Kreis Südwestpfalz Nichts für Warmduscher

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DAHN/HINTERWEIDENTHAL. Am Sonntag um 7.30 Uhr sind die Ersten losgelaufen und jetzt, 12 Uhr, erklimmen sie, noch leichten Fußes den Spielplatz am Teufelstisch in Hinterweidenthal. Das ist in etwa die Hälfte der Strecke, die es zu bewältigen gilt. „Ach, ist das ein schöner Platz hier“, ist eine Teilnehmerin begeistert, während sie sich den Kontrollstempel an dieser zweiten Zwischenstation der Tour auf die Teilnehmerkarte drücken lässt. Der ist der Beweis dafür, dass man an dem Marathon teilgenommen hat. Zum Schluss kriegt man dafür eine Urkunde. Auf dem Platz bei Deutschlands Naturwunder Nummer sieben, dem Teufelstisch, herrscht fröhliche Stimmung. Kaffee, Tee, Kuchen und Würstchen wird rege zugesprochen. Oder man greift auf den mitgeschleppten Proviant im Rucksack zurück, falls man sich nicht aus den aufgebauten großen Kisten mit Äpfeln, Bananen, Knusperriegeln und Wasser versorgt. Von Müdigkeit keine Spur. Es herrscht, auch nach gut 20 Kilometern bergauf und bergab, immer noch eine Art Aufbruchstimmung. Während viele die Beine unter die Tische strecken, herrscht bei anderen Ungeduld. „Auf, weiter, wir haben keine Zeit, hier herumzustehen“, treibt ein sportlicher Typ in ebenso sportlicher Kleidung seine kleine Gruppe an, und die eilt auch sofort los in Richtung Dahn zur dritten und letzten Zwischenstation auf dem langen Weg nach Fischbach. Es gibt zwar eine ausführliche Wegbeschreibung und eine Karte dazu, doch die meisten folgen schlicht den knallgelben Schildchen mit der schwarzen Wildsau, die den Weg deutlich ausweisen. An der PWV-Hütte „Im Schneiderfeld“ bei Dahn erwarten die Mitarbeiter des Pfälzerwald-Vereins und des DRK die ersten Wanderer. Geschätzt benötigte Zeit für den Abschnitt Hinterweidenthal-Dahn: zwei Stunden. Und da sind sie schon, die Ersten, die Schnellsten lassen ihr Kärtchen stempeln, halten einen kurzen Plausch mit den Streckenposten Ute Weisbrod-Mohr und Arno Weiß und eilen leichtfüßig weiter der Wildsau nach. Der Himmel ist auch gegen 12.30 Uhr noch recht unfreundlich und auf dem großen Platz haben sich nur wenige Gäste zum Essen niedergelassen. Obwohl ein verlockender Duft über die Tische und Bänke im Freien streift. Es herrscht eben kein Ausflugswetter. Schwer zu unterscheiden ist, ob da ein Marathon-Teilnehmer den Weg entlangkommt oder ein Spaziergänger. Wer erwartet hatte, die Wanderer würden in festen Schuhen, Wadenstrümpfen und einem grünen Hütchen auf dem Kopf durch den Wald stapfen, liegt nämlich falsch. Wanderer von heute tragen Jogginghosen, kurze Hosen, Jeans, Sneaker, Windjacken, Fleecepullover, Schals um den Hals, Pudelmützen auf dem Haupt, T-Shirts, Sweatshirts, Outdoorbekleidung, Backbags; manche schwenken ihre Jutetaschen und andere ihre Nordic-Walking-Stöcke. Und das alles in Pink, Orange und Giftgrün bis hin zu Himmelblau, Dunkelblau, Quietschgelb und Schwarz. Kurzum: Die Wanderwelt von heute ist bunt, lustig und vollkommen unbefangen. Und offenbar gern die Natur genießend. Was treibt auf einen solch langen Wanderweg? Ruhm, Ehre, eine Urkunde? Mitnichten. Ein Teilnehmer aus Landau zögert keine Sekunde und antwortet: „Es macht einfach Spaß. Nur um den geht es mir.“ Er ist offenbar Profi, denn er trägt gut zusammengestellte Sportkleidung. „Ich nehme drei- oder viermal im Jahr an Wandermarathons teil, mache Biathlon, fahre viel Rad und bin gerne draußen.“ Er schnappt sich die Stöcke und eilt von dannen. Und ein junger Mann in Straßenkleidung aus der Nähe von Mannheim, der an einem Geländer locker und lässig Dehnübungen macht, als sei er gerade aufgestanden und nicht schon 33 Kilometer gelaufen, sagt: „Ich bin aus reinem Spaß dabei und laufe zum ersten Mal hier mit.“ Egal, wen man fragt – Spaß haben ist die treibende Kraft: Ein Teilnehmer ist die ersten die ersten 20 Kilometer sogar barfuß gelaufen, viele sind schon öfter dabei gewesen. Die jüngste Läuferin ist 13, der älteste Läufer über 70 Jahre alt. Manchen treibt aber neben dem Spaß auch der sportliche Ehrgeiz an. Wer bislang „nur“ die beiden gleichfalls im Programm enthaltenen Kurzwandermarathons über 20 Kilometer gelaufen ist, will es in diesem Jahr wissen und diesmal die Strecke auf der ganzen Distanz schaffen. Das gelingt nicht jedem. „Schon“ am Teufelstisch haben ein paar Wanderer aufgegeben und sind per Taxi an den Start zurückgekehrt. Erfahrungsgemäß, berichtet Ute Weißbrod-Mohr, sind es in Dahn „meist 15 bis 20 Teilnehmer“, die nicht mehr weiterlaufen können. Der letzte Streckenabschnitt ist der steilste, bevor es durch das Schlettenbach- und das Spießwoogtal geht: Es gilt den „Großen Eyberg“ mit einer Höhe von 513 Metern zu überwinden. Von den etwa 420 Teilnehmern, die sich für das große Marathon angemeldet hatten, sind 366 angetreten. Die meisten kommen aus der Pfalz, aber auch auch aus Freiburg, Darmstadt und Frankreich sind welche dabei. Kapazitätsmäßig ist der Marathon, so die Veranstaltern Biosphärenhaus und Haus der Nachhaltigkeit, allerdings an der Grenze angelangt. Es ist inzwischen 14 Uhr und besorgte Blicke wandern gen Himmel: Der ist inzwischen dunkel und stellenweise fast schwarz. Es ist kälter geworden. Kamen die fröhlichen Wanderer am ersten Kontrollpunkt noch in Gruppen und Grüppchen an, hat sich das Bild nun stark geändert. Von Aufbruchstimmung ist nichts mehr zu spüren. Die Helden werden müde. Um 15.15 Uhr wird die Zwischenstation geräumt. Wer es bis dahin nicht bis an die Dahner Hütte geschafft hat, wird es auch bis zum Abschluss um 17 Uhr in Fischbach nicht schaffen.

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