Kreis Südwestpfalz
Künstler erschafft Graffito mit Höheinöder Schülern
„Bist du berühmt?“ Das wollen die Schüler der dritten Klasse der Sickingerhöh-Grundschule in Höheinöd von Künstler Carl Kenz wissen. „Google mich“, fordert Kenz die Kinder auf. Die Internet-Suchmaschine Google verrät einiges über den Künstler, der nach eigenen Worten vom Mars kommt, auf der Erde in der Region Kaiserslautern gelandet ist und von hier seine weltweite Mission startet: Farbe in die Welt bringen, die Fantasie beflügeln, zum Lachen, aber auch zum Nachdenken anregen.
All das ist Bestandteil der Woche, die die Schüler mit Kenz verbringen. An deren Ende soll ein großes Kunstwerk die bis dato wenig ansehnliche Wand im Pausenhof zieren. Gemeinsam erarbeitet von Kenz und den Kindern. Zum zweiten Mal ist Kenz eine Woche an der Schule. Das Projekt gehört zum Landesprogramm „Jedem Kind seine Kunst“.
Figuren und bunte Tentakel
Das Ergebnis der ersten Zusammenarbeit von Schülern und Künstler ist unübersehbar, wenn man die Schule betritt: eine Wand voller Figuren, bunter Tentakel, die gute Laune garantieren, wenn man sich Zeit nimmt, um das Bild zu betrachten.
Nun erarbeiten Schüler und Künstler ihr zweites Werk. Das Motto „Each one, teach one“ sei ihm wichtig, erklärt Kenz, was ihn bewegt, mit Schülern zu arbeiten. Wer eine Kunst beherrscht, unterrichtet einen anderen darin, so lässt sich der Spruch übersetzen. „Ich wäre froh gewesen, wenn ich als Kind jemanden gehabt hätte, der mir geholfen hätte, der mir einige meiner tausend Fragen zum Thema Kunst beantwortet hätte“, erzählt Kenz. Er habe sich alles selbst beigebracht. Aber was er gelernt hat, will der Künstler, der weltweit seine Kunst an die Wände bringt, Bilder und Skulpturen ausstellt, den Kindern beibringen.
Zwischen Kunst und Sachbeschädigung
Viele fänden Graffiti erst mal cool, ohne sich darüber Gedanken zu machen. „Natürlich haben wir uns auch über die Frage unterhalten, wie das ist, wenn man einfach eine Wand bemalt. Ohne zu fragen“, sagt Kenz. Klare Antwort: Geht nicht, das ist verboten. Den Unterschied zwischen Graffiti-Kunst und Sachbeschädigung hat Kenz den Schülern deutlich gemacht. Kenz’ Werke zieren das Pfaff-Gelände in Kaiserslautern, außerdem Wände, Stromkästen oder auch mal Züge in Afrika, den Niederlanden, in Österreich und Serbien. Immer sind es Auftragsarbeiten, die ihn rund um die Welt führen.
Aktuell nach Höheinöd. Vor den 14 kleinen Künstlern im sonnendurchfluteten Klassenzimmer liegen Din-A-4-Blätter. Darauf das gemeinsam erarbeitete Motiv für die Wand. Bäume sind zu sehen, eine Treppe aus Büchern, Wurzel und Tentakel – die in Kenz’ Kunst eine wichtige Rolle spielen. Ausmalen lautet die Aufgabe. Dabei der Fantasie freien Lauf lassen, aber auch ein Gefühl für Farben, ihre Kombination und für Flächen entwickeln. Auch mit diesem Themenkomplex haben sich Kenz und die Kids intensiv während der gemeinsamen Woche beschäftigt.
Keine Vorgaben
Jedes Kind male einfach drauf los, wenn man ihm Stift und Papier gibt. Aber im Lauf des Lebens verliere sich das bei vielen. Was der Gesellschaft geschuldet sei, die für Kunst oft zu wenig oder nicht den richtigen Raum lasse. Für Kenz ein Horror-Szenario, aber durchaus Realität: Jugendlichen ein Blatt Papier hinzulegen, ihnen zu sagen, malt mal was, und dann sofort die Frage gestellt zu bekommen, was gemalt werden soll.
Für Kunst, für Kreativität, für Fantasie müsse Raum sein. An der Sickingerhöh-Grundschule sei das der Fall. Kenz will den Schülern, mit denen er auf Augenhöhe kommuniziert, auch nahebringen, was es bedeutet, sich für einen kreativen Beruf zu entscheiden.
Raus an die Wand
Die Sonne sorgt für Wärme auf dem Schulhof. Die Skizzen werden liegengelassen, jetzt geht es raus an die Wand. „Jaaaa“, jubeln die Kinder. „Setzt euren Tag auf eure Skizze und gebt das Blatt bei mir ab“, sagt Kenz. Die Skizzen werden getagt, also mit der in der Graffiti-Szene üblichen Signatur versehen, die den Künstler verrät.
Arbeitsschutz war ein Thema während des Kunstprojektes. Deshalb verteilt Kenz erst mal Atemschutzmasken an die Kinder. Und natürlich Handschuhe.
Musik an
Dann geht es an die Wand. Die Konturen des Bildes hat Kenz schon angebracht. Mit der Spraydose gibt er Felder vor. Sie sollen sauber sprayen, fordert von den jungen Künstler, die diszipliniert auf ihren Einsatz warten. Kenz und die Kids, das passt offensichtlich. „Stopp, stopp, stopp“, ruft Kenz, als schwarze Sprühfarbe die Wand runterläuft. „Wie halten wir die Dose, welcher Abstand?“, hakt er nach. Es wird nachjustiert, und im zweiten Anlauf klappt es. Das Feld füllt sich wie vorgesehen mit Farbe.
Jetzt legt er selbst Hand an die Wand. Musik läuft. „Ohne geht es nicht. Auch weil man sonst zu viel nachdenkt“, sagt Kenz. Die 14 Nachwuchskünstler schauen zu, wie sich die ersten größeren Flächen mit Farbe füllen, Baumwurzeln erkennbar werden. „Wir haben ganz sicher die bunteste Schule im Umkreis“, freut sich Schulleiterin Monika Karst über das wachsende Kunstwerk an der Wand.