Thaleischweiler-Fröschen / Wallhalben RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Rathaus: In Neuplanung im Außenbereich viel Hirnschmalz geflossen

Auf der Baustelle am neuen Rathaus (rechts) in Thaleischweiler-Fröschen herrscht Hochbetrieb. Das bereits geräumte Haus (Mitte)
Auf der Baustelle am neuen Rathaus (rechts) in Thaleischweiler-Fröschen herrscht Hochbetrieb. Das bereits geräumte Haus (Mitte) wird demnächst abgerissen. Um die zum benachbarten Haus gehörende Garage (links hinten) zu schützen, ist ein aufwändiges Vorgehen notwendig.

Elf Millionen Euro wird das neue Rathaus der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben kosten. Das ist die aktuellste Kostenschätzung des Architekturbüros Werkgemeinschaft Landau. Wenn alles nach Plan läuft, wird das Verwaltungsgebäude bis Jahresende fertiggestellt sein. Im ersten Quartal 2024 sollen die Mitarbeiter ins neue Gebäude umziehen.

Der Plan für den Umzug ist skizziert, der Kostenrahmen neu gesteckt. Da während der Bauphase einiges Unvorhergesehenes passierte, hat das Architekturbüro in die geschätzte Bausumme einen finanziellen Puffer für weitere nicht vorhersehbare Ereignisse eingebaut und schließt weitere zeitliche Verzögerungen nicht endgültig aus.

Im Oktober 2021 war man für das neue Rathaus, für das ein Landeszuschuss von 3,050 Millionen Euro vorliegt, noch von Kosten von 8,3 Millionen Euro ausgegangen. Optimistisch hatte man gehofft im Frühjahr 2023 einziehen zu können. Wer Erfahrung mit großen Bauprojekten gesammelt hat, ahnte schon, dass weder Kosten- noch Zeitrahmen einzuhalten sein werden. Ein Grund für die Teuerung – neben notwendigen Umplanungen und Nachträgen aufgrund der vorgefundenen Gegebenheiten – die Baukostensteigerung. Um 35 Prozent haben die Preise im Schnitt in den vergangenen drei Jahren angezogen.

Hoffen auf Zuverlässigkeit der Baufirmen

An der Baustelle herrscht aktuell Hochbetrieb. Gewartet werde auf den Gipser. Was Sorgen bereitet, sei, dass es zunehmend vorkomme, dass Firmen, obwohl sie den Auftrag haben, gar nicht kommen oder Arbeiten beginnen und einfach aufhören. Das hofft niemand für die Rathausbaustelle.

Mittlerweile sind die Fenster eingebaut, an der Fassade wird gearbeitet. Im Innenbereich können die Bodenbelagsarbeiten (81.590 Euro), die Parkettarbeiten (62.880 Euro), die Fliesenarbeiten (63.000 Euro) und die Malerarbeiten (96.000 Euro) starten. Die Aufträge vergab der Rat am Mittwoch. 12.500 Euro kostet das Innengerüst, das für diese Arbeiten benötigt wird.

Gerüst weist Mängel auf

Einem Nachtrag über 27.400 Euro zum Außengerüst stimmte der Rat vorerst nicht zu. Die Berufsgenossenschaft hatte Nachbesserungen beim Gerüst gefordert. Zum Beispiel Treppentürme. Der Gerüstbauer habe wissen müssen, dass diese Treppentürme bei der Gerüsthöhe von Rechts wegen vorgeschrieben seien, sagte Ratsmitglied Andreas Weizel (FDP) und wenn die nicht mit ausgeschrieben gewesen seien, hätte er das monieren müssen. Diese Nachforderung wird rechtlich geprüft, die Ausschreibung gecheckt, sicherte der Beigeordnete Michael Schmitt (CDU) zu.

Im Innenausbau fehlen dann zum Beispiel noch Schreinerarbeiten und Innentüren oder die Endreinigung. Und der Außenbereich muss gestaltet werden. Da ist nach ersten Berechnungen aktuell von erheblichen Mehrkosten auszugehen, „weshalb wir uns das noch mal ganz genau anschauen und reden müssen“, sagte Architektin Carolin Seegmüller.

Abriss nebenan wird deutlich teurer

Der Außenbereich, vor allem die vorbereitenden Baumaßnahmen um diesen gestalten zu können, ließ am Mittwoch manches Ratsgemüt hochkochen. Die Abrissarbeiten am Haus links des neuen Verwaltungsgebäudes (Haus Nr. 58), wo Parkplätze entstehen werden, werden deutlich teurer als geplant. Bevor darüber entschieden wurde, wurde die Sitzung für Fraktionsberatungen für 15 Minuten unterbrochen.

En Detail wollte CDU-Fraktionssprecher Dietrich Bauer wissen, wie sich die Position, die Mehrkosten von über 200.000 Euro bringt, zusammensetzt. Ob das Büro nicht rechnen könne, wurde schon mal als Frage in den Raum gestellt.

Statiker-Vorgaben erhöhen den Aufwand

Entscheidend bei diesem Thema ist die Statik, verdeutlichten Seegmüller und Thomas Schatton von der Bauabteilung der Verbandsgemeinde. Der Statiker habe auf über 60 Seiten klare Vorgaben gemacht, weshalb die ursprünglich geplanten Baumaßnahmen, die günstiger gewesen wären, nicht umzusetzen waren. „Wir haben eine Menge Hirnschmalz hier reingesteckt. Das ist die optimale Lösung“, sagte Schatton zu den ausgeschriebenen Leistungen. Werde jetzt noch mal geprüft und nach anderen Lösungen gesucht, was im Rat diskutiert wurde, verursache das Mehraufwand, gab er zu bedenken. Es sei schwer vorstellbar, dass Lösungen gefunden würden, die kostengünstiger seien.

Den Abriss des ehemaligen Wohnhauses (Hauptstraße 58) im vorderen Bereich hatte der Rat bereits in einer vorherigen Sitzung vergeben. Nun ging es um den Abriss des hinteren Gebäudeteils, ehemals eine Scheune. Die Bodenuntersuchungen in diesem hinteren Bereich hätten gezeigt, dass der Boden deutlich schlechter ist, als erwartet. Zudem gilt es den dahinterliegenden Hang abzufangen. Deshalb wurde die Idee entwickelt in diesem Bereich ein Gebäude (120.000 Euro) zu bauen, das für Garagen genutzt werden kann. Über die Dachfläche lässt sich statisch viel ableiten. Das Gebäude dient, wie Stützmauern, die gebaut werden müssen, dazu, das Gelände zu sichern und den Hang abzufangen.

CDU und SPD stimmen „mit Bauchweh“ zu

Dass es zu dieser insgesamt 488.000 Euro teuren Lösung gekommen sei, sei der Statik geschuldet. Es wäre günstiger geworden, wenn Haus Nummer 60 in der Hauptstraße zu kaufen gewesen wäre. Das habe man versucht, das war nicht möglich, sagte Schatton. Deshalb müsse man von dieser Seite aus erst einmal eine Baugrube schaffen, um auf der Fläche von Haus Nummer 58 arbeiten zu können. Die Garage, die zu Haus Nummer 60 gehört, muss statisch gesichert werden. Mit enormen Unterzügen, die teuer sind. Ist gebaut, muss bei Haus Nummer 60 der Zustand wieder so hergestellt werden, wie er aktuell ist. Der wurde in einem Beweissicherungsverfahren festgehalten.

Mit Bauchweh, sagten Bauer und SPD-Sprecher Pascal Schuck für ihre Fraktionen stimme man der Vergabe zu. Bei der FWG gab es ein uneinheitliches Abstimmungsbild.

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