Interview
Nach Hundeangriff auf Alpakas: „Die Verantwortung liegt immer beim Halter“
Zwei Hunde reißen aus und hetzen Alpakas auf einer Weide. Nach dem Angriff stehen sowohl die kleine Herde als auch die Halter unter Schock. Christine Stephan, die in Fischbach die Hundeschule „Wasgauschnüffler“ betreibt, kennt das Verhalten von Hunden.
Frau Stephan, wie lange sind Sie schon mit der Erziehung und dem Training von Hunden professionell unterwegs?
Ich arbeite seit mehreren Jahren professionell mit Hunden und deren Haltern zusammen, habe eine Hundeschule und bin seit sechs Jahren geprüfte Trainerin. Mir ist dabei besonders wichtig, Hunde besser zu verstehen und gemeinsam mit den Menschen Lösungen zu finden, die im Alltag funktionieren.
Das bedeutet, Sie haben auch Erfahrung mit sogenannten Problemhunden?
Ja, auch Hunde mit besonderen Verhaltensauffälligkeiten gehören zu meinem Arbeitsalltag. Dabei geht es oft darum, die Ursachen zu erkennen und Wege zu finden, wie Hund und Halter sicher und entspannt zusammenleben können.
Wie schätzen Sie das Verhalten der beiden entlaufenen Hunde ein, die die Alpakas angegriffen haben?
Zunächst einmal ist es tragisch, dass so etwas passiert ist – für die Tierhalter ist das ein sehr schmerzlicher Verlust. Aus hündischer Sicht handelt es sich dabei um Beuteverhalten, das genetisch tief verankert ist. Gerade bei Hunden mit hohem Bewegungs- und Triebpotenzial kann dieses Verhalten ausgelöst werden, wenn Fluchttiere in Panik reagieren.
Das bedeutet, das ist für Hunde ein normales Verhalten?
Ja, es ist ein normales, aber natürlich unerwünschtes Verhalten. Auch Haushunde können, wenn die Gelegenheit da ist, Weidetiere hetzen. Das macht das Ereignis nicht weniger dramatisch, erklärt aber, dass es kein „böser Wille“ der Hunde war.
Hat es etwas zu bedeuten, dass die Hunde zu zweit unterwegs waren?
Ja, Hunde können sich gegenseitig hochschaukeln. In der Gruppe steigert sich Jagdverhalten häufig. Gleichzeitig fehlte den beiden die gewohnte Struktur und Begrenzung – das verstärkt den Instinkt.
Das bedeutet, die beiden Hunde sind nicht als besonders aggressiv oder gar gefährlich einzustufen?
Das Verhalten zeigt keinen „aggressiven“ oder gar bösartigen Hund, sondern ein instinktives Muster. Dennoch ist es absolut nicht akzeptabel. Deshalb ist ein sicheres Management – also Zaun, Aufsicht, Leine – so entscheidend. Die Verantwortung liegt immer beim Halter.
Viele Hundehalter lassen ja ihre Hunde beim Gassigehen auch gerne ohne Leine laufen. Ist das eigentlich erlaubt?
Das hängt von den örtlichen Regelungen ab. In vielen Gemeinden gibt es Anleinpflicht, in Wäldern etwa während der Brut- und Setzzeit. Unabhängig von der Gesetzeslage gilt aber: Hunde sollten nur dort frei laufen, wo sie zuverlässig abrufbar sind und weder andere Menschen noch Tiere gefährden. Rücksicht und Verantwortungsbewusstsein sind hier das Wichtigste.