Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Kahlschlag: Waldrand wird nicht aufgeforstet

Dieses Foto unseres Lesers Martin Zimmer zeigt den Kahlschlag.
Dieses Foto unseres Lesers Martin Zimmer zeigt den Kahlschlag.

Der Waldrand parallel zur Contwiger Bahnlinie gleicht einem Ödland. Jetzt ist klar: Aufgeforstet wird nichts.

34.000 Euro hat der Kahlschlag an der Bahnlinie und Hahnberghütte gekostet. Das verkündete Contwigs Förster Thomas Martinek in der jüngsten Ratssitzung. Veranlasst hat die Baumfällung die Bahn. Begründung: Die Bäume seien eine Gefahr. Contwigs Ortsbürgermeisterin Nadine Brinette bestätigte bereits Ende Januar auf RHEINPFALZ-Nachfrage, dass der Kahlschlag seit längerer Zeit geplant war. Hintergrund ist die Verkehrssicherung. Die Bäume hätten bei einem Sturm abknicken und auf die Gleise fallen können, was im schlimmsten Fall hätte zu Unfällen führen können. In den vergangenen Jahren sei es immer wieder vorgekommen, dass abgeknickte Bäume bei Unwetter und Sturm auf die Gleise gefallen sind. Wiederholt habe der Bahnverkehr darunter gelitten. Deshalb habe die Bahn die Reißleine gezogen und den Kahlschlag veranlasst.

Waldrand aufforsten lohnt sich finanziell nicht

Martinek stellte am Donnerstagabend die Idee vor, den Waldrand forstwirtschaftlich zu gestalten. Heißt: Ganz außen würden kleine Pflanzen, in der Mitte Sträucher und Hecken und direkt an den Wald angrenzend mittelhohe Bäume gepflanzt. „Um das dann zu erhalten, ist viel Pflege notwendig“, gab Martinek zu bedenken. Die Waldrandgestaltung könnte zwar in das sogenannte Ökokonto aufgenommen werden, Unternehmen könnten diese Fläche also „abkaufen“, wenn sie Ausgleichsflächen brauchen. Bis das aber wirklich passiert, könnten laut Rat noch einige Jahre ins Land ziehen. Und so lange muss die Gemeinde über den Forsthaushalt die Pflege bezahlen.

Volker May (SPD) sagte, dass die Waldrandgestaltung aus ökologischer Sicht zwar etwas Gutes ist, allerdings nicht wirtschaftlich. „Das kostet mehr, als es bringt.“ Der Rat stimmte einstimmig gegen die Waldrandgestaltung.

Minus im Wald nur auf dem ersten Blick schlimm

Apropos Wald: Im vergangenen Jahr hat das Forstamt 1200 Festmeter Holz eingeschlagen. Abzüglich aller Kosten, etwa für Einschlag, Wegeunterhaltung und Versicherungen, bleibt laut Förster Martinek am Ende ein Minus von rund 7700 Euro stehen. Das Minus wirke aber nur auf den ersten Blick richtig schlimm. So mancher Holzverkauf aus dem vergangenen Jahr werde erst im neuen Jahr aufs Konto gebucht, das Geld fließt also in den Forstwirtschaftsplan 2025 ein. Letztlich rechnet Martinek fürs vergangene Waldjahr mit einer schwarzen Null.

Für 2025 plant Contwigs Förster mit einem Einschlag von 1900 Festmetern Holz. Abzüglich aller Kosten soll am Ende ein Gewinn von rund 1200 Euro hängenbleiben. „Ich habe aber bewusst die Holzerlöse sehr gering und die Produktionskosten sehr hoch angesetzt“, erklärte Martinek. Am Ende könnte der Gewinn also höher ausfallen. Die Förderung vom Bund fürs klimaangepasste Waldmanagement gibt es nach derzeitigem Stand nur noch 2025 und 2026. Wie es danach weitergeht, weiß Martinek nicht. Um die Fördergelder zu bekommen − in Contwig sind das pro Jahr 28.000 Euro − mussten bestimmte Kriterien erfüllt werden. Unter anderem mussten sogenannte Biotopbäume definiert werden, die nicht gefällt werden dürfen. Diese Bäume sind zu erkennen an einer weißen Wellenlinie, die auf den Stamm gesprüht ist.

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