Leimen
Langerkopf: Stört ein Radarsender die Windkraft-Standortsuche?
In der Pandemie war der frühere US-Stützpunkt offenbar als Partyplatz beliebt, wo sich junge Leute ohne die Gefahr einer Kontrolle treffen konnten. Entsprechende Hinterlassenschaften sind zu sehen. Das ganze Gelände ist übersät von Flaschen. Jemand hat Teppiche ausgebreitet. Bunker, Baracken und Unterkünfte sind abgerissen und verschwunden. Geblieben sind große Asphalt- und Betonflächen, die auch nicht beseitigt werden, wie Josephine Keller vom Umweltministerium auf Anfrage mitteilt. Mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) sei vereinbart worden, dass die Beton- und Asphaltflächen nicht entfernt werden müssen.
Vertrocknete Bäume
Beim Spaziergang über das Gelände und den angrenzenden Wald ist noch mehr zu sehen. Aus dem Boden ragen Entlüftungsrohre. Kabel enden in der Luft, Betonbrocken größeren Ausmaßes liegen herum. Unterirdische Tanks sollten entfernt, entsorgt oder verfüllt werden, informiert das Umweltministerium weiter. Im hinteren Bereich des Geländes wurde offenbar versucht, Bäume anzupflanzen. Diese wurden mit großem Aufwand einzeln eingezäunt, sind aber trotzdem fast alle vertrocknet und abgestorben. Richtig renaturiert wirkt das Gelände nicht.
In der Mitte steht immer noch ein großer Funkmast mit aufwendiger Einzäunung, die jedoch an mehreren Stellen aufgeschnitten ist. Der Mast ist noch in Betrieb und wird von der Nato genutzt, wie das Umweltministerium mitteilt. Wofür die Nato den Mast benötigt, konnte das Hauptquartier Airnorth in Ramstein nicht sagen. Ein weiterer Nutzer des Mastes ist das rheinland-pfälzische Innenministerium. Die so genannte digitale Alarmierung laufe über den Mast, informiert Sonja Bräuer von der Pressestelle des Innenministeriums. Als digitale Alarmierung wird die stille Alarmierung von Feuerwehr, Katastrophenschutz oder Polizei über Pager bezeichnet.
Aktuell ist das Gelände noch im Besitz der Bima und soll im Sommer an die Landes-Forstverwaltung zurückgegeben werden, teilt die Sprecherin des Umweltministeriums, Josephine Keller, den aktuellen Sachstand mit.
Kniffliger wird es, wenn es um die Frage der Eignung des Geländes für die Windkraftnutzung geht. Ob der Funkturm eine Aufstellung von Windrädern erlaubt, recherchieren die Sprecher von Nato und Innenministerium noch. Aus dem Umweltministerium wird auf die übliche Formulierung verwiesen, dass „auf vorbelasteten Konversionsflächen eine naturnahe Windenergienutzung“ geprüft werde. Alles natürlich unter Beteiligung der Kommunen und des MAB-Komitees, das für den Status als Biosphärenreservat zuständig ist. „Eine konkrete Planung existiert noch nicht“, betont die Sprecherin des Umweltministeriums.
Konflikt mit Radaranlage
Gegenwind könnte von der Deutschen Flugsicherung kommen. Die unterhält in zwei Kilometern Entfernung auf dem Eschkopf eine Radaranlage. Für solche Anlagen gebe es einen Schutzbereich, erklärt Boris Pfetzing, der für Süddeutschland zuständige Pressesprecher der Flugsicherung. Das Bundesamt für Flugsicherung muss entscheiden, ob ein Antrag auf ein neues Windrad in der Nähe einer solchen Anlage wie am Eschkopf genehmigt wird. Im Jahr 2020 seien beispielsweise 236 solcher Anträge dort eingegangen. 190 davon waren nach Ansicht der Flugsicherung unbedenklich. „Wir sind ja keine Verhinderer von Windkraft. Wir schützen aber die Sicherheit im Flugverkehr“, betont Pfetzing.
Inwieweit der Langerkopf aus Sicht der Flugsicherung für Windräder geeignet wäre, wollte Pfetzing nicht sagen. Das müsse eine konkrete Einzelprüfung für den konkreten Standort ergeben. Solch ein Antrag liege noch nicht vor. Die Befürchtung jedoch, dass auf dem Langerkopf eine lange Reihe von Windrädern sich über den auch Mosisberg genannten Höhenzug ziehen wird, dürfte jedoch zumindest, was die Belange der Flugsicherung betrifft, nicht Realität werden. Wenn überhaupt, könnte nur eine kleinere Fläche in Richtung Leimen in Frage kommen. Dort steht aber der Funkturm von Nato und Innenministerium.