Kreis Südwestpfalz
Kartoffelprobiertag auf Lambsborner Bauernhof
Auch wenn in diesem Jahr die meisten Kartoffeln etwas kleiner ausfallen und manchmal die eine oder andere Macke aufweisen: Sie schmecken vorzüglich. Davon konnten sich die Besucher überzeugen, die am Samstag in Scharen zum Kartoffelprobiertag auf den Lambsborner Bauernhof Gortner kamen.
An der Essensausgabe wird noch gehadert. Überlegende Blicke gehen von den Bratkartoffeln mit Quark zu den Kartoffelknödeln mit Wild. Oder doch erst die Kartoffelsuppe? Schwere Entscheidung! Auf jeden Fall muss noch Platz für die Kartoffelschneckennudeln bleiben. Und die frischen Kartoffelchips wollen schließlich auch noch probiert werden. Echte Schwerstarbeit, so ein Kartoffelprobiertag. In der gut gefüllten Maschinenhalle auf dem Kartoffelhof Gortner wird geschlemmt, bis sich die Tische biegen. Zudem testen die Besucher die unterschiedlichen Sorten: Da liegt die nackte, frisch gegarte Belana ohne alles, daneben die Talent, die Marabel und noch ein paar Kartoffelsorten mehr. Alle mit eigenen Vorzügen. Und alle in diesem Jahr nicht besonders groß und mit Macken an der Pelle. Schuld daran ist die Trockenheit.
Trockener Sommer wirkt sich auf Ernte aus
Beregnung, wie in der Vorderpfalz üblich, steht den wenigen Landwirten, die in der Westpfalz Kartoffeln anbauen, nicht zur Verfügung. Dass Wassermangel nicht zu einer perfekten Ernte führt, weiß jeder Hobbygärtner. Die Dickenausbildung bei den Kartoffeln lässt in diesem Jahr zu wünschen übrig. Hinzu kommt: Eine schonende Ernte, frei von Schlagschäden, war bei dem staubtrockenen, steinigen Boden schlecht möglich. Die Folge: Die Knollen haben „blaue Flecken“ davon getragen. Doch damit nicht genug: Der bis in tiefere Schichten staubtrockene Boden hat Drahtwürmer, Maikäferlarven und Mäuse zu Kartoffelliebhabern werden lassen. „Die Grumbeer war die einzige feuchte Stelle im Boden und da sind sie ran“, klärt Kartoffelbauer Karl Gortner seine Besucher darüber auf, dass die Fraßspuren „nicht schön, aber auch nicht schlimm“ sind. Die Knolle reagiere mit der Bildung einer neuen Hautschicht. Nur das makellose Äußere ist halt dahin.
Regelrecht im Boden gekocht
Bleiben noch die Bodentemperaturen von zeitweise 50 Grad und höher, die 2018 verzeichnet wurden. Sie haben die nahe an der Oberfläche heranreifenden Kartoffeln schon im Boden regelrecht gekocht. „Diese nicht immer sichtbar geschädigten Knollen faulen im Lager leicht“, berichtet Gortner und fügt an: „Uns hat es die Natur in diesem extremen Jahr wirklich nicht leicht gemacht.“ Und es geht gerade so weiter: Die ersten Kartoffeln seien bereits sichtbar am Keimen: „Die Hitze hat die innere Uhr der Feldfrüchte durcheinander gebracht. Die wissen gar nicht mehr, was Keimruhe ist. Statt im Frühjahr setzt teilweise der Keimvorgang jetzt schon ein“, erläutert Gortner kopfschüttelnd.