Kreis Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Opfer sagt aus: „Sie hat mich ausgenommen wie eine Weihnachtsgans“

Eine ganze Betrugserie soll eine 39-Jährige verübt haben.
Eine ganze Betrugserie soll eine 39-Jährige verübt haben.

Eine 39-Jährige aus der Südwestpfalz steht vor dem Schöffengericht, weil sie mehrere Bekannte um deren Geld gebracht haben soll. Ihr werden Betrug und Nötigung vorgeworfen.

Ein mutmaßlich Geschädigter, ein 43-jähriger Mann aus der Südpfalz, berichtete vor Gericht von seinen Erfahrungen mit der Angeklagten. Er kenne die Frau aus gemeinsamen Berufsschultagen und sie sei die Cousine seiner Ex-Frau. Am 6. Januar habe sie ihm versprochen, ihm Geld zurückzugeben, das sie sich zuvor teils freiwillig, teils eigenmächtig von seinem Konto verschafft hatte – insgesamt etwa 8000 Euro.

Der Mann habe die Angeklagte mit dem Auto abgeholt, doch anstatt ihm das Geld zu geben, habe sie ihn auf einen Parkplatz in einem Nachbarort gelotst und erklärt, sie brauche 600 Euro. Als er dies ablehnte, sei plötzlich eine vermummte Person aus dem Gebüsch gekommen und habe sich hinten ins Auto gesetzt. Der Unbekannte habe ihn bedroht und gefordert, dass er der Frau das Geld geben solle.

Überfall statt Rückzahlung

Der 43-Jährige erklärte weiter, er habe kein Geld dabei gehabt und sie hätten daraufhin diskutiert. Schließlich habe er sein Auto, Handschuhfach und Kofferraum durchsucht, aber kein Geld gefunden. In dieser aussichtslosen Situation habe ihn der Vermummte beleidigt und ihm von hinten die Faust ins Gesicht geschlagen, was zu einem blauen Auge geführt habe. Die Angeklagte habe daraufhin eingegriffen und gesagt, dass dies nicht geplant gewesen sei.

Der Geschädigte habe schließlich zugestimmt, zu Hause seine Bankkarte zu holen, nachdem der Vermummte sein Handy durchsucht und beschädigt habe. Sie seien zu einem Geldautomaten gefahren, wo die Frau jedoch kein Geld abheben konnte, da auf dem Konto nichts mehr war. Er habe der Frau versprochen, ihr am nächsten Tag Geld zu bringen, und sie nach Hause gefahren. Dann habe er bei der Polizei Anzeige erstattet. Er habe Angst gehabt, dass sie ihm noch Schläger schicken würde.

Geld für Bekleidung fürs Kind gebraucht?

Die Angeklagte verteidigte sich vor Gericht und behauptete, sie habe Geld für Kleider für ihre Tochter gebraucht, die in die Psychiatrie sollte. Der 43-Jährige habe ihr Geld geben wollen, aber er habe verlangt, dass sie im Bikini in sein Auto einsteige. Aus Angst habe sie ihren Ex-Freund um Schutz gebeten. Sie bestritt, dass ihr Ex-Freund den Mann bedroht und geschlagen habe. Sie habe den Ex-Mann ihrer Cousine schon öfter um Geld gebeten und er habe ihr seine Karte und PIN gegeben. Das Geld habe er nie zurückgefordert, behauptete sie.

Der Frau werden auch mutmaßliche 15 Betrugsfälle zwischen November 2024 und März dieses Jahres vorgeworfen, die einem 63-jährigen Mann aus der Vorderpfalz einen Schaden von über 22.000 Euro verursacht haben sollen. Der ehemalige Polizeibeamte erzählte, die Angeklagte sei eine Schulkameradin seines verstorbenen Sohnes und habe nach dem Tod seiner Ehefrau immer wieder Geld von ihm gewollt. Es seien enorme Summen zusammengekommen, über die er auch Darlehensverträge abgeschlossen habe, aber sie habe nie zurückgezahlt.

Einmal habe sie ihn sexuell befriedigt, aber das habe nichts mit den Geldbeträgen zu tun, behauptete er. Die Frau habe ihm Geschichten erzählt, wozu sie das Geld brauche. „Sie hat mich ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Mein Konto ist leer“, klagte der Pensionär. Der Richter wies darauf hin, dass der Chat-Verlauf einen sexuellen Hintergrund nahelege, was der Zeuge jedoch bestritt. Es sei nicht um „Sex gegen Geld“ gegangen, aber: „Es war ein gewisser Kick dabei.“

Die Angeklagte äußerte sich zu diesen Vorwürfen nicht, auch nicht zu einer dritten Anklage. Im März 2024 soll sie einem weiteren Bekannten den Screenshot eines angeblichen Bußgeldverfahrens geschickt und ihn um 160 Euro gebeten haben, um nicht in Arrest zu kommen. Der Text soll jedoch von ihr selbst verfasst worden sein.

Die Verhandlung wird am Montag, 2. Oktober, fortgesetzt.

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