatten, wie Schiweck schmunzelnd feststellte. Schließlich wurde Emily I. an die Rathaustür beordert, um Einlass zu erlangen. „Esche mach uff!“, forderten die Narren lautstark die Schlüssel- und damit die Machtübergabe. Der Ortschef ergab sich schließlich: „Auch in diesem Jahr habt ihr wieder gewonnen.“ Emily I. übernahm Schlüssel, Gemeindekasse und Macht – verbunden mit der Forderung des Ortsbürgermeisters, die Kasse an Aschermittwoch zurückzugeben. „Mit reichlich Kohle drin, das wäre noch zu sagen“, ergänzte Oestreicher.
Klarer Auftrag für den Ortschef
Der Prinzessin stehen arbeitsreiche Wochen bevor – mit Start am Samstag, 11. Januar, 19.11 Uhr, für den der KVW ins Bürgerhaus zur Prunksitzung einlädt. Zur Strafe, weil er eine fast leere Kasse überlassen habe, müsse der Ortsbürgermeister dort arbeiten, proklamierte Emily I. Unter anderem müsse er etwas zum Programm des Abends beitragen.
Für ihre Untertanen hatte die Prinzessin für die Wochen ihrer Regentschaft noch einige Spezialaufgaben: Vom Getränkeausschank über die Versorgung mit Lyoner und Maggi – die Prinzessin wohnt, wenn sie bürgerlich unterwegs ist, in Homburg – bis zu immer lächelnden Gesichtern um sie herum reichten ihre Forderungen. „Wer muffig schaut, der darf marschieren, der darf draußen seinen Frust verlieren“, kündigte sie an.
Das ist das Thema des politischen Ordens
Viel gelacht wird wohl am 21. Februar, wenn im Bürgerhaus die Frauensitzung stattfindet. Der Nachwuchs darf sich zwei Tage später auf den Kindermaskenball an gleicher Stelle freuen. Die Jüngsten können – da noch nicht wahlberechtigt – unbeschwert feiern. Die erwachsenen Narren sind an diesem Tag bei Bundestags- und Landratswahlen gefordert.
Dass bis zum Aschermittwoch die Narren die Macht übernehmen, ist politische Tradition. Beim KV Waldfischbach ist es seit Jahrzehnten zudem Tradition, einen politischen Orden zu präsentieren. Durchaus eine Herausforderung in den mittlerweile schnelllebigen politischen Zeiten, bekannte Präsident Schiweck. Denn die Ordensproduktion bedarf eines gewissen zeitlichen Vorlaufs, und manche politische Entwicklung ist schnell überholt. Deshalb entschied man sich, eine besondere ortspolitische Entwicklung des vergangenen Jahres zum Thema zu machen: die Wiederwahl Oestreichers mit großer Mehrheit, der einige Wochen später der Austritt aus der BWB folgte. „Er ist Bürgermeister, beliebt und bekannt, auch ohne Fraktion führt er nun das Amt“, heißt es auf dem KVW-Orden 2025.