Waldfischbach-Burgalben
Mit Gemeindewald gut durch Krisenjahr gekommen
„Das ist noch nicht mal ein blaues Auge“, stellt Revierleiter Christoph Wagner mit Blick auf die Forstfinanzen der Gemeinde in den Jahren 2020 und 2021 fest. Schwarze Zahlen werden dort geschrieben, also Gewinne ausgewiesen. In seinem gesamten Revier, zu dem neben Waldfischbach-Burgalben die Wälder der Nachbargemeinden Schmalenberg, Geiselberg, Steinalben sowie der Hembachwald gehören, „sieht es teils deutlich schlechter aus“, resümierte Wagner. Das ist unter anderem dem Borkenkäfer geschuldet, der Arbeitspläne und Holzpreise beeinflusst.
Im gesamten Revier wurden in diesem Jahr 5750 Meter Holz eingeschlagen, weil es vom Borkenkäfer befallen war. Darin enthalten ist Käferholz von Privatwaldbesitzern, das mit aufgearbeitet wurde. 2019 waren es 7000 Festmeter gewesen, ein Jahr zuvor 5000 Festmeter. „Wie sich das im kommenden Sommer entwickelt, müssen wir abwarten“, sagte Wagner bei der Vorstellung des Forstetats im Rat.
Preise für Fichte und Kiefer tief gefallen
Im Gemeindewald Waldfischbach-Burgalben fielen in diesem Jahr 1000 Festmeter Käferholz an, laut Wagner 28 Prozent des Gesamteinschlags. Was das die Gemeinde kostet – abgesehen davon, dass Bäume entnommen werden müssen, die ohne Käferbefall noch Jahre im Wald gestanden hätten – lasse sich monetär gut aufzeigen. Bedingt durch den bundesweit starken Anfall an Käferholz „sind die Preise für Fichte und Kiefer im Prinzip im freien Fall gewesen“, sagte Wagner. 2017 sei Fichtenholz zum Sägen noch für 90 Euro pro Festmeter verkauft worden. Im ersten Quartal diesen Jahres für 45 Euro und mittlerweile für 30 Euro. Der Verlust summiere sich also auf einige tausend Euro.
Nachfrage nach Kiefer sinkt
Zu den weniger erfreulichen Nachrichten für die Gemeinde als Waldbesitzer gehört auch das Thema Kiefernholz. Bis Ende des Jahres läuft noch ein Vertrag mit dem Sägewerker Rettenmeier, über den Kiefer abgenommen wird. Dann ist erst mal Schluss mit Kieferholzverkauf. „Still ruht der See“, sagte Wagner zur Null-Nachfrage. Die hänge stark mit dem hohen Aufkommen an Käferfichtenholz zusammen. Beide Holzarten werden für ähnliche Produkte – zum Beispiel Paletten – genutzt. Wenn so viel billiges Fichtenholz im Markt sei, bedingt durch den Käferbefall, sinke zwangsläufig die Nachfrage nach Kiefer, erläuterte Wagner.
Aber: Käferbefallenes Fichtenholz ist gefragt
Aber es seien Lichtblicke am Horizont erkennbar. Positiv sei zum Beispiel, dass die käferbefallenen Schadhölzer im Markt gefragt seien. „Wir haben kein Waldlager, das Holz geht weg“, erläuterte er. Die Nachfrage nach Fichtenholz sei hoch. Sei das Käferholz wie gut und zügig aufgearbeitet, was der Fall sei, sei auch wieder mit erst einmal steigenden Preisen zu rechnen. Da das Angebot die Nachfrage erst mal nicht mehr decken könne. Wie es sich im Sommer entwickele, „das bleibt abzuwarten“, sagte er.
Die Preise für Buche und Eiche seien in Ordnung gewesen, bei der Douglasie, die nur ein kleines Sortiment im Gemeindewald stellt, ziehen sie sogar leicht an.
Unterm Strich ein Gewinn
Unterm Strich erwartet Wagner für das Forstwirtschaftsjahr 2020 in Waldfischbach-Burgalben einen Gewinn von 27.000 Euro. Dazu trägt bei, dass ausgelöst durch den Käferholzanfall, etwas mehr Holz eingeschlagen wurde als geplant: 3600 Festmeter. Darunter war auch Eichenholz. Einige über 300 Jahre alten Eichenstämme, die als Furniereiche gefragt sind, hat Wagner auf das Wertholzlager bringen lassen. Hier rechnet er mit Erlösen von 500 bis 600 Euro pro Festmeter. „Ich bin gespannt“, sagte er.
Auch 2021 ein Plus erwartet
Auch 2021 rechnet er mit einem deutlichen Gewinn im Gemeindewald, wenn es nicht zu derzeit noch nicht absehbaren Katastrophen kommt. Unter anderem deshalb, weil der Bund die Bundeswaldprämie bezahlt. Pro Hektar Wald 100 Euro. Bei 540 Hektar Gemeindewald, „ist das schon was“, sagte Wagner. Er plant im kommenden Jahr 3577 Holz aus dem Wald rauszunehmen.
Es wird gehegt und nachgepflanzt. Alle großen kahlen Flächen, auf denen Käferholz stand, „habe ich zwischenzeitlich nachgepflanzt“, sagte Wagner. Unter anderem setzt er auf Eichen, Esskastanie, Bergahorn und Kirsche, um den Mischwaldcharakter weiter zu stärken.