Hornbach RHEINPFALZ Plus Artikel Klosterhotel: Warum Franziska Lösch jedes Jahr ein bisschen mehr Chefin wird

Lenkt künftig die Geschicke des Hornbacher Klosterhotels: Franziska Lösch (rechts) übernimmt sukzessive die Geschäftsführung, un
Lenkt künftig die Geschicke des Hornbacher Klosterhotels: Franziska Lösch (rechts) übernimmt sukzessive die Geschäftsführung, unterstützt wird sie dabei von der stellvertretenden Hotelleiterin Jasmin Knobloch.

Mit vier Jahren ist Franziska Lösch mit ihren Eltern nach Hornbach gezogen. Sie kennt das Klosterhotel in- und auswendig. Jetzt übernimmt sie das Ruder – Schritt für Schritt.

Generationenwechsel im Klosterhotel Hornbach: Edelbert und Christiane Lösch legen den Betrieb nach und nach in die Hände ihrer Tochter Franziska. „Das war aber nie ein Muss“, betont deren Mutter. Und so hatten die Eheleute auch nie geplant, dass eine der beiden Töchter irgendwann einmal in ihre Fußstapfen tritt. Franziska Lösch dagegen macht deutlich: „Für mich war die Hotellerie schon immer der Traumberuf.“

Wobei die künftige Hotelchefin ein Leben ohne Gastronomie praktisch nicht kennt. Aufgewachsen ist sie in einem Haus, das direkt ans Kloster grenzt. Das Hotel in den historischen Mauern haben Edelbert und Christiane Lösch aufgebaut, in das Projekt viel Arbeit, Geld und Leidenschaft investiert. Heute, 25 Jahre später, erfreut sich das Haus laut Edelbert Lösch großer Nachfrage in der Tagungshotellerie und ist dank seiner Vier-Sterne-Superior-Klassifizierung ein Anlaufpunkt für Gäste aus nah und fern. Die künftige Chefin hat schon während ihrer Schulzeit im Hotel mitgeholfen – für sie eine Selbstverständlichkeit. Sogar ihr Schulpraktikum absolvierte sie in der Branche, wenn auch nicht in Hornbach.

Praktikum und Ausbildung im Schwarzwald

„Eigentlich durfte man damals nur eine Praktikumsstelle im Umkreis von 30 Kilometern wählen. Franziska wollte aber unbedingt in die Traube Tonbach im Schwarzwald. Wir haben dann nachgefragt, für den Lehrer war das kein Problem – und so haben wir sie zwei Wochen dorthin geschickt“, erzählt Mutter Christiane, während Franziska am Tisch schmunzelt. „Eigentlich habe ich gedacht, dass sie das dort nicht durchhält. Die Traube Tonbach ist schon bekannt als Personalschmiede“, sagt Christiane Lösch weiter. Doch es kam anders: Nach zwei Wochen kehrte Franziska Lösch heim – im Gepäck die Zusage ihres Praktikumsbetriebs, dass sie dort nach der Schulzeit eine Ausbildung beginnen könne. Diese absolvierte Franziska Lösch folglich im Schwarzwald, anschließend ging es weiter nach Paris.

In der Corona-Pandemie kehrte sie dann jedoch in die Pfalz zurück. „Hier war es während der Pandemie anders als in Paris“, erinnert sie sich. Klosterhotel und -stadt liegen mitten in der Natur. Während Corona konnte man diese genießen und war nicht so eingeengt wie in der französischen Hauptstadt. Dass ihre Tochter die Ausbildung in einem fremden Betrieb absolviert hat, sehen ihre Eltern nicht als Nachteil – im Gegenteil: „Ich konnte so viel von anderen lernen, auch mal nach links und rechts schauen und Dinge aus anderen Betrieben bei uns einführen“, betont sie. Manches klingt simpel, ist im täglichen Arbeitsablauf aber von großem Vorteil. Beispielsweise hat Franziska Lösch eingeführt, dass die Weinsorten im Kühlschrank durchnummeriert werden – die Auszubildenden können so den bestellten Wein schneller finden und zum Gast bringen.

Eine Art Wahrzeichen des Hauses und Ausflugsmobil in die Südwestpfalz: die rot-schwarze Ente vorm Hoteleingang.
Eine Art Wahrzeichen des Hauses und Ausflugsmobil in die Südwestpfalz: die rot-schwarze Ente vorm Hoteleingang.

Die Schwester zog es in die weite Welt

Im Dezember wird Franziska Lösch 30 Jahre alt, ihre ältere Schwester Johanna 32. Gab es nie Streit, wer das Familienunternehmen einmal übernehmen wird? Nein, antworten die Eltern. Franziska Lösch habe schon als Kind in die Freundebücher bei „Traumberuf“ einen Job im Hotel eingetragen. Johanna Lösch, so steht es in der Festschrift zum 25. Hotelgeburtstag, zog es hingegen in die weite Welt. Sie absolvierte ihre Studienjahre unter anderem in den Niederlanden, den USA und in Dänemark. Mittlerweile lebt sie im australischen Sydney. Ihr Faible für stimmige Details und schöne Restaurants ist jedoch geblieben. So schickt sie noch heute nach einem Restaurantbesuch oder Hotelaufenthalt ein Foto nach Hause, wenn ihr eine besonders originelle, kreative oder interessante Idee auffällt – vielleicht eine, die sich auch im über 14.000 Kilometer entfernten Hornbach umsetzen ließe.

Einfach so den Betrieb an die jüngere Tochter abtreten – das wollten die Löschs allerdings nicht. „Eine gute Unternehmensnachfolge ist ein großes Thema. Wir haben sogar extra ein Seminar dazu besucht“, erzählt Mutter Christiane Lösch. Edelbert Lösch erklärt, dass seine Tochter in diesem Jahr 50 Prozent der Geschäftsführung übernimmt. Mit jedem weiteren Jahr kommen zehn Prozent dazu. „Wenn ich dann 70 bin, hat sie die volle Verantwortung“, sagt Edelbert Lösch.

Jubiläumsfest mit Tag der offenen Tür

Franziska Lösch ist mit diesem Deal einverstanden. Sie weiß, dass sie viel Verantwortung übernimmt – dafür aber einen Betrieb, in dem nicht gleich jede Menge Baustellen warten. „Wir haben hier ein sehr modernes Haus“, sagt die Juniorchefin. Und sie kann auf ein breites Personalteam mit großer Expertise zurückgreifen – das gilt allen voran für Jasmin Knobloch, die stellvertretende Hotelleiterin. Auch wenn sich ihre Eltern Edelbert und Christiane nun langsam aus der ersten Reihe zurückziehen, weiß Franziska, dass sie weiterhin auf deren Wissen und Erfahrung zählen kann. Zwei Großprojekte sind bereits in Planung: Die Löschs haben die ehemalige Metzgerei in der Kurve gekauft und wollen diese zu einem Geschäftshaus umbauen. Auch die Küche wird erweitert – und damit das gastronomische Angebot des Klosterhotels.

Ihr Jubiläumsfest wollen die Löschs groß feiern. Es soll aber nicht nur eine Party für Promis und Politiker werden – auch die Hornbacher sollen etwas zurückbekommen. So hat die Familie eine Festschrift erstellen lassen, die an jeden Haushalt der Klosterstadt verteilt wurde. Zudem wurde ein Puzzle kreiert, für jedes verkaufte Exemplar spenden die Löschs 2,50 Euro an den Hornbacher Kindergarten. Der offizielle Festakt findet am 25. Mai statt mit 360 geladenen Gästen statt. „Das sind Wegbegleiter von damals – Handwerker, Architekten, Politiker, Vereine und so weiter“, sagt Edelbert Lösch. Am 1. Juni öffnet das Kloster zum Tag der offenen Tür. „An diesem Tag gelten die Preise wie im Eröffnungsjahr 2000“, kündigt Christiane Lösch an. Zudem werden Rundgänge durch den Gebäudekomplex angeboten.

Dauerhafte Preisnachlässe für alle Hornbacher

Damit ist das Jubiläumsprogramm aber noch nicht beendet: Am 13. Juli gibt es einen Sommerflohmarkt, bei dem gut erhaltene Möbel und Deko unter den Hammer kommen – der Erlös wird ebenfalls gespendet. Am 4. Oktober lädt Küchenchef Martin Opitz Hobbyköche zu einem geselligen Kochkurs ein. Liebhaber süßer Genüsse kommen beim Dessertkochkurs am 11. Oktober auf ihre Kosten. Kulinarisch locken außerdem Brunch, Jazz-Barbecue, die Reihe „Omas Sonntagsbraten“, Krimidinner und das „White Dinner“ am 31. August. Auch die „kleine wilde Schwester“, das „Lösch“, ist mit von der Partie: Vom 5. bis 7. Dezember finden die „Gaumenfreuden“ an der langen Tafel im Esszimmer des etwas anderen Boutiquehotels statt. Und es gibt ein weiteres Schmankerl: Wer in Hornbach wohnt, genießt ab 1. Juni Preisvorteile bei Hotelübernachtungen und Restaurantbesuchen – und zwar nicht nur im Jubiläumsjahr, sondern auch danach.

Im Jubiläumsjahr sind im Klosterhotel zahlreiche Veranstaltungen geplant.
Im Jubiläumsjahr sind im Klosterhotel zahlreiche Veranstaltungen geplant.

Chronologie: Vom Kloster zum Hotel-Restaurant

742: Pirminius gründet das Kloster. Es hat wohl nur eine einschiffige Saalkirche mit Apsis. Um das Gotteshaus herum gruppieren sich die für einen Klosterbetrieb notwendigen Gebäude, wie es das Leben der Benediktiner erforderte.
753: Tod von Pirminius; er wird in der Abtei beerdigt. Es folgt eine Blütezeit der Abtei, die zum religiösen, geistigen und kulturellem Zentrum der Gegend wird.
829: Bau der Klosterschule, die sich der Ausbildung adeliger Söhne in Sprachen, Religion und Wissenschaften widmet.
865: Reliquien des Papstes Fabian in Hornbach bezeugt.
1072: Kaiser Heinrich bestimmt die Abtei als salisches Eigenkloster.
1135: Heinrich V. verleiht dem Kloster das Münzrecht.
1275: Papst Gregor X. nimmt die Stadt unter seinen päpstlichen Schutz.
1352: Kaiser Karl IV. verleiht Hornbach Stadtrechte.
1553: Hieronymus Bock, Vater der Heilpflanzenkunde, wird als Chorherr an das St. Fabiansstift berufen.
1558: Herzog Wolfgang von Zweibrücken löst die Abtei auf.
1559: Im Kloster wird eine evangelische Landesschule eingerichtet, aus der das Herzog-Wolfgang-Gymnasium in Zweibrücken hervorgeht. Die Fabianskirche wird zur Rektor-Wohnung umgebaut.
1575: Kirchenmänner überführen Pirminius sterbliche Überreste in die Jesuitenkirche nach Innsbruck.
1798: Erster Freiheitsbaum nach französischem Vorbild auf dem Marktplatz.
1956/57: Bau der Gedächtnisstätte über dem Grab Pirmins.
1992: Beginn Restaurierung nördlicher Kreuzgang und der Fabianskirche.
1997: Start der Entkernung des Haupthauses, Neubau des zweigeschossigen Kellers, Einführung des neuen Zwischenbaus mit Seitenschiff und Aufstockung des Alten Schulhauses.
1998: Beginn Umbau und Aufstockung Mezzaningeschoss; Beginn Errichtung von Zwischenbau und Seitenschiff.
17. März 2000: Übergabe des Klosters an Familie Lösch.
19. Mai 2000: Eröffnung Klosterhotel.
2011: Eröffnung von „Das Lösch – das etwas andere Boutiquehotel“.

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