Kreis Südwestpfalz Nach 120 Jahren kommt die Säge

Nachdem im Oktober die Luitpoldlinde an der protestantischen Kirche in Contwig gefällt wurde, soll das neue Presbyterium überlegen, ob dort ein neuer Baum gepflanzt werden soll. Die Linde war als Naturdenkmal ausgewiesen, aber sie war laut Kreisverwaltung so krank, dass sie gefällt werden musste.
Silke Gundacker, protestantische Pfarrerin in Contwig, hat einen ganzen Aktenordner mit Schriftverkehr zu dem Thema zusammengetragen, und sie fasst die Sache so zusammen: „Die Linde wurde aus Verkehrssicherheitsgründen gefällt, weil sie so nahe an der Hauptstraße stand. Bereits im Frühjahr hatten sich Nachbarn beschwert. Nachdem sich zwei Anwohner jetzt aber massiv beschwert hatten und mit dem Anwalt gedroht hatten, ging es ganz schnell. Die Linde stand zwar auf dem Gelände der Kirchengemeinde, aber die Kreisverwaltung war zuständig. Ein Gutachter der Kreisverwaltung war mehrmals da. Es wurde festgestellt, dass der Baum mit einem Pilz befallen war. Äußerlich hat man es ihm nicht angesehen, er war so schön gewachsen.“ Die Firma, die den Baum gefällt hat, habe zuvor auch noch mal ein Gutachten erstellt und sei zum gleichen Ergebnis wie die Kreisverwaltung gekommen. Silke Gundacker bedauert, dass die Linde gefällt werden musste. „Ich bin froh über den alten Baumbestand um die Kirche. Die Fällung konnte nicht verhindert werden, der Baum stand zu nah an der Straße. Wenn Menschen Schaden genommen hätten, wäre das schlimmer“, findet sie. Auf dem Gelände an der Kirche erinnert ein Gedenkstein an Prinzregent Luitpold. Silke Gundacker sagt, dass das neue Presbyterium darüber nachdenken soll, einen neuen Baum zu pflanzen. Ulla Eder, Pressesprecherin der Kreisverwaltung, bestätigt, dass es sich bei dem gefällten Baum um eine Winterlinde gehandelt hat, die als Naturdenkmal ausgewiesen war: „Die Linde war vom Brandkrustenpilz befallen. Dies hat ein Sachverständiger für Baumstatik bei einem Gutachten festgehalten und die Fällung vorgeschlagen.“ Nachdem bereits Äste auf die Hauptstraße gefallen waren, gab die Untere Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung die Zustimmung zu Fällung. Aus Gründen des Fledermausschutzes musste die Linde vor Mitte Oktober gefällt werden. „Nachdem Gefahr in Verzug bestand, war es nicht mehr möglich, die Rechtsverordnung, mit der der Baum unter Naturschutz gestellt worden war, aufzuheben. Die notwendige Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde war eingeholt worden“, fügt Ulla Eder hinzu. RHEINPFALZ-Leser Patrick Jung aus Dellfeld hätte sich gewünscht, dass wenigstens zwei Meter von der Linde stehen geblieben wären und eine Scheibe des Baumes zur Bestimmung des Alters entnommen worden wäre. Kurz vorm Jahreswechsel schrieb er: „Als ich wieder mal im Hellen durch Contwig gefahren bin, habe ich gemerkt, dass was fehlt. Ein seltsamer Vorgang, denn der Baum an der protestantischen Kirche war wie vom Erdboden verschluckt. Die Linde wurde mit der Kettensäge knapp über dem Erdboden gefällt. Jetzt ist nicht mehr ersichtlich, dass es sich bei dem Stumpf um einen Baum mit kulturhistorischem Wert gehandelt hat.“ Der ursprüngliche Sinn des Luitpolddenkmals an der Kirche sei jetzt nicht mehr nachvollziehbar, weil das Denkmal mit dem Baum eine Einheit bildete. Warum der Baum Luitpoldlinde hieß, erklärt Patrick Jung so: „Die Linde wurde 1891 anlässlich des 70. Geburtstages von Prinzregent Luitpold von Bayern gepflanzt, der 1886 bis 1912 stellvertretend für Ludwig II und Otto I. das Königreich Bayern regierte. Anlässlich der Baumpflanzung stellte der Contwiger Kriegerverein das zugehörige Denkmal auf, dessen Inschrift auf die Pflanzung der Linde hinweist.“