Kreis Südwestpfalz Petersberger Pilotanlage ist tot

Im Vordergrund sind die vier Reinigungsstraßen der Nano-Keramik-Membran-Anlage zu sehen. 2014 in Dienst gestellt, ist diese Pilo
Im Vordergrund sind die vier Reinigungsstraßen der Nano-Keramik-Membran-Anlage zu sehen. 2014 in Dienst gestellt, ist diese Pilotanlage nun endgültig abgestellt. Bis das Petersberger Abwasser in Rodalben geklärt werden kann, übernimmt eine im Schlammturm eingebaute sogenannte SBR-Anlage (im Hintergrund) die Reinigung.

„Wenn die Anlage stirbt, dann stirbt sie mit den besten Werten“, hatte der Werkleiter der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben, Joachim Becker, im Sommer 2016 mit Blick auf die Nano-Keramik-Membran-Kläranlage in Petersberg festgestellt. Jetzt ist die Pilotanlage tot und endgültig außer Betrieb genommen worden.

Hauptproblem: Nachdem die Reinigungsstraße 4 schon komplett außer Betrieb war, sind nun auch in Reinigungsstraße 1 etliche Platten verbacken und gebrochen. „Damit kann der Reinigungsprozess nicht mehr starten“, erläutert Becker. „Dass die Straße 4 nicht mehr gearbeitet hat, konnten wir mechanisch noch auffangen“, erläutert er. Aber ohne Startprozess in der 1 sei eine Reinigung des Abwassers nun nicht mehr möglich. Das Sommerwetter mit trockenen Phasen und plötzlich auftretenden heftigen Regenfällen hat der 2014 eingeweihten, drei Millionen Euro teuren Anlage den Rest gegeben. Die Membrane sind dadurch schneller „verblockt“, wie es Henning Knerr nannte, der die Anlage im Auftrag der Technischen Universität Kaiserslautern untersucht hatte. Beim Verblocken setzen sich die Membrane mit einem Kuchen aus herausgefilterten Partikeln zu. Das hatte zur Folge, dass das Abwasser mit immer höherem Druck durch die Membrane gedrückt werden musste, was wiederum den Energieverbrauch nach oben trieb. Die gravierende Folge war, dass immer weniger Wasser durchkam, weil die Membrane trotz Spülvorgängen binnen Wochen an Leistungsfähigkeit verloren. Dieser Prozess beschleunigte sich, wenn nach Trockenphasen plötzlich sehr große Wassermassen zu reinigen waren. Was auch den Experten der Uni erstaunt hatte, weil davon ausgegangen worden war, dass das durch Regenwasser verdünnte Abwasser besser durch die Membrane kommt. Eine Ursache für die Probleme hatte Knerr in der fehlerhaften Steuerung der Anlage ausgemacht. Mit der Herstellerfirma, der ITN AG aus Saarbrücken, befindet sich die Verbandsgemeinde (VG) in einem Rechtsstreit. Die VG möchte geklärt haben, wer für die Schäden finanziell aufzukommen hat, und sieht ITN in der Pflicht. Noch wird auf das angekündigte Gutachten gewartet, dass das Gericht in Saarbrücken in Auftrag gegeben hat. Mitte Juli waren die neuerlichen, letztlich so gravierenden Schäden an der Anlage aufgetreten, bestätigt Becker. In Zusammenarbeit mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) als Aufsichtsbehörde, die sofort eingeschaltet worden war, wurde geprüft, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um das Petersberger Abwasser zu reinigen. „Zum Glück müssen wir das Abwasser nicht mit LKW wegfahren“, sagt Becker. Das wäre wohl so teuer geworden, „dass wir uns einen eigenen LKW hätten kaufen müssen“, skizziert er den schlimmsten Fall, der durchaus anzunehmen war – verbunden mit der Frage, wohin das Abwasser hätte transportiert werden können. An normalen Tagen kommen in der Petersberger Kläranlage drei Liter Schmutzwasser pro Sekunde an. Das addiere sich auf mehr als zehn Kubikmeter Abwasser pro Stunde, erläutert Becker. Diese Menge hätte mindestens alle zwei Stunden eine LKW-Fahrt erfordert. Das bleibt der VG erspart. Grund ist die sogenannte SBR-Anlage (sequenzieller biologischer Reaktor), die Ende 2016 für 90 000 Euro im Schlammturm der Kläranlage installiert wurde. „Zum Glück hat uns die SGD damals auf diese Möglichkeit hingewiesen und uns verpflichtet, die Anlage zu bauen“, ist Becker froh über die gute Zusammenarbeit mit der Aufsichtsbehörde. Ursprünglich sollte die SBR-Anlage die Nano-Keramik-Anlage entlasten. Über beide Anlagen sollte jeweils die Hälfte des Abwassers gereinigt werden, bis die Leitung zur Rodalber Kläranlage gebaut ist. Das Petersberger Abwasser soll voraussichtlich ab 2019 dort gereinigt werden. „Es war unsere Hoffnung, dass die Nano-Keramik-Anlage bei dieser geringeren Belastung bis dahin hält“, sagt Becker. Die Hoffnung trog. Nach dem Ausfall der Nano-Keramik-Anlage wurde in Zusammenarbeit mit der SGD nun genau gemessen und festgestellt: Die SBR-Anlage hat nicht nur die Kapazität, um das gesamte Petersberger Abwasser zu reinigen – die Anlage kann bis zu zwölf Liter Schmutzwasser pro Sekunde bearbeiten –, sondern erzielt auch bei stärkerer Belastung Reinigungswerte, die, teils sogar deutlich, unter den zulässigen Grenzwerten liegen. „Dass die Werte so gut sind, ist wichtig. Die Kapazität der Anlage ermöglicht es uns, auch nach größeren Regenereignissen das Schmutzwasser, das sich im 500 Kubikmeter fassenden Regenrückhaltebecken sammelt, sukzessive abzuarbeiten“, erläutert Becker. Weil Volumen und Werte passen, hat die SGD Mitte vergangener Woche endgültig grünes Licht gegeben, das Petersberger Abwasser über die SBR-Anlage zu reinigen. „Es ist aber nur eine Übergangslösung“, unterstreicht Becker. Die dauerhafte Lösung soll der Transport des Abwassers nach Rodalben werden.

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