Kreis Südwestpfalz „Mama, wenn du dich um Kinder kümmern willst, ...“

Maria Webers verstorbener Mann Wolfgang war begeisterter Fußball-Fan, -Funktionär und -Schiedsrichter. Seine Sammlung des Kicker
Maria Webers verstorbener Mann Wolfgang war begeisterter Fußball-Fan, -Funktionär und -Schiedsrichter. Seine Sammlung des Kicker-Fußballmagazins hat sie mittlerweile hergegeben.

«Wallhalben.» Zeit mit den vier Enkeln verbringen, die Französischkenntnisse auffrischen, reisen, im Haus in Wallhalben das angehen, was während ihrer Berufstätigkeit zurückstehen musste. Langweilig wird es Maria Weber nicht. Die frühere Integrationsbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz genießt ihren Ruhestand. 2011, nach 13 Jahren im Amt, hatte sie ihn angetreten.

Zufrieden mit dem, was sie erreicht hatte. Ahnend, dass die Bedeutung der Integrationspolitik weiter wachsen wird, wie sie bei ihrer Verabschiedung prophezeite. „Wer sich die Welt mit offenen Augen ansieht, weiß, wie schwierig die Lebensbedingungen für viele Menschen sind. Flucht ist eine Reaktion darauf“, erklärt Weber. Das politische Interesse wurde ihr quasi in die Wiege gelegt. Papa Otto Moock war zehn Jahre Bürgermeister in Ranschbach bei Landau. „Der erste Zugereiste, der Bürgermeister wurde“, erzählt Weber lachend von frühen unbewussten Berührungen mit dem Thema Integration. Dass sie FDP-Mitglied werden würde, „war nicht abzusehen“, bekennt sie. Ihren mittlerweile verstorbenen Mann Wolfgang, wie sie Lehrer, begeisterter Fußball-Fan, -Funktionär und -Schiedsrichter, dessen Herz für den SV Herschberg schlug, umwarben mehrere Parteien. Die Webers entschieden sich für die FDP. Seit 43 Jahren gehört sie der Partei an, ist heute noch in vielen parteipolitischen Gremien aktiv. Dass sie Integrationsbeauftragte wurde, daran hatte ihre FDP-Zugehörigkeit Anteil. Das Amt, das als „Ausländerbeauftragte“ 1987 von der damals regierenden CDU/FDP-Koalition installiert worden war, wurde von der FDP besetzt. Auf Helga Gerigk folgte 1998 Maria Weber, die zuvor 24 Jahre lang als Lehrerin in Wallhalben unterrichtet hatte. Englisch und Geschichte. Gute Voraussetzungen, um sich mit dem Thema Integration, das sich durch die Weltgeschichte zieht, als neue berufliche Herausforderung zu beschäftigen. Sie war kommunalpolitisch engagiert, unter anderem zehn Jahre Beigeordnete der Verbandsgemeinde Wallhalben. Es folgten Job-Wechsel, Umzug während der Arbeitswoche nach Mainz. „Meine Familie musste das mittragen“, weiß Weber, dass es ohne Unterstützung von Ehemann, Sohn und beiden Töchtern nicht funktioniert hätte. Sie schaffte es, gemeinsam mit ihrem Team in Mainz, mit Beharrlichkeit dem Thema Integration in Rheinland-Pfalz die Bedeutung zu geben, „die dieses Thema verdient“. Die größte Bestätigung für ihre Arbeit: „Das Thema ist richtigerweise auf Ministeriumsebene angekommen, wir haben eine Integrationsministerin“, sagt Weber. Auch noch einen Integrationsbeauftragten. „Aber diese Position bräuchte es jetzt nicht mehr“, steht für sie fest. Dass ihre Arbeit hoch geschätzt wurde, zeigte sich nach der Wahl 2006. Die FDP war aus der Regierung geflogen, die SPD regierte alleine. Der damalige Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) beließ die FDP-Frau im Amt. Von diesem Zeitpunkt an war die heutige Ministerpräsidentin Malu Dreyer ihre Chefin. Sie habe sich nie als Verwaltungsbeamtin gesehen, die 40 Stunden pro Woche in Mainz am Schreibtisch sitzt. Sie suchte den direkten Kontakt mit den Migranten. „Das friedliche Zusammenleben von Einheimischen und Zuwanderern ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe“, sagt die 65-Jährige. Eine, die mit Realitätssinn angegangen werden müsse, „und bestimmt keine Spielwiese für Sozialromantiker“. Mit Menschen wollte sie im Ruhestand zu tun haben, fremde Länder kennenlernen. Ihre Idee sei gewesen, für geraume Zeit ins Ausland zu gehen, sich dort um Kinder, die Hilfe brauchen, zu kümmern. Ihre Tochter habe gesagt, als sie diese Pläne mal anklingen ließ: „Mama, wenn du dich um Kindern kümmern willst, musst du nur nach Zweibrücken kommen.“ Das sei richtig und wichtig gewesen, bekennt Weber. Die Familie rückte an die erste Stelle. Zweibrücken und Schweich an der Mosel stehen wöchentlich auf Webers Fahrplan. Dort leben ihre Enkel. Eine Tochter wohnt in Frankfurt. Bis 2016 fuhr sie wöchentlich nach Dudenhofen zu ihrer zwischenzeitlich verstorbenen Mutter. Durch die Heirat mit dem gebürtigen Zweibrücker Wolfgang Weber, „wurde aus der Südpfälzerin eine Westpfälzerin“, berichtet Weber lachend von ihrer persönlichen erfolgreichen Integration. Die Lehrerwohnung in Herschberg war die erste Station der jungen Familie. „Wir wären gerne in Herschberg geblieben“, erinnert sie sich. Weil in Wallhalben ein passendes Haus zum Verkauf stand, zog die Familie an die Arbeitsstätte. Im Haus ist immer was zu tun. „Im Laufe eines Lebens sammelt sich viel an“, sagt Weber. Wie die Sammlung des Kicker-Fußballmagazins, die auf dem Speicher untergebracht war. Jahrzehnte gedruckter deutscher Fußballgeschichte, verbunden mit persönlichen Erinnerungen. Die Sammlung hat ein Fußball-Fan übernommen. Die Erinnerung bleibt. So wird es auch mit den anderen Dingen sein, die jetzt entrümpelt werden. Nach dem Speicher ist nun der Keller dran. Maria Weber nimmt sich Zeit für vieles. Das Gründungsmitglied der Wallhalber Landfrauen erstellt gerade ein Backbuch für ihre Familie. „Mit erprobten Rezepten“, verrät sie.

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