Dahn / Höheischweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Wenn die Ausbildung zum Schmied viel besser passt als die Schule

Leo Heintze, angehender Schmied.
Leo Heintze, angehender Schmied.

Leo Heintze ist 16 Jahre jung und macht in Höheischweiler in der Werkstatt von Thomas Maria Schmidt eine Ausbildung zum Metallbauer, Fachrichtung Metallgestaltung – oder wie es manche von früher kennen: Schmied. Weiter die Schulbank drücken war für den Dahner keine Option.

Leo, wie bist du überhaupt auf die Ausbildung zum Schmied gekommen?
Ich war auf der Suche nach einem Job, weil ich einfach gemerkt habe, dass es für mich in der Schule – so wie ich mich entwickle – nicht weitergeht. Ich wollte unbedingt einen Beruf erlernen und etwas mit den Händen arbeiten, mich bewegen. Die Mutter eines guten Freundes von mir, die hat mich auf die Schmiede in Höheischweiler aufmerksam gemacht. In den Sommerferien habe ich dort ein Praktikum gemacht. Und dann hieß es: Okay, versuchen wir’s. Dann haben sie mich eingestellt. Jetzt bin ich im ersten Lehrjahr.

Warum hat die Schule nicht mehr zu dir gepasst?
Das Lernen liegt mir nicht, zu Hause am Schreibtisch sitzen und büffeln. Ich habe mich leer gefühlt. Da hat einfach keine Weiterbildung in mir stattgefunden. Ich wollte unbedingt etwas machen, und das hat sich jetzt auch bewahrheitet.

Wie gefällt es dir bisher?
Super! Die Atmosphäre ist super, die Leute sind sympathisch. Dort ist keine schlechte Stimmung. Mein Chef ist wirklich sehr nett. Mit der Arbeit war ich erst völlig überfordert, aber da kommt man mit der Zeit rein. Es tut einfach gut, was zu machen. Nach dem Feierabend kaputt zu sein und sich auf die Schulter klopfen zu können. Zu wissen, dass man was geleistet hat.

In meiner Vorstellung hämmert ein Schmied auf den Amboss und schürt die Glut. Wie sieht das heute aus?
Natürlich schmieden wir heute auch noch und benutzen den Hammer. Aber wir lernen viele handwerkliche Grundlagen und wie man mit Maschinen umgeht. Welche Materialien man benutzt.

Gibt es zurzeit ein Projekt, das du gestaltest?
Einmal hab’ ich ein Rosenmuster aus einem Stück Aluminium ausgeschnitten, abgefeilt und zusammengesetzt. Und jetzt bin ich in ein Projekt involviert, da schmieden wir einen runden Zaun. Der sieht so aus, als würde man einen Baum absperren wollen. Zwei Halbkreise.

Was gibt es bei so einer Arbeit zu beachten?
Vieles. Bei dem Rosenmuster hab’ ich zum Beispiel erst das Muster hingelegt, mit Farbe drüber gesprüht, mit einer Anreißnadel das Muster eingezeichnet und dann Löcher gebohrt, um eine Kleinhandsäge einzuspannen. Danach habe ich das Muster ausgesägt und abgefeilt.

Bei dem Beruf Schmied hatte ich jetzt an etwas Grobes gedacht. Aber das klingt sehr nach Feinmotorik …
Das ist ja das Schöne. Durch das Restaurieren – was wir auch machen – kriegt man verschiedene Aufgaben. Sachen, bei denen man viel Fingerspitzengefühl braucht oder einfach nur Draufhämmern muss. Ich finde das sehr cool.

Der Beruf ist ja eher ungewöhnlich. Wie hat dein Umfeld reagiert, als du dich für die Ausbildung entschieden hast?
Meine Mutter hat heute noch zu mir gesagt, dass sie sehr glücklich ist, weil es mir besser geht. Mein Vater ist auch sehr happy damit. Das findet eigentlich jeder cool, wenn man macht, was man will.

Manchmal scheint das Handwerk eine aussterbende Berufssparte zu sein. Wie nimmst du das wahr?
Das Handwerk darf auf keinen Fall aussterben. Die Welt braucht mehr Arbeiter und gute Leute, die auch eine Ausbildung machen. Ich finde es sehr wichtig, dass mehr Leute einen Beruf erlernen, das liegt mir am Herzen. Was soll man machen, wenn niemand mehr die Heizung reparieren kann?

Viele schlagen einen anderen Weg ein: Abitur, Studium … Wie könnte man mehr junge Leute für das Handwerk begeistern?
Ich glaube, dass sich viele junge Leute für das Handwerk interessieren. Vielleicht sollte die Schule mehr darauf vorbereiten. Praktika sind toll. Es wäre gut, wenn das Interesse durch die Schule gefördert wird.

Gibt es denn besonders tückische Fehlerquellen in deinem Beruf?
Ja. Zum Beispiel beim Biegen. Da kommt man schnell über das Maß hinaus. Man dreht die Kurbel, legt das Material wieder an, dreht einen Millimeter weiter, und schon ist alles verbogen. Ich hatte am Anfang auch noch nicht so das Gespür dafür, wann der Stahl zu kalt ist. Wenn man dann drauf haut, zerspringt der Stahl.

Der Stahl muss also heiß sein. Hast du da keine Angst?
Zwischen 700 und 800 Grad ist der Stahl – wie wir sagen – schön warm. Da lässt er sich gut verarbeiten. Verbrannt habe ich mich bisher nicht. Vor was ich am Anfang Angst hatte, waren die Blasen an den Fingern. Wenn man ewig den Hammer in der Hand hält, kann das schon passieren. Nach einer Zeit bildet sich eine Hornhaut, die schützt einen davor.

Würdest du dich wieder für die Ausbildung entscheiden?
Definitiv. Ich habe die Schule nicht mehr ausgehalten. So wie es jetzt läuft, ist es super und macht Spaß.

Als Projekt hat Heintze ein Rosenmuster in Aluminium geschnitten.
Als Projekt hat Heintze ein Rosenmuster in Aluminium geschnitten.
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