Waldfischbach-Burgalben
Keine schnelle Lösung für vollgelaufene Keller
Über 40 Liter Regen auf den Quadratmeter fielen im Juni, in 15 Minuten. Manfred und Gaby Schweitzer, die gegenüber von Wilma Bohl wohnen, konnten zusehen, wie das Wasser in ihrer Einfahrt stieg. Ein Boot wäre in diesem Fall die bessere Alternative zum Auto gewesen. Auch im Keller stand Wasser. Wenn es stark regnet, „wird die Straße hier zum See“, berichten die Schweitzers. Probleme bereiten der Kanal und die Straßenführung. Es handelt sich um einen Mischwasserkanal. Abwasser, zum Beispiel aus der Toilette, und Oberflächenwasser, also Regenwasser, laufen dort hinein. Der Kanal ist aber zu klein dimensioniert, um die Wassermassen aufzunehmen, wenn es stärker regnet.
Sogenannte Starkregenereignisse gab es zuletzt immer öfter. „Sobald es anfängt zu regnen, auch nachts, stehe ich am Fenster und schaue, wie es sich entwickelt“, beschreibt Wilma Bohl ihre Unruhe bei Regengeräuschen. Ihren Nachbarn geht es ähnlich. Fängt es an zu regnen, führt der Weg vieler ans Fenster, „um die Situation zu begutachten“, sagt ein Anlieger.
Problem besteht schon seit Jahrzehnten
Das Problem ist nicht neu. „Es besteht seit 1980“, verweist ein Anlieger auf erste Rechtsverfahren. Neben dem zu klein dimensionierten Mischkanal und den häufiger werdenden Starkregenereignissen verschärft die Topografie der Straße das Problem. Die Familien Schweitzer und Bohl wohnen in einer Senke am tiefsten Punkt der Straße. Das Wasser auf der Straße läuft auf diesen Punkt zu und verteilt sich – bei Schweitzers, Bohls und ihren Nachbarn. Die Anlieger trugen ihr Problem in den vergangenen Jahrzehnten etliche Male der Verbands- und Ortsgemeinde vor. „Passiert ist bisher nichts“, bemängeln sie. Nur unsinnige Ratschläge hätten sie vom einen oder anderen Verwaltungsmitarbeiter im Laufe der Jahrzehnte bekommen. Zum Beispiel eine Erhebung vor eine Einfahrt zu bauen, damit das Wasser nur bis dahin läuft. Das Wasser wäre zwar draußen, laufe dann aber zu den Nachbarn, sagt ein Anlieger. Und seine Einfahrt wäre nicht mehr zu gebrauchen, denn jedes Auto würde aufsetzen.
Vor etwa 18 Monaten habe es ein Gespräch mit Verbandsbürgermeister Lothar Weber (SPD) und Werkemitarbeitern vor Ort gegeben. Damals habe Weber gesagt, er habe eine Idee, wie das Problem gelöst werden könne. „Aber wie die Idee aussieht, das wissen wir leider bis heute nicht“, sagt Wilma Bohl.
Weber: Lösung ist zeitaufwändig
An einer Lösung für die Probleme in der Straße werde gearbeitet. „Das ist aber leider nicht schnell zu lösen, sondern ist kompliziert und aufwendig, auch zeitaufwendig“, sagt Verbandsbürgermeister Weber. Er sei bereits geraume Zeit im Amt gewesen, als er zum ersten Mal gehört habe, dass es in der Straße seit Jahrzehnten Probleme mit dem Abwasser gibt. Wie groß die sind, habe sich gezeigt, als er sich mit Mitarbeitern der Werke die Situation vor Ort angeschaut habe. Damals seien nach und nach viele Anlieger dazugekommen und hätten ihre Probleme geschildert.
Deshalb lautete der Auftrag an die Werke, eine Lösung zu finden. Die Ursachen seien ja erkannt: die Topografie der Straße und der zu kleine Mischwasserkanal. Die ersten Lösungsansätze hätten sich mit einem größer dimensionierten Kanal befasst. Auch die Idee, das Oberflächenwasser oberirdisch über private Grundstücke den Berg hinab zu leiten, habe es gegeben. „Beides löst das Problem aber nicht, es verlagert es“, erläutert Weber. Das Wasser wäre verstärkt Richtung Alleestraße geflossen. „Dann wären die Probleme, die es ,Auf dem Riedel’ gibt, dort aufgetreten“, sagt Weber. Also wurden die Ansätze verworfen.
Die Idee: ein getrenntes Kanalsystem
Zudem sei die Verbandsgemeinde derzeit bemüht, sogenanntes Fremdwasser, also Regen- und Grundwasser oder aus unterirdischen Wasserläufen, aus dem Kanal zu bekommen. Das hat einerseits ökologische Gründe, denn das Wasser ist kein Schmutzwasser. Dazu kommen finanzielle Aspekte: Läuft dieses saubere Wasser in den Kanal, wird es zur Kläranlage gepumpt. Dort verursacht es Stromkosten und durchläuft den teuren Reinigungsprozess. „Das ist unnötig“, sagt Weber.
Seine Idee sei, ein getrenntes Kanalsystem zu bauen. Zum Schmutzwasserkanal müsse ein Kanal für das Oberflächenwasser gelegt werden. Dieser zweite Kanal könnte an die vom Rosenberg kommende Entwässerung für Oberflächenwasser angeschlossen werden. An dieser Lösung arbeite gerade ein Ingenieurbüro. „Das ist eine komplizierte Sache mit enorm viel Berechnungsaufwand“, sagt Weber. Die Entwässerung des gesamten Gebietes müsse neu berechnet werden. Zudem plant die Ortsgemeinde Waldfischbach-Burgalben nun, als nächste Straße die Kapellenstraße ausbauen. Die grenzt an die Straße „Auf dem Riedel“. Daher sei es sinnvoll, das in den Planungen zu berücksichtigen.
Eine schnelle Lösung wird es nicht geben, da auf jeden Fall gebaut werden muss. Wenn die Pläne und Berechnungen des Ingenieurbüros vorliegen, wird sich der Werksausschuss damit befassen und „wir werden mit den Anliegern darüber sprechen“, sagt Weber. Bis dahin müsse man hoffen, dass Starkregenereignisse ausbleiben.