Zweibrücken / Südwestpfalz
Jetzt droht eine längere Unterbringung in der Psychiatrie
Am 17. November 2020 war der Mann mit einem Betreuer nach Kaiserslautern zu einem Psychiater gefahren. Der Facharzt sollte ihn auf eine mögliche Schizophrenie untersuchen. „Was er gesagt hat, hat mir nicht gefallen. Deshalb bin ich weggelaufen“, erzählte der Angeklagte vor Gericht. Weil davon ausgegangen wurde, dass sich der Mann etwas antuen könnte, wurde er zur Fahndung ausgeschrieben. Eine Polizeistreife traf ihn dann im Innenhof seiner Betreuungseinrichtung an.
Der Polizist, der den Angeklagten zusammen mit einer Kollegin kontrollierte, berichtete, dass der Mann zwar seinen Personalausweis ausgehändigt habe. Als er ihm erklärte, dass er ihn festnehmen müsse, habe er versucht zu fliehen. Seine Kollegin habe den Mann festhalten wollen, daraufhin habe der Angeklagte mit der Faust nach der Beamtin geschlagen, sie aber verfehlt. „Ich bin dazwischen gegangen, habe ihn zu Boden gebracht“, berichtete der Polizist. Weil sich der Mann nicht fesseln lassen wollte, sei der Taser eingesetzt worden. Der kurze elektrische Stromstoß brach den Widerstand. Nach einem Zwischenstopp bei der Polizei in Pirmasens ging es ins Krankenhaus, wo er auf der Psychatrie vorgestellt wurde.
Schon mal im Streit zugestochen
Zwei Dinge bringen den Mann jetzt in die Bredouille. In seinem Rucksack fanden sich zwei Messer: ein als Waffe eingestuftes Bajonett und ein ungefährliches Wurfmesser. Die habe er dabei gehabt, weil er sie in der Werkstatt, in der er arbeite, benötige, um die Packbänder von Kartons aufzuschneiden, sagte er. In der Vergangenheit hat es bereits einen Vorfall mit Messern gegeben, für den er verurteilt worden war: Vor sechs Jahren hat er betrunken im Streit in seiner Wohnng im Dreiländereck Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz einen Mann mit zwei Küchenmessern verletzt. „Er hat mich auf dem falschen Fuß erwischt, mich sehr stark provoziert, das war sein Verhängnis“, sagte der Angeklagte. Seine Strafe verbüßte er in der Klinik für forensische Psychologie in Klingenmünster. Er wurde danach in der Einrichtung im Landkreis untergebracht, zwischenzeitlich hatte sich sein Zustand so gebessert, dass er in einer Wohnung in Pirmasens lebte. Weil er da aber nicht zurecht kam, kehrte er in die Einrichtung zurück.
Die Ärzte im Städtischen Krankenhaus stellten bei dem Mann eine Angstpsychose fest. „Ich war nicht ich selbst. Ich habe mich sehr hilflos gefühlt, ich habe alles nur schemenhaft mitgekriegt“, sagte der Mann aus. Sollte er jemanden verletzt haben, dann tue es ihm leid. Bei der Festnahme gab es keine Verletzten.
Eine Gefahr für andere?
Nach dem zweiten Vorfall, bei dem Messer im Spiel waren, geht das Gericht der Frage nach, ob der Mann für andere gefährlich ist und ob er deshalb für längere Zeit in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden muss. Alle am Donnerstag gehörten Zeugen, die mit dem Mann bislang zu tun hatten, dazu gehörten Mitarbeiter der Betreuungseinrichtung, Bewährungshelfer und behandelnde Psychiater, beschrieben den Mann als zurückhaltend, kooperativ und zuverlässig. Seit dem Vorfall erhalte er regelmäßig Medikamente, die dazu führten, dass er „sehr stabil geworden ist“, wie eine ehemalige Bewährungshelferin betonte.