Kreis Südwestpfalz Leitersberg schon beim Urmenschen beliebt

91-92113920.jpg

Die Gegend um Geiselberg war wohl schon in der Steinzeit ein attraktiver Ort, um sich aufzuhalten. Bereits der Homo erectus, der aufrecht gehende Primat, der vor dem Homo sapiens die Erde bevölkerte, wusste die Vorteile der Gegend um das heutige Geiselberg zu schätzten. Das bestätigen Funde von Steinwerkzeug auf dem Leitersberg. Über diese Funde berichtete Emil Hoffmann, der diese Werkzeuge untersucht und eingeordnet hat, in Geiselberg.

„Die Steine kennen viele Geiselberger und Spaziergänger“, sagte Bürgermeister Georg Spieß. Vielen der 50 Gäste bei Hoffmanns Präsentation seines Buches „Leitersberg – Die Entstehung und Entdeckung eines außergewöhnlichen Material- und Werkplatzes in der Pfalz“ sind die Steine schon lange ein Begriff. „Feuersteine habe ich sie immer genannt“, erinnerte sich Beate Rutz vom Team der Geiselberger Bücherei, das zur Buchpräsentation eingeladen hatte. Auch Kai Sprau aus Heltersberg, der eigentlich mit der Fotokamera auf der Jagd nach Milanen war, fielen die besonders geformten Steine auf dem Leitersberg auf. Er sammelte einige ein, schickte sie an das Landesarchiv Kulturelles Erbe in Rheinland-Pfalz und an Hoffmann. Von dessen Steinwerkzeugfunden, unter anderem in Schmitshausen, hatte er gehört. Hoffmann, pensionierter Berufsschullehrer, befasst sich seit über 30 Jahren intensiv mit dem Thema und hat die Erlaubnis, in Rheinland-Pfalz nach Funden an der Oberfläche zu suchen. Er konnte nach Untersuchungen bestätigen, dass es sich bei den Funden vom Leitersberg um Steinwerkzeug handelt, das zwischen 600 000 und 800 000 Jahre alt ist. Es sind Artefakte, von Menschen oder Vorläufern des heutigen Menschen bearbeitete Steine, und keine Geofakte, die ihre Form dem Wirken der Natur über viele Jahrhunderte verdanken. Wie sich feststellen lasse, ob es sich um Geo- oder Artefakte handele, war eine Frage, die Besucher interessierte. „Das sieht und spürt man“, sagte Hoffmann. Wobei „sehen“ durchaus intensive Untersuchungen beinhalte. Er zeigte Funde vom Leitersberg, verwies als Beispiel auf die markanten Abschlagkanten. Die Steine wurden so bearbeitet, dass sie als Schaber oder Faustkeile dienten, die teils auch noch heute optimal in den Händen liegen. Benutzt wurden sie beispielsweise, um Tierhäute zu bearbeiten und Fleisch zu schneiden. „Weg damit“, sei die wichtigste Devise bei der Einordnung von Funden. Der Satz gelte immer, wenn nur der Hauch eines Zweifels besteht, ob es sich um einen Artefakt handele. Ein Artefakt beantworte bei einer genaueren Untersuchung immer die Fragen, wer hat wie, wo und warum diese Werkzeuge hergestellt. Oberflächenfunde, bekannte Hoffmann, „stehen bei Archäologen nicht hoch im Kurs“. Weshalb in vielen Einrichtungen, die sich mit Geschichte, und Archäologie befassen, säckeweise Oberflächenfunde stünden, die sich noch niemand angeschaut habe. Was unter der Oberfläche zu finden sei, interessiere Archäologen mehr. Auch weil die Suche unter der Oberfläche die zeitliche Einordnung von Funden ermögliche. „Wenn sich ein Werkzeug in einer bestimmten Erdschicht findet, lässt es sich zeitlich einordnen“, erklärte Hoffmann. Wie sich dann einordnen lasse, aus welcher Zeit die an der Oberfläche gefundenen Steinwerkzeuge stammen, lautete eine Frage. Dafür seien die anerkannten archäologischen Funde, die durch die Schichten zeitlich klar zuordenbar seien, wichtig, erläuterte Hoffmann. Die Steinwerkzeuge, die ober- und unterirdisch gefunden werden, würden verglichen. „Vereinfacht gesagt: Gleiche Form bedeutet gleiche Zeit“, sagte Hoffmann und startete eine Reise durch die Erdgeschichte und die Evolution, um die Funde einzuordnen. Was den Fundort Leitersberg so außergewöhnlich mache, sei das Material. Wegen der auffälligen Farbnuancen der Steine hätte man eher vermutet, dass diese als Schmucksteine verwendet werden. Es habe in diesem Bereich eine Verquarzung des Sandsteins stattgefunden, die das Urmaterial, das sich in Werkzeug verwandeln ließ, hervorgebracht habe. Wegen dieser Quarzader gebe es viele kleine Steine, folglich auch kleine Steinwerkzeuge im Bereich Leitersberg. |add

x