Südwestpfalz Kraniche fliegen über die Saarpfalz hinweg

Flugschau: Kraniche über Battweiler; die Vögel formieren sich zu den typischen Pfeilen.
Flugschau: Kraniche über Battweiler; die Vögel formieren sich zu den typischen Pfeilen.

Ein Himmelskonzert, mit trompetenähnlichen Melodien haben die Bewohner der Sickinger Höhe und des Zweibrücker-Landes am Sonntag erlebt. Rund 2000 Kraniche sind über uns und die Saarpfalz hinweggezogen in Richtung Frankreich.

Die Vögel des Glücks, wie sie die Bewohner Skandinaviens bezeichnen, haben sich vor dem anhaltenden eisigen Wintereinbruch im Ostseeraum und dem Baltikum in Sicherheit gebracht. Die Vogelkundler des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) in der Südwestpfalz und in der Saarpfalz glauben, dass eine außergewöhnlich gewaltige Anzahl der geheimnisvollen Segler unterwegs war. Vor allem in unruhiger und in verwunderlicher Unordnung seien sie über uns hinweg weiter in den wärmeren Süden gezogen. Möglicherweise hatten der böige Wind, der unangenehme Regen und die schlechte Sicht, die eigentlich typische Pfeilformation der Flugketten der Vögel gesprengt, vermutet Norbert Fakundiny vom Nabu in Kleinsteinhausen. Die am Spätnachmittag immer grauer und düster werdende Wetterlage könnte dieses vermeintliche Chaos unter den Kranichen mitausgelöst haben.

Vielleicht sind auch schon die schwindenden Kräfte durch den Gegenwind und die Flugzeit ein Grund gewesen, so dass die Vögel gerne gerastet hätten. Dazu können sie sich leichter entscheiden, wenn sie auch eine günstige Gelegenheit zur Futteraufnahme erspäht haben. Die bei uns schon wieder eingepflanzten Felder und das Grünland bieten nicht die Leibspeise der Kraniche. Fakundiny nimmt an, dass die Kraniche bei Bottenbach nur noch etwa 40 Meter über dem Erdboden geflogen sind. Deshalb hatte er schon Sorgen, dass der Pulk der Vögel in die vorhandenen Windräder geraten könnte. Er glaubt jedoch, dass alles gut gegangen ist. Seit Jahren beobachtet er den Kranichzug, aber so tief habe er die Schreitvögel noch nie auf der Höhe der Hackmesserseite gesehen.

Erfahrene Navigatoren an der Front

Werner Keller aus Dellfeld war auch erstaunt über den Tiefflug und vor allem das unüberhörbare Palaver der Vögel mit den langen Beinen und Hälsen. Sie seien unter- und übereinander und quer im Schwarzbachtal unterwegs gewesen, bis sie über den Bergrücken nach Walshausen verschwunden seien. Nicht zu übersehende riesige Kranichansammlungen haben am Spätnachmittag die Autobahn zwischen Limbach und Einöd überquert, berichtet Kerstin Burgard aus Contwig. Auch im Stadtgebiet von Zweibrücken gab es die Musik der Kraniche zu hören, erzählt die Nabu-Vorsitzende Miriam Krumbach. Am Montagnachmittag waren nur noch vereinzelte, aber geordnete Flugformationen der Kraniche über der Sickinger Höhe zu sehen. Weitere stärkere Durchzüge der Nordvögel erfolgten noch einmal in der ersten Phase der Dunkelheit.

Bei idealem Flugwetter können die Kraniche eine Fluggeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern erreichen. Das Fliegen in einer Einser-Keil-Formation ermöglicht den Vögeln, den Windschatten zur Kraftersparnis zu nutzen. An der Spitze fliegt bei einer Kette immer ein kräftiger und erfahrener Navigationsvogel. Der wird in Zeitabständen immer wieder von einem ebenfalls erprobten Kranich abgelöst. Diese Technik nutzen auch Radfahrerteams bei den Radrennen, um mit weniger Kraftaufwand hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. Bei den Kranichen fliegen Jung- und Altvögel gemeinsam ins Winterquartier. Bei den Störchen fliegt der Nachwuchs etwa zwei Wochen vor den Altvögeln weg. Die Naturforscher glauben, dass die Störche ein inneres Navigationssystem haben, um den richtigen Weg zu finden. Die Jungvögel der Kraniche erlernen den richtigen Flugweg von ihren erfahrenen Lotsen. Kraniche sind mit 2,20 Metern Flügelspannweite und einer Körperhöhe von 1,20 Metern größer als unsere Weißstörche.

Ziel liegt in der Champagne

Der Lac du Der-Chantecoq, der größte französische Stausee mit einer Größe von rund 48 Quadratkilometern, ist in jedem Jahr das Reiseziel Tausender Kraniche. Er wurde 1974 vom französischen Präsident Valéry Giscard d'Estang eingeweiht. Der Marne-Stausee mit seinen riesigen Flachwasserzonen ist ideal für die zahlreichen Wasservögel, die vor der Winterzeit Skandinavien, Litauen, Lettland und die Grenzregion Polens an der Ostsee aus Nahrungsmangel verlassen. Von der Champagne fliegen die Kraniche in unterschiedlichem Zeitraum in zwei weiteren Etappen nach Südfrankreich und in ihr weiteres Überwinterungsquartier in der Extremadura im Südwesten Spaniens, an der Grenze zu Portugal. Grund des Aufenthaltes in der Natursteppe mit dem angrenzende Naturpark Monfragüe sind die Stein- und Korkeichenwälder, die viel Nahrung liefern.

Die Vogelfreunde des Nabu rund um Zweibrücken waren Ende Oktober zu einer Exkursion am Lac du Der, der rund 260 Kilometer von Zweibrücken entfernt liegt, um das Schauspiel des Kranichzuges und den Aufenthalt Tausender sonstiger Wasservögel zu erleben. Die Vorsitzende des Nabu, Miriam Krumbach, teilte mit, dass die Gruppe die gewaltige Anzahl von 80.000 Kranichen beim munteren Treiben an diesem Stausee erleben konnte. Im November 2019 haben die Vogelexperten aus unterschiedlichen Ländern über 260.000 Kraniche an diesem Vogelparadies gezählt. „Was sich an diesem See abspielt, ist außergewöhnlich beeindruckend“, schwärmt Krumbach. Zudem hat der Nabu 1000 Silberreiher, Zwergtaucher, Enten, Möwen, verschiedene Gänsearten, Seidenreiher, Waldwasserläufer, Großer Brachvogel und Kuhreiher gesehen.

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