Biedershausen Kranker Familienvater seit Dezember ohne Internet und Telefon
„Seit Anfang Dezember funktioniert bei uns gar nichts mehr. Weder Festnetztelefon noch Internet“, ärgert sich Christine Höh. „Deshalb hat mir mein Enkel extra ein Handy gegeben. Mit dem rufe ich so gut wie täglich bei der Deutschen Glasfaser an. Ich hab’ denen sogar angeboten, extra zu bezahlen, wenn sie uns einen Techniker schicken.“ Der Internetversorger, der Rechtsnachfolger von Höhs früherem Vertragspartner Inexio, habe zwischenzeitlich zwar einen neuen Router geschickt. Aber auch dieser Austausch konnte die Leitung nicht zum Leben erwecken.
Die 73-Jährige wohnt mit ihrem Mann in der Gartenstraße in Biedershausen. Seit einem Schlaganfall sitzt der zwei Jahre ältere Ehemann Willi noch öfter als früher im Sessel. Dort muss er seit Monaten auf seine geliebten Sportübertragungen im Fernsehen verzichten. „Heutzutage kriegt man die ganzen Sender und Kanäle ja nur noch über Apps auf dem Bildschirm rein“, sagt Christine Höh. „Und die hängen auch alle am Internet, und das geht bei uns ja leider nicht.“
Viele Handy-Telefonate
Das Mobiltelefon des Enkelsohns stellt die einzige verbliebene Telekommunikationsverbindung zur Außenwelt dar. Mit dem Handy hat Christine Höh zahllose Anrufe bei der Hotline des Anbieters getätigt: „Mein Mann kann wegen seiner Erkrankung nicht mehr eigenständig telefonieren. Er steht aber als Kunde im Vertrag, den wir damals mit Inexio abgeschlossen haben. Deshalb sagen die Ansprechpartner an der Hotline jedes Mal, sie dürfen nicht mit mir, sondern nur mit Willi sprechen.“
Doch das fällt dem gesundheitlich angeschlagenen und schwerhörigen Ehemann schwer. Also las ihm Christine Höh bei einem der Hotline-Telefonate die Ziffern der langen Kundennummer einzeln vor, die er in den Hörer sprach. „Das hat der Service-Mitarbeiter gemerkt und gesagt, so geht das nicht.“
„Bin zwar 73, aber nicht bekloppt“
Doch die pfiffigen Höhs wussten sich zu helfen. Die 73-Jährige: „Wir haben einen netten Mann aus unserem Bekanntenkreis bei der Hotline anrufen lassen; an unserem Handy gab er sich als Willi Höh aus.“
Von den Service-Mitarbeitern am anderen Ende der Leitung würden die Eheleute immer wieder aufgefordert, ihr Anliegen per E-Mail oder SMS zu übermitteln. „Das können wir aber nicht“, beklagt Christine Höh. „Deshalb ist eine der Hotline-Frauen sogar mal richtig patzig geworden. Da sagte ich ihr, ich bin zwar 73, aber nicht bekloppt.“
Die Biedershauserin betont, dass sie bei allen Kontaktversuchen stets höflich und gefasst geblieben sei. „Und unsere monatlichen Internet- und Telefonrechnungen über 51 Euro bezahlen wir immer pünktlich, obwohl wir seit Dezember keine Gegenleistung dafür bekommen. “
Kupferzuleitung ist gestört
Eines Tages hätten die Höhs einen Techniker von der Deutschen Telekom im Haus gehabt. „Der hat festgestellt, dass von außen keine Daten reinkommen. Die Leitung sei gestört, er könne da gar nichts machen.“
„Diese Aussage des Telekom-Technikers gegenüber Familie Höh können meine Kollegen nicht nachvollziehen“, sagt dazu auf Anfrage Thomas Schommer, Pressesprecher der Deutschen Glasfaser. Gegenüber der RHEINPFALZ erklärt er, man habe dem Problem in Biedershausen nachgespürt und herausgefunden, dass beim Anschluss der Eheleute Höh tatsächlich „ein Leitungsschaden auf der Kupferstrecke“ vorliege. Das ist die Zuleitung im Bürgersteig zwischen dem örtlichen Kabel-Verzweigungspunkt und dem Hausanschluss des Kunden. Die Deutsche Glasfaser miete die Kupferstrecke von der Deutschen Telekom an, der der unterirdische Strang gehöre. „Die Strecke bleibt im Besitz der Telekom und Störungen müssen von ihr behoben werden“, stellt Schommer klar.
„Plantermin“ am Montag
Die Deutsche Glasfaser, so betont ihr Sprecher, sei keineswegs untätig geblieben, nachdem Christine und Willi Höh die Störung gemeldet haben. „Wir haben unser Netz und die Technik geprüft und den Leitungsschaden identifiziert.“ Daraufhin sei eine entsprechende Meldung an die Deutsche Telekom ergangen.
„Leider wurde diese bisher – trotz Eskalationen – bis heute nicht tätig“, erklärt Schommer und sagt, dass Montag, 24. Februar als „neuer Plantermin“ genannt wurde. Ob die Leitung an diesem Tag auch wirklich repariert wird, sei „aus unserer Erfahrung“ aber nicht zu 100 Prozent gesichert. Auf eine entsprechende Anfrage bei der Telekom hat die RHEINPFALZ bislang keine Antwort erhalten.
Der Deutschen Glasfaser seien derweil „die Hände gebunden“, bedauert Thomas Schommer. „Wenn ein Schaden auf der Kupferstrecke der Telekom besteht, dürfen wir da nicht ran.“