Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Obstbaumbesitzer wundern sich

Obstbäume im Vorgarten sind eine Zierde im Frühling und Herbst.
Obstbäume im Vorgarten sind eine Zierde im Frühling und Herbst.

Der Frühling hat die Landschaft verändert, und so langsam naht der Sommer. Es gibt aber etwas, was die Obstbauern wundert. Und etwas, was dem Förster Sorgen bereitet.

Die Freude über den Frühling wurde durch die einsetzende Trockenheit getrübt. Sorgen bereitet der schon umherfliegende Borkenkäfer, und der Fruchtbehang bei den Obstbäumen ist nicht so üppig, wie es die kräftig blühenden Kirschen-, Zwetschgen-, Pflaumen-, Mirabellen- und Birnbäume erwarten ließen. Dies sorgt für ein wenig Verstimmung. Dieses erste Zwischenergebnis hatte man so nicht erwartet. Michael Höh vom Obst- und Gartenbauverein Herschberg berichtet, dass es bei den Zwetschgen, Pflaumen, Birnen und Mirabellen noch ordentlich aussieht. Es gebe aber von Ort zu Ort Unterschiede, die sich nicht immer erklären ließen. Manchmal würden auch Bäume eine Pause einlegen. Es sei natürlich ein Problem, wenn man in einem Bereich Obstbäume hat, wo es keinen Imker mehr gibt, dann werden die Blüten weniger bestäubt.

Bei den Apfelbäumen bleibt abzuwarten, ob hier auch mit einem schlechteren Ertrag zu rechnen ist. Revierförster Hermann Gries aus Knopp-Labach hatte schon befürchtet, dass Regenschauer in der Blütenphase und zu kühle Vormittage negative Auswirkungen haben. Vor allem hat auch er den Bienen- und Hummelflug vermisst. Eine Umfrage des Imkerverbandes hat ergeben, dass viele Bienenvölker der Imker den Winter durch Krankheit nicht überlebt hätten. Jedes vierte Bienenvolk sei teilweise verloren gegangen, nachdem die Bienen schon durch den schlechten Honigsommer 2021 gebeutelt waren, so die Fachleute.

Flieder, Kastanienbäume und Rapsfelder

Hilde Kau und Hanna Laborenz aus Battweiler schwärmten Anfang Mai vom intensiven Duft und den kräftigen Farben des Flieders. Schon lange habe der Flieder nicht mehr so intensiv bordeauxrot geblüht, sodass der weiße Flieder dazwischen kaum mehr auffällt. Jeden Tag müsse man hinschauen, fand Hanna Laborenz. Selbst die Kastanienbäume blühten überall im Dorf, was eigentlich ungewöhnlich war für Anfang Mai. Auch die Rapsfelder leuchteten zwischen Wiesen und Getreidefeldern. Das Frühjahr sei seiner Zeit mehr als zwei Wochen voraus gewesen, fand Hilde Kau. Es habe eigentlich keinen Winter gegeben, und schon sei das Frühjahr dagewesen, obwohl es bis Anfang Mai nur wenige Sonnentage gab, findet die Hobbygärtnerin.

In ihrem Garten freute sich Kau schon an Ostern über die schönen Salatköpfe. Zwiebeln, Erbsen, Spinat, Radieschen und Gelbrüben spitzen schon aus dem Erdreich. Die Frühgrumbeere stehen bereits deutlich in Reihen. Deshalb fürchtete die Landfrau mit dem grünen Daumen die möglichen Nachtfröste der Eisheiligen und der Kalten Sophie um die Monatsmitte. Die jungen Triebe der Grumbeere würden nämlich keinen auch nur schwachen Frost vertragen, so wie auch die Nussbäume. Doch die gefürchteten Frostnächte kamen in diesem Jahr nicht, was der Wetterbericht schon angekündigt hatte.

Viele Sonnentage bringen Wassernot

Das bisher nicht so sonnige und warme Frühlingswetter habe die Natur deutlich weniger belastet, berichtet Förster Gries. „Die nun angekündigten zahlreichen Sonnentage mit Temperaturen weit über 20 Grad erfreuen zwar viele Bewohner, aber sie schaden der Pflanzenwelt und dem Wald“, sagt der erfahrene Forstbeamte. Er ist fast jeden Tag in der Natur unterwegs und beobachtet sehr genau, was sich für die Pflanzenwelt und bei den Lebewesen verändert. Bisher sei das Frühjahr viel besser für den Wald und die Feldflur gewesen als in den so trockenen Frühlings- und Sommermonaten 2019 und 2020, erklärt er. Vor allem habe der Boden noch Feuchtigkeit, was die so üppig entwickelte Natur jetzt unbedingt benötige. Ein solches weit entwickeltes Blattwerk würde die Bäume und das Buschwerk durstig machen, sodass der knappe Regenvorrat bald aufgebraucht sei. Noch immer seien die tieferen Wasserspeicher nicht ausreichend aufgefüllt. Darum müsse man zwischen den sonnigen Tagen über einige erfrischende Regenschauer besonders erfreut sein.

Der bordeauxrot blühende Flieder duftet intensiv.
Der bordeauxrot blühende Flieder duftet intensiv.
x