Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Logistik-Verlagerung: Seibel stärkt Standort Hauenstein

Sie führen die Geschäfte der Josef Seibel Schuhfabrik (v.l.): Franziska und Carl-August Seibel und Sylvia Klemens.
Sie führen die Geschäfte der Josef Seibel Schuhfabrik (v.l.): Franziska und Carl-August Seibel und Sylvia Klemens.

Ende Mai feiert Hauenstein 140 Jahre Schuhindustrie. Deren Gründer gibt es noch: den Schuhprozenten Seibel. Er hält am Firmensitz fest, stärkt ihn nun sogar.

Eng hat die Schuhindustrie die Menschen in und um Hauenstein über Jahrzehnte hinweg verbunden. Über 30 Schuhfabriken gab es in der Blütezeit in den 1950er und 1960er Jahren einmal. Etwa 3000 Menschen arbeiteten dort, die Hälfte von ihnen kam aus dem Umland. Inzwischen arbeiten in der Wasgau-Gemeinde noch etwa 180 Menschen für die Schuhindustrie – für die Josef Seibel Schuhfabrik GmbH, die den späteren Niedergang der örtlichen Schuhindustrie überlebte, als einziger Betrieb aus jener Zeit.

Made in Hauenstein

Nach wie vor produziert Seibel bequeme Damen- und Herrenschuhe, jährlich etwa 2,5 Millionen Paar. In Hauenstein selbst entstehen täglich in der modernisierten Schuhfabrik 200 bis 250 Paar an Barfußschuhen, Sneakern und Tieffußbettschuhen – komplett „made in Hauenstein“. Doch der Hauptteil der Schuhe wird inzwischen in Asien produziert und die Hauensteiner Fabrik ist die letzte europäische Fertigung von Seibel. Denn die Produktion in Ungarn wurde 2025 geschlossen. Dort wird nun ein Teil der Logistik bearbeitet, die bisher in Polen zentriert war.

„Made in Germany“: In der Fabrik in Hauenstein entstehen täglich 200 bis 250 Paar Damen- und Herrenschuhe.
»Made in Germany«: In der Fabrik in Hauenstein entstehen täglich 200 bis 250 Paar Damen- und Herrenschuhe.

Hauenstein profitiert von den Umstrukturierungen: Dort wird der Rest der aus Polen verlagerten Logistik angesiedelt, genauer: der Versand an Verbraucher und damit der Online-Shop. Untergebracht wird dieser Bereich in eigenen Hallen auf dem Firmengelände. Damit werde dieser Standort gestärkt, bekräftigen Carl-August Seibel und seine Tochter Franziska Seibel, die mit Sylvia Klemens das Unternehmen führen.

Tradition und neue Ideen

Seit 2019 ist Franziska Seibel im Unternehmen und seit 2020 Mitglied der Geschäftsführung; zuvor war sie bei dem Bekleidungsunternehmen Hallhuber in München tätig. Mit ihr ist inzwischen die fünfte Familiengeneration an Bord.

Tradition ist auch ihr wichtig. Aber ebenso der Blick nach vorne, die Suche nach neuen Ideen für den gesamten Schuh-Standort Hauenstein. Auf Schuhe alleine werde man sich nicht konzentrieren können, meint sie. Was sie damit meint: Der Besuch dort muss zum Erlebnis werden. Daran müsse gearbeitet werden. „Wir haben viel zu bieten, verkaufen uns aber nicht gut genug“, sagt Franziska Seibel mit Blick auf die Region und deren Freizeitpotenzial.

Mit Themen wie Gesundheitssport oder Mountainbiking ließe sich touristisch noch weiter punkten, glaubt sie. Die Alpenregionen seien da sehr erfolgreich. In diese Richtung sollte man auch im Wasgau denken und miteinander ins Gespräch kommen, meint die 38-Jährige, die selbst gut vernetzt ist in jener Region, in der sie aufgewachsen ist.

Es ist eine Region, die tatkräftig gezeigt hat, wie es aus einer Talsohle bergauf gehen kann. Nach dem Niedergang der Schuhindustrie in den 1980-er Jahren entstand in Hauenstein 1996 das Schuhmuseum und wenig später die Schuhmeile – das „deutsche Schuhdorf“.

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