Kreis Südwestpfalz „Jagd ohne Hund ist Schund“

Placeholder-Image

Contwig. 13 Jungjäger trafen sich am Samstag auf dem weitläufigen Gelände des Contwiger Jägers und Unikats Hubert Lang, um sich im Jäger-Parcours der Kreisgruppe Zweibrücken-Pirmasens auf die Jagdprüfung vorzubereiten. Brauchtum stand genauso auf dem Stundenplan der Neujäger wie Federwild-Erkennung oder Waldkunde. Unser Mitarbeiter Mario Moschel absolvierte mit Hubert Lang einen Interview-Schnellkurs in Sachen Jagd.

Auf Ihrem Gelände findet der Ausbildungskurs zum Jungjäger statt. Was bedeutet Jungjäger?

Jungjäger heißt ein angehender Jäger, der jetzt den Jagdschein macht. Das ist aber nicht altersabhängig. Ein Jungjäger kann genauso 18 Jahre alt sein wie 80 Jahre alt. Sobald er den Jagdschein hat, bleibt er drei Jahre Jungjäger. Danach gilt er als erfahrener Jäger und ist zur Jagdpacht fähig. Der Reifenberger Jäger Ferdi Hüther hat Sie beschrieben mit den Worten, sie seien nicht nur Jäger, Sie würden auch so aussehen. Wie sieht denn ein typischer Jäger aus? Der meint wahrscheinlich den dicken Bauch.Kommt der von der Jagd? Nein, der kommt vom guten Essen, vom guten Wildbret, das wir uns schießen. Wir sind ja nicht nur Jäger, wir stellen ja auch Lebensmittel her, in dem wir hochwertiges Wildfleisch, Wurstwaren und Schinken liefern. Fast jeder Jäger kocht und isst gerne. Was passiert bei der Jagdausbildung in Contwig? Heute sind 13 Jungjäger gekommen, die sind seit April im Jagdschein drin. Heute ist der Tag, um ihren Wissensstand zu ermitteln. In eineinhalb Monaten fängt die erste Prüfung an, und heute kann jeder sehen, wo er steht, und wo es noch fehlt. Heute Morgen ist Parcours-Training, am Nachmittag bleiben ein paar Ausbilder und vertiefen beispielsweise die Themen Haarwild, Federwild, Brauchtum, Jagdarten, Jagdbetrieb, Fallen, Landwirtschaft und Waldbau.Das sind also die Themen, um die es geht. Die Jäger müssen an der Parcours-Station also verschiedene Haarwild-Sorten erkennen und benennen können? Genau. Wir haben verschiedene Stationen mit präparierten Tieren, und die Jungjäger müssen die Tierart erkennen und erläutern. Da vorne haben wir das Thema Hundeausbildung, da geht es um die verschiedenen Jagdhundrassen, Material wie Leinen und Halsbänder.Hat jeder Jäger einen Hund? Er sollte. Es gibt das Sprichwort „Jagd ohne Hund ist Schund“. Ein Jäger, der ans Wasser geht und Enten jagt, aber keinen Hund dabei hat, kommt an die Ente ja nicht dran, wenn sie ins Wasser fällt. Eine Stange mit Haken funktioniert nicht immer. Deshalb hat der Jäger einen Hund dabei. Auch ist nicht jeder Schuss ein hundertprozentiger Treffer. Es gibt schusshartes Wild wie beispielsweise Wildschweine, die gehen noch bis zu vier Kilometer trotz Schuss. Die müssen mit dem Hund gesucht werden. Lieber eine Suche zu viel als eine zu wenig. Das ist Tierschutz konform. Dafür braucht man firme Jagdhunde. Bei uns wird der Jäger zum Jagdhundeführer ausgebildet. Die jagdliche Praxis spielt bei der Ausbildung eine Rolle. Da geht es zum Beispiel um Jagdarten wie Treibjagd, Drückjagd, Gesellschaftsjagd, Einzeljagd und ums Brauchtum. Da geht es um die Jägersprache.Aha. Das Jägerlatein also. Nein, das Jägerlatein hat mit der Jägersprache nichts zu tun. Jägerlatein ist die Lügerei, die nach der Jagd in der Wirtschaft erzählt wird.Gibt es das noch? Natürlich. Wir haben ja meist keine Zeugen auf der Jagd. Es ist wie bei den Anglern, da wird hinterher der Fisch auch immer länger. Bei uns werden halt die Wildschweine immer schwerer, von 25 Kilo bis 60 Kilo geht das dann. In der Ausbildung lernen die Jungjäger auch etwas über Waldbau, sämtliche Baumarten, Schichten wie Krautschicht, Stammschicht und Kronenschicht. Auch Landbau ist ein Prüfungsfach. Erkennen von Getreidearten, das muss jeder Jäger können. Auch die Fruchtstände und die Regeln der Feldbewirtschaftung sollte man als Jäger kennen. In welchem Turnus bewirtschaftet der Bauer sein Feld, welche Fruchtfolge gibt es. Ich merke schon, Jägersein hat nicht nur damit zu tun, Tiere totzuschießen? Nein, das ist die wenigste Arbeit. Ein Jäger muss ein sehr großes Wissensspektrum haben.Man sagt ja, der Mensch sei ein Jäger und Sammler. Steckt die Jagd dem Menschen wirklich in den Genen? Ja. Das steckt im Menschen. Wenn man sieht, wie manche Teilnehmer im Jagdkurs aufblühen, merkt man das. Muss man zum Jäger geboren sein? Nein, man kann auch die Jagd erlernen. Aber es sollte eine gewisse Grundeinstellung vorhanden sein. Wer wurde denn früher Vegetarier? Nicht viele Menschen, schätze ich.Nur die, die nicht getroffen haben. Hat sich die Jagd in den vergangenen Jahrzehnten sehr verändert? Ja, das hat sie. Bei uns hat sich die Jagd sehr stark verändert, alleine durch die Vorschriften. Schon wegen der Einflüsse der verschiedenen Lobbyverbände haben die Jäger Gängelungen erfahren. Über das Landesjagdgesetz und das Waffengesetz beispielsweise. Der Jäger hat die Aufgabe, das Eigentum des Verpächters zu schützen. Durch die intensive Landwirtschaft hat sich auch Vieles geändert. Wir haben heute sehr große Weizen- oder Maisfelder von bis zu 1500 Hektar pro Feld. Das ist kaum noch zu bejagen. Und den Wildverbiss müssen wir Jäger ersetzen. Dann kommt noch dazu, dass die Leute in ihrer Freizeit zunehmend die Natur für sich nutzen, aber naturfremd sind. Sie sehen nicht die Hintergründe. Beispielsweise ist ein Reh ein Wiederkäuer, der Äsruhe braucht.

x