Battweiler / Zweibrücken
Malerhandwerk: Wo Köpfchen ebenso wie Fitness gefragt ist
„Ein gewisses Fachverständnis und handwerkliches Geschick brauchst du halt schon“, sagt Julian Veit. Der 21-Jährige aus Battweiler hat neulich bei der westpfälzischen Maler- und Lackierer-Innung seine Urkunde als jahrgangsbester junger Geselle in Empfang genommen. Seine Prüfung hat er mit „sehr gut“ abgeschlossen. Das Talent liegt in der Familie: Julian Veit hat im Betrieb seines Vaters Jürgen gelernt. Und der führt seit 2005 den Maler- und Verputzbetrieb, den sein Vater Lothar Veit 1976 gegründet hat. Büro und Firmensitz unterhält die Familie daheim in Battweiler, während die Werkstatt sich in Zweibrücken befindet, in der Nähe des Hilgard-Centers.
Derzeit ist die Firma Veit unter anderem an der Fassade eines stattlichen Gründerzeithauses in der Landauer Straße zugange. „Wir sanieren und streichen die Giebelseite des Fachwerkhauses“, erläutert Jürgen Veit. „Wir setzen Sandsteine und Fenster instand. Was über die Jahrzehnte verwittert ist, bekommt einen neuen Anstrich.“
Jeder Geselle hat sein Spezialgebiet
Zusätzlich zu Innen- und Außenanstricharbeiten in verschiedenen Techniken umfasst das Leistungsprofil des Unternehmens auch die energetische Sanierung, also Wärmedämmung von Immobilien. „Und mit unseren gelernten Stuckateuren führen wir Außen- und Innenputzaufträge aus“, erklärt der Chef. Hinzu kommen Leistungen im Trocken- und Akustikdeckenbau. „Nur vom Wände-Anstreichen und Tapetenkleben kann heute keine Firma mehr leben.“ Daher, so Jürgen Veit, müsse „bei uns jeder Geselle zusätzlich zum Anstreichen noch ein Spezialgebiet draufhaben, in dem er sich besonders gut auskennt“.
Zum Beispiel das Vergolden. Hier hat sich Sohn Julian bereits derart ausgefeilte Kenntnisse angeeignet, dass er im praktischen Teil seiner Gesellenprüfung mit einem besonderen Schmankerl glänzen konnte: „Wir sollten ein Firmenschild für einen Golfclub anfertigen. Da hab’ ich einen Teil des Logos vergoldet. Das hat mir bei den Prüfern bestimmt ein paar Extrapunkte eingebracht.“
Oma prüft die Lieferscheine
Vater und Sohn mitgezählt, beschäftigt der Maler- und Verputzbetrieb Veit aktuell 13 Mitarbeiter, die in täglicher Praxis den Pinsel schwingen; darunter sind zwei Auszubildende. Hinzu kommen zwei Bürokräfte am Firmensitz in Battweiler; eine davon ist Julian Veits Mutter Andrea. „Und die 85-jährige Oma lässt es sich nicht nehmen, immer noch Lieferscheine und Rechnungen zu prüfen“, lacht der Inhaber.
Das Einsatzgebiet des Unternehmens umreißt Veit mit einem Radius von etwa 100 Kilometern rund um Zweibrücken – „von Saarbrücken bis nach Speyer“, so der 59-Jährige. „Unsere Auftragsbücher sind voll. Zu 85 Prozent sind wir mit Renovierungsprojekten beschäftigt. Da haben wir viel im Freien zu tun und konnten sogar damals im Corona-Sommer voll durcharbeiten.“
Es muss nicht immer die Uni sein
Das Handwerk ist für Jürgen Veit ein zukunftssicheres Berufsfeld. „Auf absehbare Zeit wird es keine KI geben, die dir die Wände anmalt.“ Was nicht bedeute, dass etwa beim Aufmaß von Räumen nicht auch Laptop und Laser-Messgerät zum Einsatz kämen. Schade findet es der Inhaber, dass das Gros der Schulabgänger eine Karriere in diesem Bereich erst gar nicht in Betracht ziehe. „Es gibt doch noch was anderes als Studieren. Zum Beispiel ist der Abschluss ,Betriebswirt des Handwerks’ mit einem Bachelor vergleichbar.“ Köpfchen sei auch im Malerhandwerk gefragt: „Man muss sich auch als Geselle auf einer Baustelle mal ganz allein mit Architekten und Planern unterhalten können“, sagt Jürgen Veit. „Und wenn wir Energieberatung machen, muss dass Hand und Fuß haben.“
Körperliche Fitness sei bei der Arbeit unerlässlich. „Heben Sie mal jeden Tag einen 15-Kilo-Eimer.“ Daher gingen Vater und Sohn Veit „alle drei Tage ins Fitnessstudio, obwohl wir auf den Baustellen schon den ganzen Tag über aktiv sind“. Bei Wind und Wetter auf dem Gerüst zu stehen – im Sommer bei über 30 Grad und im Herbst bei acht –, mache „auch nicht immer Spaß“, gibt Jürgen Veit zu.
Firmennachfolge ist gesichert
Personalmangel ist bei dem Familienbetrieb aus Battweiler derzeit noch kein Thema. „Bei uns sind immer noch viele Mitarbeiter im Betrieb, die schon mein Vater eingestellt hat“, berichtet Veit, dass einige Gesellen schon seit über 20, einer sogar seit 33 Jahren an Bord seien. „Aber so in zehn, 20 Jahren wird eine Verjüngung unumgänglich“; das Gros seines Personals sei zwischen 48 und 62 Jahre alt. „Vor 30 Jahren sah die Altersstruktur noch anders aus. Ein Drittel war 30 bis 40 Jahre alt, das zweite 40 bis 50 und das dritte über 50. Deshalb ist das deutsche Handwerk auf ausländische Nachwuchskräfte angewiesen.“ Tatsächlich verstärke den Maler- und Verputzbetrieb Veit inzwischen ein Mitarbeiter aus der Ukraine.
Die Unternehmensnachfolge ist aber gesichert: Julian Veith sagt, er wolle „in den nächsten zwei, drei Jahren bei uns im Betrieb Erfahrungen sammeln“. Anschließend zieht es ihn auf die Meisterschule, „und irgendwann möchte ich mal die Firma übernehmen“.
Schwierige Nachwuchswerbung
Derweil ist Vater Jürgen Veit sich darüber im Klaren, dass man bei der Jugend für seinen Beruf werben muss. „Ich hab’ zwar keine Ahnung, wie man lustige Tiktok-Videos zum Thema Malerhandwerk macht. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass Julian mal in die IGS Contwig geht. Warum sollte er dort nicht im Unterricht aus eigener Erfahrung erzählen, was im Handwerk alles möglich ist?“