Rieschweiler-Mühlbach
Nach Operation mit Flugzeug abgeholt: Piper-Pilot Daniel Herz erzählt von seiner Abifeier
Daniel und Maike Herz haben die gut 300 Kilometer Luftlinie mit einem von Freunden geliehenen Ultraleicht-Flugzeug im Zebra-Design zurückgelegt. Ihr Zelt bauten sie neben der Start- und Landebahn auf. Daniel Herz hat sein Herz früh ans Fliegen verloren. Als junger Erwachsener wurde er mit einem privatem Ambulanzflug 1993 von Südfrankreich nach Hause geholt – allerdings nicht in einer Piper, sondern in einer Trinidad Tobago eines Zweibrücker Arztes.
Pennewitz am Nordrand des Thüringer Waldes ist der Heimatflughafen des fliegenden Zebras, mit dem die beiden die Pottschütthöhe ansteuerten. Das Paar wohnt in Arnstadt, wo der 51-jährige Kinderorthopädie als Arzt im Krankenhaus arbeitet und seine 52-jährige Frau Maike als Volljuristin bei der Verwaltung der Schlösser und Parks in Thüringen ihr Geld verdient. „Der Flieger gehört einem guten Freund von mir und ich habe den freundlicherweise fast immer zur Verfügung, wenn ich will“, erklärt Daniel Herz. Seine Frau ist als Copilotin dabei, darf aber selbst nicht ans Steuer, da sie keinen Pilotenschein hat.
Der Arzt kommt mit dem Flugzeug
Völlig ungeplant kam Daniel Herz als junger Mann von der Abi-Tour 1993 per Flugzeug nach Hause. Der Abitur-Jahrgang 1993 des Helmholtz-Gymnasiums war zuvor mit Autos in die Nähe von Bordeaux gefahren und campierte dort auf einem Campingplatz direkt neben Europas größter Düne, der Dune du Pilat im Becken von Arcachon. Eines Nachts mussten Klassenkameraden Daniel Herz mit einem sehr ernsthaften medizinischen Problem und starken Schmerzen in der Magengegend ins dortige Krankenhaus bringen, wo er recht zügig operiert wurde. Als sein Gesundheitszustand stabil und er wieder transportfähig war, landeten sein Vater und „Dr. Holl, das war der damalige Chefarzt der Gynäkologie“, wie sich Herz erinnert, auf einem nahegelegenen Flughafen. Der befreundete Arzt hatte laut Herz Zugriff auf ein Flugzeug, das in Luxemburg stand und flog mit Herz’ Vater Gerhard zuerst nach Bordeaux und dann zum kleinen Flugplatz nach Arcachon. Mit dem Patienten an Bord ging es zurück nach Zweibrücken. Daniel Herz’ Abifeier in Südfrankreich war beendet.
„Meine Initialzündung war eigentlich auf dem Flugplatz Bexbach. Denn dort ist der Uhren Wolf aus Zweibrücken, der früher in der Alten Ixheimer seinen Uhrenladen betrieb, und der Lupus genannt wurde, als begeisterter Segel- und Motorflieger gestartet und gelandet“, erinnert sich der Wahl-Thüringer an die Zeit, als er geschätzt zwölf oder 13 Jahre alt war. Wolf habe ihn einmal mitgenommen im Flieger. Herz war Feuer und Flamme. „Dann bin ich regelmäßig mit dem Fahrrad von Zweibrücken die rund 30 Kilometer nach Bexbach gefahren, um ab und zu mitgenommen zu werden. Jedes dritte Mal etwa hat es geklappt, und ich durfte kostenlos einen Tankflug nach Marpingen mitmachen. Bexbach hatte keine eigene Tankstelle, und das Schleppflugzeug musste ja betankt werden“, erinnert sich der heutige Pilot.
In die Piper Cub verliebt
„Damals habe ich mich entschieden, dass ich selbst irgendwann fliegen will. Am selben Tag, als ich nach dem Studium in Lorsch meinen ersten Arbeitsvertrag unterschrieben habe, habe ich mich in Worms an der Flugschule angemeldet“, erzählt er. Nach dem Ultraleicht-Schein nach 110 Stunden Theorie sowie dem internationalen Funksprechzeugnis auf Englisch und medizinischem Kurs sowie der Praxis am Steuerknüppel durfte Herz ab dem Jahr 2002 selbst fliegen. „Das war damals der finanzierbare Einstieg. Und das Zebra ist übrigens auch ein Ultraleicht-Flugzeug“, erklärt der Freizeitpilot.
In Essen durfte er nach dem Erwerb der Motorpilotenlizenz eine klassische Piper Cub fliegen. Er verliebte sich in diesen Flugzeugtyp. Zusammen mit seiner Ehefrau habe er in den vergangenen Jahren fast alle Piper-Treffen besucht. Diese finden jedes Jahr woanders statt. Über den Alpen ist Herz gerne unterwegs, Gebirgsfliegen ist sein Spezialgebiet, in dem er auch eine besondere Ausbildung hat.
Später Rückflug wegen eines Unfalls
Vom Pipertreffen auf der Pottschütthöhe musste zum Glück kein Ambulanzflug starten, aber Daniel und Maike Herz kamen später als geplant nach Hause. Denn durch die Bergung eines verunfallten Flugzeuges war die Startbahn etliche Stunden gesperrt und somit der Rückflug nach Thüringen erst später möglich.
Rund 100.000 Euro Schaden entstand laut Polizei bei dem Unfall auf der Pottschütthöhe am Samstag, als die Piper beim Start von einer Seitenwindböe erfasst wurde und sich überschlug. Entgegen der Aussagen mehrerer Piloten und Teilnehmer des Pipertreffens, nach denen die beiden Insassen unverletzt blieben, meldet die Polizei: „Sowohl der Pilot als auch der Copilot wurden nur leicht verletzt in Form von Prellungen.“ Nach Informationen der RHEINPFALZ begaben sich beide am Sonntagabend in ein Krankenhaus zur Abklärung.