Kreis Südwestpfalz Parkbräu ist in den USA schwer zu kriegen

Mary und Kevin Earnest am 17. Dezember 1982 auf einer Weihnachtsfeier im Café Kuhn in Ixheim.
Mary und Kevin Earnest am 17. Dezember 1982 auf einer Weihnachtsfeier im Café Kuhn in Ixheim.

Die Erbsensuppe der Bundeswehr. Auch wenn es schon gut drei Jahrzehnte her ist, erinnern sich Mary und Kevin Earnest noch gern an die Zeit um Weihnachten in Zweibrücken und insbesondere den Weihnachtsmarkt. Und damals gehörte das deftige Gericht zu dem Fest dazu wie Christbäume zu Weihnachten. Die beiden US-Amerikaner lebten in den 80er Jahren unter anderem in Dellfeld, wo sie sich nicht nur deutsche Weihnachtstraditionen abschauten, sondern auch Freundschaften schlossen. Im Sommer kommen sie auf Besuch und freuen sich auf ein Wiedersehen mit der Familie Buchmann.

Eines vorweg. Bei Mary und Kevin Earnest kommt immer noch der Weihnachtsmann, und der bringt die Geschenke auch erst am Weihnachtstag. Diese beiden fundamentalen Unterschiede des Weihnachtsfestes – in Deutschland bringt ja das Christkind die Geschenke, und das meist gegen 18 Uhr am Heiligen Abend – haben die beiden nicht aufgeweicht. Obwohl. „Manchmal haben wir ein Geschenk schon am Heiligen Abend aufgemacht“, verrät die 61-Jährige augenzwinkernd. Dennoch hat die Zeit in Deutschland einen starken Einfluss auf die Weihnachtsbräuche der beiden. Glühwein machen, Weihnachtsmärkte besuchen und den Nikolaustag feiern – alles Bräuche, die die beiden zunächst kennen und schätzen gelernt haben, bevor sie sie in die USA exportierten. Um dem Weihnachtsfest in den USA einen deutschen Anstrich zu geben, hat sich ein Aldi – die gibt es auch in den USA – als wertvoller Faktor erwiesen, berichtet Mary. Dort gebe es Stollen, ordentliche Plätzchen, Lebkuchen und deutsche Schokolade. „Damit konnte ich auch meinen Schreibtisch auf der Arbeit schön dekorieren“, erzählt sie. Mary arbeitet in den Staaten als stellvertretende Leiterin einer Grundschule in Pennsylvania, ihr Mann Kevin ist in der Verwaltung einer größeren Firma tätig. Anfang der 80er Jahre kamen beide nach Zweibrücken, Kevin arbeitet auf der Air Base im Hauptquartier, Mary als Lehrerin. Die beiden lernten sich in Deutschland kennen und lieben und zogen 1983 nach Dellfeld, heirateten ein Jahr darauf und blieben bis 1987 in der Region. Anschließend zogen die beiden einige Jahre in die Nähe von Wiesbaden, bevor sie nach knapp zehn Jahren in Deutschland – nun mit zwei Kindern – wieder zurück in die Heimat gingen. Wenn Mary von ihrer Zeit in Deutschland erzählt, ist es auch für den Zuhörer eine kleine Zeitreise. Sie erinnert sich an den Weihnachtsmarkt, der nun wieder rund um die Alexanderkirche stattfindet, an Schnitzel im Café Kuhn in Ixheim, aber auch an „lazy afternoons“ – faule Nachmittage – im City Pub, eine Kneipe in der Fußgängerzone, die es auch schon Jahre nicht mehr gibt. Nach einigen Jahren in Zweibrücken zogen die beiden nach Dellfeld, wo sie Ernst Buchmann und seine Familie kennen lernten. Die beiden Familien freundeten sich an und sorgten für einen kulturellen Austausch: „Damals habe ich zum ersten Mal erlebt, wie Halloween und Thanksgiving, das amerikanische Erntedankfest, gefeiert werden“, berichtet Buchmann. Die beiden Familien hatten damals viel Kontakt, auch durch die Kinder. Buchmanns Tochter Tina verbrachte nach dem Abitur auch ein Jahr als Au-pair in den USA: „Das geht auf Mary zurück, denke ich. Die hat ihr das damals schmackhaft gemacht.“ Mit Auswirkungen bis heute: Tina Buchmann arbeitet als Übersetzerin für Englisch und Spanisch. Der Kontakt der beiden Familien riss nie ab, und im kommenden Sommer soll es ein Wiedersehen geben. Mary und Kevin planen eine Deutschlandreise, selbstverständlich mit Stationen in Dellfeld und Zweibrücken. An ihre Zeit in Deutschland haben die beiden US-Amerikaner sehr gute Erinnerungen. Seit einigen Jahren etwa gibt es auch Ehemaligen-Treffen in den USA, bei denen sich Menschen treffen, die sich in Zweibrücken kennen gelernt haben. „Das machen wir erst seit ein paar Jahren“, erzählt Mary. Außerdem feiern die beiden Fasching, besuchen Oktoberfeste und dekorieren auch traditionelle Ostersträuße mit Ostereiern. Die beiden sind auch Mitglied in einem deutschen Verein, „The Lancaster Liederkranz“, der auch Oktoberfeste organisiert. Da fließe auch deutsches Bier, aber sehr zum Bedauern der beiden kein Parkbräu. Das sei in den USA schwer zu kriegen. Behelfsmäßig würden dann immer andere deutsche Biere gereicht, es sei aber nicht dasselbe, sagen Kevin und Mary. „Das wäre vielleicht ein Geschäftsmodell, Park in den USA zu vertreiben“, sinniert Mary. Und dazu dann ein ordentliches Schwenksteak, eines der Dinge, die insbesondere Kevin vermisst. „Schweinenackensteaks gibt es in der Art nicht bei uns in den USA“, sagt der 59-Jährige. Da trifft es sich gut, dass die beiden planen, beim Stadtfest 2018 in der Stadt zu sein. Parkbräu und Schwenkbraten – da lässt sich auf dem Stadtfest sicherlich was machen. Aber nicht nur das: Eingeplant sind natürlich Besuche an alten Orten wie Marys erster Wohnung in Mittelbach, aber auch in Dellfeld. Nicht fehlen dürfen Rosengarten, Fußgängerzone und Fasanerie. Wo es sonst noch in Deutschland hingehen soll, steht noch nicht fest. „Wir haben neun Jahre in Deutschland gelebt und eigentlich recht viel gesehen“, findet Mary. Ernst Buchmann pflichtet bei. „Die beiden haben damals viel gesehen von Europa, eigentlich mehr als wir“, fügt er lachend hinzu. Paris könnte ein Ziel sein. Mit der Bahn sei man schnell dort, findet Buchmann. Vielleicht, ja vielleicht muss es aber gar nicht Paris sein. Sondern einfach das Wirtshaus um die Ecke, ein Bier, ein Schnitzel oder eine Erbsensuppe. Womöglich keine von der Bundeswehr, aber es gibt auch andere gute Küchen ...

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