Sickingerhöhe
Jungstörche klappern im Wallhalbtal
Schon im Frühjahr hat Müllermeister Hans Isemann von der Mahlmühle in Rieschweiler angedeutet, dass sich an der Faustermühle Störche aufhalten. Es kam schließlich auch zum Nestbau auf dem Kamin des ehemaligen Mühlengebäudes. Die Störche wurden von den Bewohnern geduldet, da der mit Backsteinen gemauerte Kamin vermutlich nicht mehr benötigt wird.
Für die Vogelkundler brauchte es Geduld, bis sich endlich zeigte, dass das Storchenpaar erfolgreich brütet. Es werden noch drei Jungstörche gefüttert, was einer guten Belegung eines völlig neuen Horstes entspricht. Die Jungvögel machen einen guten Eindruck. Bisher konnte noch nicht genauer beobachtet werden, ob die Storcheneltern beringt sind. Bei entsprechendem Glück könnte man die Ringnummer erfassen, um aus der Datenbank der Vogelwarte in Radolfzell am Bodensee einiges über die Herkunft eines Storches zu erfahren oder gar beider Eltern.
Albert Westrich aus Schmitshausen, der in Herschberg aufgewachsen ist, kann sich über 70 Jahre zurückerinnern, nicht aber an Störche in all den Jahren im Mühlental. Auch an seinem Stammtisch auf der Kneispermühle hat man das Thema angesprochen, aber niemand wusste etwas über die Anwesenheit von Störchen im Mühlental.
Seine Ehefrau Hildegard ergänzt, dass im Mühlental der Klapperstorch keine Babys gebracht hat. Sie muss es wissen, denn ihre Schwester Gisela war das einzige Kind, das in der Dienstwohnung des Wasserwerkes des Mühlengutes zur Welt kam. Nur als Albert Westrich um die zehn Jahre alt war, da sei an einer Wasserlache in Herschberg ein Storch gelandet. Mit seinen Schulkameraden sei er an diesen Platz gerannt, um zum ersten Mal einen Storch zu sehen. Der wäre von dem Auflauf jedoch nicht begeistert gewesen und sei sofort weitergezogen. Westrich denkt, dass es damals ein Durchzügler war, der eine Pause benötigt hat, aber keine Absicht hatte, hier seinen Wohnsitz zu nehmen.
In Schmitshausen hat Christian Kühn mit den Feuerwehrkameraden die Initiative ergriffen, um dem Weißstorch eine Nistmöglichkeit anzubieten. Ein Mast mit passender Plattform soll den Storch einladen, im kommenden Jahr sich ein Nest zur Familiengründung zu bauen. Der erfahrene Storchenfachmann Manfred Konrad aus Theisbergstegen in der Nordpfalz, war der hilfreiche Ratgeber, um den Wappenvogel des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) auf der Sickinger Höhe heimisch werden zu lassen. Es hätten bereits zwei Störche auf dem erst aufgestellten Nest gestanden, berichtet Albert Westrich.
Dies ist ein hoffnungsvoller Anfang, dass im kommenden Jahr vielleicht eine Ansiedlung gelingen könnte, da die Störche schon öfters zur Zwischenrast am Feuerwehrhaus waren. In diesem Jahr ist die Brutzeit vorbei, und die Störche werden schon bald die Region verlassen. Zudem könnten es schon Jungstörche gewesen sein oder Altvögel, die ihre Aufgabe der Nachwuchsaufzucht abgeschlossen haben.
Die Sickinger Höhe ist seit einiger Zeit eine Vorratskammer der Störche, da es hier die beliebte Nahrung der Stelzenvögel gibt. Die von den Bauern frisch gemähten Wiesen oder für eine Wiedereinsaat bearbeiteten Felder sind eine sichere Nahrungsquelle.
In der zweiten Juli-Hälfte haben Brigitte und Manfred Becker aus Battweiler auf dem Grünland bei Knopp-Labach gleich sieben Störche fotografiert. Für den Storch ist das Umland der Höhendörfer als Lebensraum geeignet. Vor allem mag man den so beliebten Stelzenvogel in den Dörfern der Region, was ihm hilft, um standorttreu zu werden.
Trotzdem braucht es Geduld, bis die Störche eine Nisthilfe wirklich als Brutplatz annehmen. Dies dauerte in Althornbach einige Jahre, obwohl alles wohl bedacht war in der Talaue. Das angebotene Nest lag ruhig mit günstigen Ruheplätzen für die Storcheneltern, was man gerade in diesem Jahr wieder besonders gut erkennen konnte. Auch im Wallhalbtal hofft man seit Jahren auf Storchenglück. Es wurde ein Mastnest nicht weit vom Bachlauf zwischen Ludwig-Katz-Haus und den Einkaufsmärkten in den Wiesengärten aufgestellt. Es gab auch gelegentlich Besuch von Störchen, aber es kam bisher nicht zu einem erfolgreichen Ehebund, der zur Aufzucht von Nachwuchs in dem ebenfalls günstig stehenden Nest geführt hätte.
In Rieschweiler über der Bahnlinie klappern die Weißstörche jeden Tag ausgiebig. Doch bisher blicken viele Dorfbewohner vergeblich zum Sendemast, ob dort bald Nachwuchs zu sehen ist. Noch immer lassen sich keine jungen Storchenschnäbel blicken. Es würde jetzt schon Zeit werden, denn es verbleiben nur noch wenige Wochen, um den Nachwuchs aufzuziehen. Schließlich sollte er noch rechtzeitig nach Süden aufbrechen können. Luca, Tina und Jörg Lefebre aus dem Hechtloch beobachten ihre Störche in ihrer unmittelbaren Umgebung auch aufmerksam. Deshalb sind sie längst besorgt, dass noch kein Nachwuchs zu sehen ist. Vor allem weil sich die Störche so hoch droben, so ein riesiges Nest gebaut haben. Für den Naturfreund Jörg Lefebre ist es ein Beweis, dass der Weißstorch ihr Dorf mit den grünen Tälern am Schwarzbach und seinen Nebenbächen mag. Hinzu kommt die landwirtschaftlich genutzte Feldflur, die das von den Vögeln so beliebte Futter ausreichend zu bieten hat.