Waldfischbach-Burgalben
Kanalsanierung: Wieder wird die Hauptstraße gesperrt
Aber die Belastungen durch die Vollsperrung sollen deutlich geringer sein – weil deutlich kürzer –, als wenn die Straße in einem einzigen Bauabschnitt komplett aufgerissen wird, unterstrich Ingenieur Wilhelm Vatter, der die Sanierung plant.
90 Prozent des Hauptkanals sind inklusive Kamerafahrt untersucht. Die Schäden sind vielfältig: Setzungen, Brüche gehören dazu. Und es kommt eine Menge Fremdwasser in den Kanal. Das ist reines Wasser aus unterirdischen Quellen und Wasserläufen. Dieses Wasser wird trotzdem mit zur Kläranlage transportiert. Das kostet Energie, weil gepumpt werden muss. Und das reine Wasser durchläuft den Reinigungsprozess der Kläranlage. Kosten, die die VG einspart, wenn das Wasser aus dem Kanal gehalten wird.
Es habe sich gezeigt, erläuterte Vatter am Montag im Werksausschuss in Waldfischbach-Burgalben, dass sich der Kanal mittels sogenanntem Schlauchlining sanieren lässt. Vereinfacht gesagt wird dazu in den kaputten ein neuer Kanal in Form eines mit Kunstharz getränkten Kunststoffschlauches eingezogen, der dann mittels UV-Licht ausgehärtet wird. Dabei wird von Schacht zu Schacht gearbeitet. Haltung heißt so ein Kanalabschnitt zwischen zwei Schächten.
An Moosalb „kommt das meiste Wasser rein“
In vier Bauabschnitten, so der derzeitige Plan, soll der Kanal im Idealfall in den nächsten zwei Jahren saniert werden. Ein Abschnitt würde vom Sandweg in Burgalben bis zur Einfahrt der Alleestraße reichen (Länge: 730 Meter/geschätzte Kosten: 190.000 Euro). Ein weiterer Abschnitt geht von der Alleestraße bis zum Europa-Park (306 Meter/70.600 Euro). Der längste Abschnitt reicht von dort bis zum Kreisel (777 Meter/345.000 Euro), und der vierte Abschnitt vom Kreisel bis zur Libelle (330 Meter/118.000 Euro). Wobei die Reihenfolge, in der die Abschnitte saniert werden, variabel ist.
Schaut man sich die Menge an Fremdwasser an, die in den Kanal eindringt, wäre es laut Vatter sinnvoll, zwischen Europa-Park und Kreisel zu beginnen: „Hier kommt das meiste Wasser rein.“ Vor allem zwischen der Bäckerei Drebes und dem Heimatmuseum, nahe der Moosalb, läuft viel Fremdwasser in den Kanal.
Abends und nachts arbeiten
In diesem Abschnitt gebe es 22 Haltungen, skizzierte der Ingenieur. Um den Schlauchliner hier einzuziehen, seien elf Arbeitstage zu veranschlagen. Rechnet man vor- und nachbereitende Arbeiten dazu, braucht es dem Ingenieur zufolge eine Vollsperrung von etwa sechs Wochen. Wobei Vollsperrung in diesem Fall bedeute, dass zwar nicht durchgefahren, aber immerhin bis weit an die eigentliche Baustelle herangefahren werden kann.
Bezüglich der stark frequentierten Einkaufsmärkte, der Tankstelle sowie der Anlieger in diesem Teil der Hauptstraße verwies Vatter auf ähnliche Arbeiten in Hinterweidenthal: Dort soll an neuralgischen Punkten spät abends und nachts gearbeitet werden. Das sei in der Ausschreibung so festgehalten. Es verursache zwar Mehrkosten, betreffe aber nur wenige Tage und wenige Kanalabschnitte. Das Einziehen des neuen Kanals zwischen zwei Haltungen nehme in der Regel drei Stunden in Anspruch, bei einer Kanallänge von etwa 50 Metern.
Werden „uns nicht beliebt machen“
Dass es nicht ohne Vollsperrung funktioniert, sei der Tatsache geschuldet, dass die Schächte in der Regel in der Mitte der Hauptstraße angebracht sind. Deshalb könne die Kanalsanierung nicht durch halbseitige Sperrungen und Ampeln gelöst werden. Es sei klar, konstatierte Vatter, „dass wir uns nicht beliebt machen werden“.
Die VG wolle sich mit dem Wirtschaftsförderkreis in Verbindung besprechen, kündigte Verbandsbürgermeister Lothar Weber (SPD) an. Auch eine Anlieger-, eventuell sogar eine Einwohnerversammlung mit der Ortsgemeinde müsse es geben, bevor es an die Umsetzung des Projektes geht. Denn Vollsperrungen in der Hauptstraße sind ein sensibles Thema. Die Durchfahrt ist seit Wochen gesperrt, bedingt durch Brand und Abrissarbeiten des ehemaligen Hotel Martin. Und der Landesbetrieb Mobilität hat angekündigt, die Hauptstraße wieder zu sperren, wenn der Kreisel in der Ortsmitte saniert wird.